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Einblick in eine Pashmina-Produktion …

6. Mai 2014 um 8:54

… gibt es bei „Sunny Pashmina“ in Boudhanath, Kathmandu, geleitet von Frau Hissi Dongala Sherpa.

In Hissi’s Ausstellungraum gibt es eine Vielzahl an Schals mit wunderschönen Designs in hochwertiger Qualität und verschiedenen Farben. Darüber hinaus werden andere handgefertigte Produkte angeboten. Es ist faszinierend die einzelnen Produktionsschritte in Hissi’s kleinem Betrieb zu sehen und mitzuerleben.

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Hissi Dongala Sherpa

Ich hatte die Gelegenheit mit der nepalesischen Geschäftsfrau über ihr Pashmina-Unternehmen in Kathmandu zu sprechen.

SP: Namaste Hissi, können Sie uns zuerst sagen was das Wort PASHMINA überhaupt bedeutet?

HISSI: Namaste Sabina. Schals, die aus Kaschmir, Seide oder Materialmischungen in Nepal hergestellt werden, heißen  PASHMINA.  Das Wort Pashmina stammt aus dem Persischen und bedeutet “Wolle”.

Manche Leute sagen, dass Pashmina eine spezielle Wolle der Ziege ist, aber das stimmt nicht.

Gewöhnlich wird die Innenwolle der gesamten Himalaya-Ziege (Capras Hircus) für die Produktion von Kaschmirgarn verwendet.  Nur die Wolle/Haare an den Beinen der Ziegen sind zu kurz um diese für die Garnherstellung zu nehmen.

SP: Wann haben Sie Ihr Unternehmen gegründet?

HISSI: Mein Mann und ich haben unser Geschäft im Jahre 1996 gegründet. Zu dieser Zeit haben wir nur weiße Schals produziert, die wir nach Indien verkauften. Nach dem plötzlichen Tod meines Mannes in 2001, habe ich angefangen neue Muster zu entwerfen und farbige Schals zu fertigen.

SP: In Nepal ist es sehr selten, dass Frauen selbständig sind oder führende Positionen in Unternehmen  bekleiden. Wie fühlen Sie sich als selbständige Geschäftsfrau?

HISSI:  Ich bin stolz darauf selbständig zu sein. Ich arbeite sehr hart um zu überleben und mein Geschäft weiterführen zu können. Dadurch habe ich es geschafft meinen drei Kindern eine gute Ausbildung zukommen zu lassen ohne meine Eltern und Schwiegereltern um finanzielle Hilfe zu bitten.

Außerdem freue ich mich sehr, dass ich anderen Menschen einen Arbeitsplatz bieten kann.

SP: Wie viele Angestellte haben Sie in Ihrem Unternehmen?

HISSI:  Meistens habe ich 14 Personen, darunter 10 Frauen, die bei mir arbeiten. Die Arbeiten der Frauen (wie Weben, Knüpfen,  Bügeln, Franzen herstellen, Vorbereitung des Färbe-Prozesses) sind sehr wichtig in der Produktionskette. Aber auch die Arbeitskraft der Männer, insbesondere für das Schären und Färben sowie das Aufspannen der Webstühle, ist erforderlich.

SP: Welche Produkte werden in Ihrem Betrieb hergestellt?

HISSI: Wir stellen Schals, Stolen, Halstücher, Decken, Pullover, Jacken, Handschuhe und Hüte aus unterschiedlichen Materialien sowie in verschiedenen Farben und Formen her.

SP: Welche Art von Wolle bzw. Garn verwenden Sie zur Herstellung?

HISSI:  Es kommt immer auf das Produkt an. Meistens verwenden wir Garne aus den Materialien Kaschmir, Seide und Bambus sowie Yak-Wolle.

SP: Woher beziehen Sie die Garne?

HISSI:  Da in Nepal keine Garn Produktion existiert und das Indische Garn oft von minderer Qualität ist, verwenden wir ausschließlich Garne, die aus China kommen. Das Rohmaterial (Wolle) von den Himalaya-Ziegen wird meistens direkt nach China zur Weiterproduktion geliefert.

SP: Welche Art von Farbstoffe verwenden Sie für den Färbeprozess?

HISSI: Die Farben, die ich verwende sind umweltfreundlich und azo-frei. Die Farbstoffe sind mit dem Gütesiegel und Zertifikat “Schweizer Qualität” versehen. Ich kann die Farben bei einem Vertriebsagenten in Nepal beziehen.

SP: Wie lange dauert die Produktion eines Schals?

HISSI: Ein weißer Schal kann in 2 Stunden produziert werden. Für einen farbigen und gemusterten Schal können 3 bis 4 Stunden gerechnet werden. Wir produzieren mit 2 großen Webstühlen ungefähr 10 Schals pro Tag.

SP: Die ganze Produktionskette wird  immer noch in  traditioneller Handwerkskunst durchgeführt. Können Sie uns die einzelnen Schritte, die von Hand gemacht werden,  beschreiben?

HISSI:  Ja – vom ersten bis zum letzten Schritt wird alles von Hand gemacht. Zunächst die Vorbereitung des Garns für den eigentlichen Webprozess durch Aufwickeln auf den sogenannten Kettbaum/Walze sowie das Aufspannen und die Fassung  der Webstühle . Danach der Webvorgang an sich, die Nachkontrolle und etwaige Ausbesserungsarbeiten.  Das Waschen, Färben, Trocknen, die  Formgebung und das Bügeln erfolgen ebenfalls in gleichförmiger Handarbeit.  Somit ist jeder Schal und jedes andere Produkt, das wir herstellen, ein exklusives Einzelstück.

SP: Liebe Hissi, haben Sie vielen Dank für das Interview. Es war sehr interessant einen Einblick in Ihr Handwerksunternehmen und  die Schalproduktion zu erhalten. Es ist erstaunlich, dass alle Produkte individuell und noch immer in Handarbeit gefertigt werden.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und Erfolg mit Ihrem Unternehmen und viele neue, zufriedene Kunden.

DHANYABAD & NAMASTE!!

Kontakt:
Hissi Dongala Sherpa
Chusang Margh, Jorpati, Boudha, Kathmandu
Mobil: + 977 9851004190
Email: info@pashminaexpert.com

 

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Schals, Schals, Schals

ILAM … Teegebiet und mehr

5. Mai 2014 um 21:45

Ilam liegt im Osten Nepals und bezeichnet sowohl den Hauptort als auch den Distrikt. Ilam ist bekannt für seinen Teeanbau; grüne Hügel mit Teeplantagen prägen das Landschaftsbild. Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit und ethnischer Gruppen bewohnen das Gebiet. Der Distrikt Ilam grenzt an das indische Darjeeling und ist touristisch noch nicht erschlossen.

 

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Teepflücken – eine harte und schlecht bezahlte Arbeit

 

Es gibt die Möglichkeit bei einheimischen Familien in sogenannten Homestays zu wohnen. Alle Familien kümmern sich rührend und sehr zuvorkommend um ihre Gäste – kein Wunsch bleibt unerfüllt. Allerdings muss klar sein, dass es sich bei den Homestays um ganz einfache Unterkünfte bzw. Räume in den Wohnungen der dort lebenden Menschen handelt. Waschgelegenheiten und Duschen sind rar bzw. oft außerhalb des Haupthauses zu finden. Zum Frühstück kann es – ganz typisch – auch mal frittierte Nudeln (Chowmein) geben. Auf der anderen Seite gibt ein solcher Aufenthalt direkten und hautnahen Einblick in die Lebensweise und Familie.
Besichtigungen von Teefabriken, Teeverkostungen, ein kurzer Grenzübertritt nach Indien – Pashupatinagar oder eine eintägige Trekkingwanderung nach Antudanda runden einen Besuch in Ilam ab.

 

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Teeverkostung in Ilam

 

Und nicht nur Teeliebhaber kommen auf ihre Kosten in Ilam …  insbesondere von Antudana oder auch von Pashupatinagar aus, ist der dritthöchste Berg der Welt: Kanchenjunga (8.586 m), was auf tibetisch soviel bedeutet wie „die fünf Schatzkammer aus Schnee“, sehr gut zu sehen.  Wer eine Trekkingtour zum Kanchenjunga Basislager unternehmen möchte, fliegt zuerst von Kathmandu nach Bhadrapur und fährt dann von Ilam zum Startpunkt nach Tablejung.

 

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Kanchenjunga Himal im Osten von Nepal

Wanderung zum Shivapuri Peak (2.780 m)

4. Mai 2014 um 18:58

Der Eingang des Shivapuri Nationalparks (der hauptsächlich wegen der Wasserversorgung des Kathmandu-Tals im Jahr 2002 als Nationalpark deklariert wurde) liegt in Buddhanilkhanta, dem nördlichen Stadtteil von Kathmandu. Es ist möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Mirkobussen) vom Ratnapark bis nach Buddhanilkhanta zu fahren. Am besten eignet sich die Bus-Linie, die bis zum Eingang des Shivapuri Nationalparks fährt. Ansonsten ist ein cira einstündiger Aufstieg von der Haltestelle in Buddhanilkhanta bis zum Eingangstor des Nationalparks erforderlich. Die einfachste Variante ist ein Taxi bis zum Eingangsbereich zu nehmen.

 

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Shivapuri Nationalpark, Kathmandu

 

Der Eintritt beträgt für Nepali NPR 10,00 und für Foreigner NPR 250,00. Wer ein Fahrrad mitbringt oder unterwegs Zelten möchte, muss extra Gebühren bezahlen. Nach Bezahlung des Eintritts wird jeder Besucher noch in einem Log-Buch mit Name und Nationalität registriert. Den Besucher empfängt zunächst ein großer Wegweiser- Plan mit vielen verschiedenen Wandermöglichkeiten. Die Wanderung zum Shivapuri Peak kann als Rundwanderung (insgesamt ca. 7 – 8 h) gestaltet werden.

Nach gut einer Stunde Wanderung auf einer befahrbaren Schotterstraße mit leichtem Anstieg wird die Abzweigung zu einem sehr steilen Weg mit vielen Steinstufen erreicht. Links geht es die Treppen hinauf und immer höher und höher hinein in den Märchenwald, begleitet vom Zirpen der Grillen. Der Dschungelwald mit seinen Kunstwerken der Natur ist beeindruckend. Verschlungene Äste als moderne Kunst und Bäume mit Regenschirmdach. Die vielen Stufen sind sehr anstrengend und es dauert ca. 2 Stunden (mit mehreren kleinen Pausen) bis dieser Aufstieg in einem schönen geraden Waldweg endet. Von dort aus führt ein ebenmäßiger Weg durch den Wald vorbei an großen Bäumen, deren Stamm ausgehöhlt ist und Unterschlupf bietet.

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Natur Kunstwerk

 

 

Nach ca. 30 – 40 Minuten wird der heilige Platz Bhagdwar mit Shiva-Symbolen und vielen Gebetsfahnen erreicht. Aus einem Löwenmaul sprudelt frisches Wasser und fließt in das große Becken mit Shiva Statue.

 

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Baghdwar – Shivapuri

 

Von Bhagdwar aus zieht es sich bis zum Gipfel nochmals eine halbe Stunde über einen weiteren Treppenanstieg. Auf dem Gipfel erwarten den Wanderer viele kleine Steintempel und Gebetsfahnen und laden dazu ein, weitere Steintempel zu bauen oder Gebetsfahnen aufzuhängen.

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Steintempel und Gebetsfahnen – Shivapuri Peak

 

Der Abstieg über die vielen Stufen sollte nicht unterschätzt werden und Trekkingstöcke sind sicherlich hilfreich. Auf dem Rückweg kann auf der Hälfte der Strecke bergab das Nonnenkloster Nagi Gompa (Tsün Gön Nang Kyi Tongsal Ling), besucht werden. Von dort aus führt die befahrbare Schotterstraße zurück zum Eingangsbereich. Wer müde ist und Glück hat, findet vielleicht ein Taxi, das Personen beim Klostereingang abgesetzt hat und zurück nach Kathmandu fährt.

 

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Nagi Gompa – Nonnenkloster im Kathmandutal

 

Im Eingangs- und unteren Bereich des Nationalparks sind überall Mülleimer aufgestellt. Dennoch sind die schönen lichten Plätze, immer wieder mit Müll übersät. Viele Familien, Schulklassen und Studenten kommen zum Picknick und lassen Plastiktüten, leere Becher und Pappteller einfach liegen. Schade, dass das Umweltbewusstsein noch nicht wirklich angekommen ist.

 

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Baum-Kunstwerk

 

Trekking mit Guide & Sherpa

1. Mai 2014 um 19:58

Im Moment keimt in Nepal wieder die Diskussion über Alleinreisende (Solo-Trekker) in abgelegenen Trekking Gebieten auf. Ausgelöst wurde die Debatte durch eine Pressekonferenz, die die Dachorganisation der Trekkingagenturen TAAN (Trekking Agencies Assoziation of Nepal) organisierte. Beigewohnt haben der Konferenz die Eltern von vermissten Jugendlichen, die alleine in Nepal unterwegs waren und bisher keine Anhaltspunkte über deren Verbleib vorliegt. Die Regierung von Nepal wurde aufgefordert weitere Untersuchungen einzuleiten und eine Regelung zu erlassen, die das Solo-Trekking untersagt.

Bisweilen können Permits und TIMS-Karten (Trekkers Information Management System) für die populären Trekking Gebiete Annapurna, Langtang und Everest neben registrierten Trekking Agenturen auch von jedem Individualreisenden beantragt werden. Die Einschaltung einer lizenzierten Trekking Agentur für Permits und die Mitnahme eines Trekking Guides und Sherpas sind bislang zwingend nur für bestimmte Gebiete (z.B. Manaslu, Mustang, Dolpo, Kanchenjunga, etc.) erforderlich.

Bei der Planung von Trekkingtouren in Nepal und unter Berücksichtigung sozialer Aspekte sollte bedacht werden, dass bei der Begleitung durch einen Trekking Guide und einen Sherpa, zwei Menschen die Möglichkeit haben, Geld zu verdienen.

Wer einen tiefen Einblick in die nepalesische Kultur und Lebensweise bekommen möchte, sollte auf jeden Fall einen einheimischen lizenzierten Trekking Guide mit auf die Tour nehmen. Auch wandert es sich leichter, wenn nur der Tagesrucksack auf dem Rücken sitzt. Das große Gepäck, welches auch nicht zu schwer sein sollte, wird gerne ein Sherpa tragen um den Lebensunterhalt für seine Familie verdienen zu können.

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Regenbogen in Thulo Shafru – Langtang Region

 

Alltag in Kathmandu

26. April 2014 um 10:30

… wenn sich das dreckige Geschirr in der Spüle stapelt, kein Wasser aus dem Wasserhahn fließt und es bis zur nächsten Stromeinschaltung noch 5 Stunden sind…. dann meldet sich manchmal mein deutscher Putzteufel zu Wort, der die Reinheit liebt und eigentlich alles sofort erledigen möchte. Die Situation ist für den Sauberkeitsfanatiker in mir sehr schwer zu akzeptieren und auszuhalten.

Aber es ist Geduld gefordert … zumindest bis wieder der Strom angeschaltet wird, Wasser in die riesen großen schwarzen Wasserbehälter auf dem Dach gepumpt wird und danach das frische Nass aus dem Wasserhahn sprudelt.

Die 12 stündigen Stromabschaltungen pro Tag sind immer wieder herausfordernd, aber letztlich findet sich immer ein Weg damit umzugehen. So warten wir geduldig auf den Monsunregen, der uns vielleicht ein paar weitere Stunden Strom am Tag beschert.

 

Heiliges Wasser

Heiliges Wasser