Ausgestorbenes Touristenviertel Thamel in Kathmandu

11. Mai 2020 at 11:44

Endlich konnten wir gestern erfolgreich den Besuch bei der Bank abschließen. Sämtliche Banken – Hauptniederlassungen und Filialen – sind nun wieder täglich von 10 – 13 Uhr  und mit 1/3 Besetzung der Angestellten geöffnet. Die Sicherheitsbeamten achten darauf, dass die Kunden den erforderlichen Mindestabstand zueinander einhalten. Die Angestellten tragen Masken und Handschuhe.

Über die Notwendigkeit und den Sinn des Maskentragens sind sich ja nicht alle einig. Wenn ich die Maske lange trage, bekomme ich Kopfschmerzen. Die Haltebänder verursachen unangenehme Schmerzen hinter den Ohren. Meine Brille ist ständig beschlagen. Ist das im Sinne der Gesundheit? Wenn Maskenpflicht wirklich zur neuen Normalität werden sollte, dann bleibe ich doch lieber zu Hause. Und Lippenstift kann ich  auch keinen mehr tragen. ;-)) Ich wollte mich für den Bankbesuch so richtig schön machen. Es ist ja mittlerweile zu einem richtigen Event geworden, wenn das Haus verlassen werden kann. Also raus aus den bequemen Jogging-Klamotten, rein in die feine Jeans, bisschen Make-up und zum Schluss ein wenig Lippenstift. Ach nein, das geht ja nicht mehr…. die Maske verwischt und verdeckt ja alles.  Das ist ja nur eine kleine Sorge, und sollte eigentlich ein Spass sein, im Vergleich zu all dem Leid und den Schwierigkeiten, die das Land, die Wirtschaft und vor allem den Tourismus erwarten.

Nochmals richtig bewusst wurde uns dies als wir gestern nach dem Bankbesuch die Gelegenheit wahrnahmen um durch das Touristenviertel Thamel zu laufen. Erschreckend, schockierend, traurig… gespenstische Leere und Stille überall, alle Shops, Restaurants, Supermärkte, Hotels mit Rollläden verbarrikadiert und geschlossen. Ein Stadtteil komplett ausgestorben –  einfach tot – nichts.

Bevor wir Euch an diesen bitteren Eindrücken teilhaben lassen, möchten wir auf unsere Zusammenfassung „Nepal und der Tourismus in Corona Zeiten vom 9. Mai 2020“ hinweisen. Die Pdf-Datei kann unter dem Link  Nepal und Tourismus in Corona Zeiten_ Zusammenfassung TNT_09052020  abgerufen werden.

NAMASTE!

 

Wie im falschen Film…. der bemalte Yeti kündigt VISIT NEPAL 2020 an

 

Verschlossener Eingang zum Garden of Dreams

 

Tridevi Marg – Eingang zum Touristenviertel

 

Gespenstische Leere & Stille

 

Geschlossene Mandala-Street

 

Ausgestorbene Straßen in Thamel

 

Nichts ….

Laphing – ein interessanter Snack

20. April 2020 at 11:02

Leider sind im Moment aufgrund der Ausgangssperre in Nepal alle kleinen Restaurants und Imbiss-Buden, die Momos, frittierte Nudeln, Bara, Chatamari oder sonstige nepalische Fastfood-Köstlichkeiten anbieten, geschlossen. Wenn wir zum Einkaufen durch die leeren Straßen gehen und die verbarrikadierten Imbiss-Läden sehen, blutet das Herz. Hoffentlich können alle Betreiber diese schwierige Zeit überleben. Die Nepali lieben es doch, in den Mini-Restaurants und Essens-Buden ein kleines Frühstück vor der Arbeit, einen Snack während der Mittagspause zu sich zu nehmen oder einfach nur ein Glas „kalo chiya“ (Schwarztee) zu trinken und sich dabei mit anderen Gästen zu unterhalten.

In der Hoffnung, dass die Gaststätten bald wieder öffnen dürfen, nutze ich heute die Gelegenheit, um über ein besonderes Gericht zu schreiben: LAPHING….

Nein – es ist kein Rechtschreibfehler und trotz der gleichen Aussprache meine ich nicht das englische Wort „laughing“ (= lachen).

Seit letztem Jahr ist mir besonders aufgefallen, dass fast an jeder Ecke Laphing-Restaurants wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Ganz besonders und dicht gedrängt in den buddhistisch geprägten Stadtteilen Boudhanath und Swayambunath, in denen auch der Anteil der tibetisch stämmigen Bevölkerung sehr hoch ist.

Da ich gerne esse und offen für Neues bin, suchten wir uns nach dem mehrmaligen Umrunden der buddhistischen Stupa Boudhanath ein Laphing-Restaurant in einer der Seitenstraßen.

 

Eines der vielen Laphing- Restaurants in Boudha

 

Wir ließen uns erklären, dass der Snack in verschiedenen Varianten zubereitet werden kann. Die Grundlage für dieses Gericht bildet eine kalte, geleeartige, gelbe oder weiße Masse in Form eines Pfannenkuchens. Dieser runde Fladen wird aus Kartoffel- oder Mungbohnenstärke hergestellt und ist ohne jeglichen Geschmack.

Bei der einfachen und schnellen Variante wird der kalte Fladen mit einer scharfen Paste aus Chili und Knoblauch bestrichen und in kleine Rechtecke geschnitten. Diese werden zum Verzehr in kleine Edelstahlschüsseln gegeben.

Die etwas aufwendigere und geschmackvollere Variante enthält neben der scharfen Paste auch kleine Stückchen frittiertes Spiegelei. Die bestrichenen, belegten und aufgerollten Pfannkuchen werden in Röllchen geschnitten und dann serviert.

 

Laphing Sommersnack

 

Bei der Deluxe-Variante kommen die in Streifen geschnittenen Fladen in eine Sauce aus Knoblauch, Frühlingszwiebeln, Koriander, Salz, Essig, Öl und Sojasoße. Wer möchte kann sich zusätzlich noch getrocknete und zerbröselte Instantnudeln oder kleine Stückchen Omelett darüberstreuen lassen.

 

Laphing Nudeln – Deluxe Variante

 

Wer gerne internationale Gerichte mit verschiedenen Geschmacksrichtungen ausprobiert, sollte sich einen oder gleich zwei Laphings bei einer Nepalreise nicht entgehen lassen. Durch die Chili-Paste und die anderen Zutaten wird der fade Fladen zu einem sehr würzigen und scharfen Imbiss. Gewöhnungsbedürftig ist vielleicht, dass der Snack kalt serviert wird und die glibberigen Nudeln sich nicht so leicht in den Mund befördern lassen.

Laphing ist ein kaltes Sommer-Gericht, das ursprünglich aus China kommt und dort unter dem Namen Liangfen angeboten wird. Die Speise fand ihren Weg zunächst von China nach Tibet und wurde dann von der tibetisch stämmigen Bevölkerung als Laphing nach Nepal gebracht.

Guten Appetit!

 

Laphings in allen Varianten

 

Positive Gefühle/ Haltungen kultivieren – Selbstversuch

6. April 2020 at 16:31

Nun ist heute schon der 11. Tag an dem ich positive Gefühle/ Haltungen pflege und mir notiere. Wer meine 8-samkeits-Gedanken lesen möchte um eine kleine Orientierung zu bekommen, kann  dazu gerne auf die extra eingerichteten Seite „8-samkeiten“ (obere Navigationsleiste) gehen. Dort habe ich über eine Woche  meine positiven Gefühle /Haltungen zu „Wertschätzung, Dankbarkeit, Liebe (Herzensliebe/Verbundenheit) & Vertrauen“  niedergeschrieben.

Wie mit vielem, das gerne in den Tagesablauf oder Alltag integriert werden möchte, war es am Anfang gar nicht so einfach wahrzunehmen  „wen oder was wertschätze ich“, „wem oder für was bin ich dankbar“, „wem möchte ich Herzensliebe, Verbundenheit, vielleicht noch besser ausgedrückt Agape oder Nächstenliebe senden“, „wie kann ich mein Vertrauen stärken“.

Erst als ich mir wirklich Zeit nahm, mich ruhig hinsetzte und meinem Atem lauschte, tauchten Bilder auf, konnte ich  hineinfühlen, Menschen und Dinge visualisieren und eine Verbindung herstellen. Erst als ich bei mir selbst war, aufmerksam meinem Herzen zuhörte, da konnte ich beginnen positive Gefühle / Haltung zu kultivieren.

Mal kurz im Vorbeigehen – husch husch – oder zwischendrin während dem To-Do-Listen abhaken… das funktioniert nicht. Stille, Ruhe, Aufmerksamkeit, innere Verbundenheit und Geduld sind die Begleiter um Achtsamkeitsübungen zu praktizieren und zu pflegen.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das habe ich schon zu Beginn meiner Zeit in Nepal festgestellt. Menschen gewöhnen sich schnell an bestimmte Umstände und können, wenn der Wille dazu wirklich vorhanden ist, Rituale in ihren Alltag integrieren. Mit jedem Tag der Übung wird bzw. wurde es leichter; ich musste nicht mehr lange nachdenken oder überlegen. Es fängt an einfach herauszusprudeln.

Einfach ausprobieren, es kann nichts schiefgehen, es tut nicht weh, es kostet nichts. Im Gegenteil, es bringt Freude und ein Wohlgefühl, ein Bewusstsein wie reich wir als Menschen beschenkt sind, was für wunderbare Menschen uns umgeben und wie gut es uns geht.

Und dieses Bewusstsein hilft uns dabei kleine Veränderungen, die wir uns vielleicht schon lange wünschen, langsam und in kleinen Schritten umzusetzen.

NAMASTE!

 

 

 

Nepal Lockdown #Tag 13

5. April 2020 at 15:48

Wer ein quirliges Nepal mit buntem Treiben, Motorrad-Geräuschen, Auto-Gehupe, überfüllten Straßen, mantramurmelnden Mönchen, betenden Pilgern und fliegenden Händlern kennt, dem kommt das Land derzeit wie ein Gespenst vor.

Leere Straßen, Stände und Supermärkte mit Rollläden verbarrikadiert, geschlossene Tore vor Hoteleingängen, vorbeifahrende Polizeiautos, die über knatternde Lautsprecher ständig die Hinweise zur Hygiene, zur Ausgangssperre und dem Verbot des Morgen- und Abendspaziergangs sowie jeglichem Verlassen der Häuser, außer zum Einkauf oder medizinischen Versorgung, wiederholen. Das einzig Konstante in diesen Zeiten ist das Hundegebell und die früh morgens und abends geöffneten Gemüsehändler an der Ecke. Beruhigend und etwas Normalität bringt die seit gestern wieder ausgelieferte Zeitung. Der Zeitungsbetrieb war seit dem 28. März 2020 aufgrund des Lockdowns vorübergehend ausgesetzt.

Touristen werden über Rückholaktionen von den Botschaften in ihre Länder zurückgebracht.  Zeitungen berichten, dass Nepalis, die in Indien arbeiten nach Hause kommen, stundenlang an Grenzübergängen warten  um dann in schlecht geführten Quarantäne Lager mit miesem Essen gesteckt zu werden. Tagelöhner verschanzen sich in ihren Wellblech-Hütten im Armenviertel und trauen sich nicht die von der Regierung  oder Hilfsorganisationen gespendeten Nahrungsmittel abzuholen. Fehlende Evidenzen über den Anteil der armen Bevölkerung lässt die reiche Schicht die Care-Pakete abholen.

Bei der WHO steht Nepal heute noch mit sechs Infizierten und bisher null Toten auf der Länderliste. Laut Presse gibt es allerdings insgesamt neun Fälle. Getestet wurde bisher aufgrund fehlender Test-Kits und entsprechender Anweisung der Regierung sehr wenig. Fernsehbilder zeigen im ganzen Land die vorbereiteten Quarantäne Stätten und die extra eingerichteten medizinischen Behandlungsräume.

Bisher kamen die Menschen, die positiv auf Corona  getestet wurden, immer aus dem Ausland und eine Ansteckung untereinander blieb aus. Nachdem die Übertragung des Virus jetzt aber auch im Familienkreis von einer Person auf die andere stattgefunden hat, befinden wir uns laut Medien im Stadium 2.

Die Ausgangssperre wurde am 24. März 2020 erstmal für eine Woche bis zum 31. März 2020 ausgerufen. Daraufhin erfolgte eine Verlängerung um eine Woche bis zum 7. April 2020. Ab 2. April 2020 erfolgte eine Lockerung der Bestimmungen für notwendigen Service und größere Fabriken. Das internationale Flugverbot ist bis 15. April  2020 ausgesprochen.

Eine weitere Verlängerung des Lockdowns ist nicht auszuschließen.

Wie wird es weitergehen? Wann gibt es ein danach?

Kann sich die am Boden liegende Touristikbranche erholen? Kommen irgendwann wieder die Rücküberweisungen der Migranten? Was machen die Menschen, die nicht die Möglichkeit haben bei Bhatbateni über Instagram oder Daraz online zu bestellen? Gibt es Chancen, die armen Menschen und Tagelöhner vor dem Hunger zu bewahren? Wann werden die Schulen, Colleges und Unis wieder geöffnet, so dass auch die Schüler und Studenten, die mangels Internet nicht am virtuellen Unterricht teilnehmen können, wieder Bildung erfahren?

Die Hoffnung, dass die Zahl der Corona-Infizieren nicht steigt und dadurch das ganze Gesundheitssystem überfordert, stirbt zu letzt. Das Vertrauen und der Glaube in Gott oder eine höhere Macht ist in der Bevölkerung tief verwurzelt. Hoffentlich trägt diese gelebte Überzeugung die Menschen in Nepal über die jetzige Herausforderung hinweg und nimmt der Angst und Panik den Platz in der ersten Reihe weg.

und die Sonne scheint unaufhaltsam …
und die Gebetsfahnen flattern  unbeirrt im Wind und tragen die Wünsche zu den Göttern…

 

 

 

 

 

Einkaufs- Erfahrungen während Nepal Lockdown

31. März 2020 at 18:00

Unsere 14 tägige Quarantäne, die Zeit der Selbstisolation ist vorbei. Wir sind gesund und munter und uns geht es bestens. Eine lange Einkaufsliste mit allen Lebensmitteln und leckeren Dingen, die wir benötigen und uns wünschen, hatten wir schon längst geschrieben und lag auf dem Küchentisch bereit. Trotz verlängerter Ausgangssperre freuten wir uns endlich das Haus zu verlassen. Mit Maske, Gummihandschuhen und großen Rucksäcken zum Tragen ausgestattet, ging es los.

Unser kleiner Ausflug zum Big Mart Supermarkt, der gleich beim Radisson Hotel um die Ecke ist, endetet allerdings direkt beim Nachbarn, der ein Büdchen nebenan betreibt. Mit „Der Big Mart ist geschlossen. Da war gestern die Polizei da und hat alles dicht gemacht. Es gibt wohl einen Online-Bestellservice.“ wurden wir freundlich informiert. Neugierig wie wir waren und froh endlich auch mal draußen zu laufen, sind wir dennoch ein paar Schritte weitergegangen. Der wunderschöne, neu gepflasterte Weg hat uns zusätzlich erfreut. Wir konnten es kaum glauben, dass der frühere Holperpfad mit Schlaglöchern und Tonnen von Staub, endlich eben und gut zu gehen war. Nachdem es aber schon gespenstisch ruhig war und wir niemand begegneten, sind wir doch zurück.

Zum Glück kam ein Fahrradkarren mit Früchten vorbei und wir konnten uns wenigstens mit Vitaminen eindecken. Dann haben wir uns an den PC gesetzt und nach den Online-Bestellmöglichkeiten gesucht. Über die Plattform Daraz konnten wir bei Big Mart ein paar Sachen bestellen. Immerhin haben wir direkt eine Bestätigungs-E-Mail erhalten und die Ware kommt in 4 – 5 Tagen bzw. 14 Tagen. Mal schauen, ob alles klappt. Ansonsten gibt es eben, wie bei anderen nepalischen Haushalten jeden Tag Reis und Dal. Geht auch. Das Online Shopping bei Bhatbateni kann nur über Instagram genutzt werden. Irgendwie komisch und vielleicht sind wir technisch zu unbegabt, um eine Bestellung zu tätigen.

Aber nun warten wir erstmal ab bis die Lieferung von Daraz kommt.

 

Nepal Lockdown - leere Straßen

Nepal Lockdown – leere Straßen