Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 16

25. April 2016 um 10:22

25. April 2016 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 16

Ein Jahr danach… und es hat sich gleichzeitig viel und wenig getan.

Welche Gegensätzlichkeit –  aber das spiegelt sich überall in Nepal:

  • Der höchste Punkt der Welt – Mount Everest mit 8.850 m im Khumbu und der niedrigste mit 60 m im südlichen Terai.
  • Heilige Plätze, gereinigt durch den Duft von Räucherstäbchen und stinkender Abfall gleich daneben.
  • Gelebte Traditionen in entlegenen Gebieten und selbst der Opa hat dort ein Smartphone am Ohr. 

     

     

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Smartphone-Nutzung in abgelegenen Dörfern

 

Hilfsorganisationen aus dem In- und Ausland haben im Rückblick sehr viel bewegt. Die nepalesische Armee und der Katastrophenschutz konnten Lebende unter den Trümmern bergen. Trinkwasseranlagen standen der Bevölkerung in Kathmandu und in den betroffenen Gebieten zur Verfügung. Lebensmittel, Plastikplanen und Wellblech wurden an die notleidende Bevölkerung verteilt. An vielen Schulen erfolgte die Einführung von Schulspeisungen; die Verteilung von neuer Schulkleidung und Schulrucksäcken symbolisierte Neuanfang. Familien sind in errichtete Notunterkünfte eingezogen. Der Wiederaufbau der Häuser hat begonnen und setzt sich fort.

Wenig Unterstützung kam und kommt seitens der nepalesischen Regierung.
Verzögerungen bei der Gründung der „Nepal Reconstruction Authority (NRA)“.
Verzögerungen bei der Veröffentlichung des neuen Building Codes.
Verzögerungen bei dem Abruf der international zur Verfügung gestellten Hilfefonds.
Verzögerungen bei der Verteilung von staatlicher Unterstützung an die betroffenen Familien. Tausende leben immer noch in Notunterkünften. Bei allem, was Handlung und Umsetzung seitens der Regierung erfordert, ist die Bevölkerung in ständiger Warteposition. Gezwungen zum Ausharren und anschließendem Akzeptieren. Jede Aktivität wird schon im Keim verstickt. Nur wenige folgen ihrem eigenen Tatendrang.

 

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Zerstörte Häuser provisorisch mit Wellblech repariert

 

Medienberichten zufolge haben 31.000 Familien begonnen ihre Häuser in den betroffenen Gebieten selbst wieder aufzubauen. Das hat die NRA Behörde nun dazu bewogen ihre strikte Regelung etwas aufzuweichen. Zuvor sollte keine Auszahlung der Entschädigung erfolgen, sofern Familien bereits mit dem Wiederaufbau begonnen haben. Jetzt sollen die Ausgleichssummen auch an die Haushalte fließen, die mit dem Hausbau begonnen haben und eine erdbebensichere Bauweise vorweisen können. Insgesamt sind mehr als 770.000 Häuser durch das Erdbeben zerstört.  Bisher haben nur 641 Haushalte in Singati (Dolakha Distrikt) die erste Rate von NPR 50.000 (ca. EUR 435), der von der Regierung angekündigten Entschädigungssumme über insgesamt NPR 200.000 (ca. EUR 1.740) erhalten (Quelle: Kathmandu Post, 18.04.2016).

Der Chef der NRA Behörde Sushil Gyewali teilte in einem Zeitungsinterview mit, dass die Behörde zuversichtlich ist und der gesamte Wiederaufbau innerhalb 5 Jahren abgeschlossen ist. Dazu soll zum Jahrestag des Erdbebens ein Dokument mit den Rahmenbedingungen und den Plänen zum Wiederaufbau in den nächsten Jahren veröffentlicht werden.

 

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Kathmandu Durbar Square – Kumari-Haus mit Stützbalken

 

Gleichzeitig mit Frühlingsbeginn hat unser Wiederaufbauprojekt an Fahrt aufgenommen. Alles ist im Fluss. Erneuerung und Wachstum symbolisieren das Frühjahr und das scheint sich auf unser Vorhaben übertragen zu haben.

 

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Steinklopf-Arbeiter aus Okhaldhunga (Distrikt in Ost-Nepal)

 

Seit dem 27.03.2016 ist die nepalesische Gruppe aus dem Okhaldhunga Distrikt fleißig bei der Arbeit in Brabal. Steine werden ausgegraben und in Form geklopft, Schubkarren voller Erde hin- und hergeschoben.  Die Dorfbewohner sind mit Holzarbeiten beschäftigt und es entstehen Tür- und Fensterrahmen. Der 01.04.2016 ist ein historischer Tag; die Strasse führt nun von Thulo Barkhu durchgehend bis Brabal. Jetzt setzt der Dominoeffekt ein. Ein Dominostein stößt den anderen an und es läuft vieles wie von selbst.

 

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Die Straße führt bis zum Ortseingang Brabal

 

Keuchend schnauft der vollgeladene 4 Tonner die erdige Piste hinauf. Die erste Ladung Sand und Zement erreicht Brabal am 04.04.2016.  Als ich die Fotos von der Wegführung und den umgestürzten Bäumen sehe, zerreißt es mir das Herz. Wie oft sind wir die wunderschöne Strecke Thulo Bharku – Brabal durch die idyllische Wald- und Berglandschaft gelaufen. Straßenbau in den abgelegenen Gebieten Nepals. Fluch oder Segen? Auf jeden Fall eröffnet die Straße neue Möglichkeiten und erleichtert den Transport. Zur Grundsteinlegung am 04.04.2016 wird ein buddhistischer Priester, der die heiligen Texte liest und eine Räucher-Zeremonie durchführt, bestellt. Sechs Tage später, am 10.04.2016 ist das Fundament des neuen Hauses komplett gelegt.

 

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Fundament des ersten Muster-Hauses in Brabal

Nun geht es an den schwierigsten und für die Dorfbewohner recht unbekannten Teil des Bauwerkes: die Erstellung des ersten seismischen Betonbands. Gemessen, gebogen, gewogen, gemischt – alles ganz exakt nach den Vorgaben des Baudossiers und Building Codes. Am 12.04.2016 ist das Betonband pünktlich zum nepalesischen Jahreswechsel fertiggestellt.

 

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Die Eisenhaken müssen exakt platziert werden

 

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Holzschalung für das erste seismische Betonband

Das Setzen der Türen, insbesondere der Eingangstür erfordert eine korrekte Ausrichtung nach der entsprechenden Himmelsrichtung. Die Platzierung der Haustür Richtung Norden ist nicht möglich. Es besteht in Nepal der Glaube, dass den Hausbewohnern dann großes Unglück widerfährt. Sämtliche Türen haben zum 15.04.2016 ihren Platz gefunden. Die Arbeiten zum zweiten seismischen Band gingen den Arbeitern schon leichter von der Hand. So konnten am 21.04.2016 sogar schon die Fensterrahmen eingebaut werden. Das dritte seismische Band ist derzeit in Entstehung.

 

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Die Türen sind gesetzt

 

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Baufortschritt in Brabal – Fenstereinbau

 

Wir gehen davon aus, dass das erste Musterhaus Mitte Mai fertig gestellt und vor dem Monsun beziehbar ist. Wenn alles planmäßig verläuft wird in Kürze der Bau des zweiten Musterhaus in Angriff genommen.

Gerne möchten wir an dieser Stelle auf unsere Portrait-Serie, die wir auf unserer Facebookseite veröffentlichen, aufmerksam machen. Wir stellen regelmäßig die Bewohner/innen des Dorfes Brabal mit einer kleinen Beschreibung vor.  Außerdem können aktuelle Fotos vom Baufortschritt unter  www.facebook.com/helpforlangtang eingesehen werden.

 

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Kamsya Tamang – Hausfrau & Farmerin aus Brabal

 

Die Projektbeschreibungen zur Sunaulo Erdbebenhilfe, Trinkwasserversorgung und Müllentsorgung (Gemeinschaftsprojekt mit den Engineers Without Borders e.V., Karlsruhe) sind nun eingestellt und können auf unserer Webseite www.sunaulosansar.org  abgerufen werden.

NAMASTE!!

Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 13

11. November 2015 um 9:49

NAMASKAR Nepal

11. November 2015 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 13

Bringt die Göttin Lakshmi das Glück und die Normalität zurück?!?

Heute findet in Nepal die Lakshmi Puja (Verehrung, Anbetungszeremonie der hinduistischen Göttin des Glücks, Reichtums und der Schönheit) statt. Bereits einige Tage vorher wurden die Häuser und Wohnungen geschruppt und geputzt. Blumengirlanden schmücken die Fenster und Türen. Kerzenlichter leuchten. Vor den Eingangstüren ist ein Weg gemalt, der in einem runden, wunderschönen bunten Mandala endet. Dadurch soll die Göttin Lakshmi angezogen werden und den Weg ins Haus finden um Glück, Reichtum und Schönheit …. und vielleicht auch die ersehnte Normalität … zu bringen.

 

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Farben für die Mandala

 

Normalität … ist derzeit noch nicht eingekehrt.

Die neue Regierung unter Premier Minister KP Sharma Oli und auch die seit zwei Wochen amtierende Präsidentin Bidhya Devi Bhandari konnten bisher noch keine erfolgreichen Verhandlungen mit den protestierenden Madhesi führen. Dafür waren die Gespräche mit China positiv. Verträge über Treibstoff-Lieferungen wurden geschlossen. Einige Tanklastwagen Benzin konnten so über die Grenze Rasuwaghadi im nördlichen Langtang Gebiet nach Kathmandu gebracht werden.  Nepal hat den Schritt gewagt und sich an den chinesischen Nachbarn gewandt um die Abhängigkeit von Indien etwas zu lösen.

Alles schien ein gutes Ende zu nehmen, als am 2.11.2015 die Grenze zu Indien wieder geöffnet war. Allerdings nur kurz, dann kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, wobei ein Inder, der sich auf nepalesischem Boden befand, erschossen wurde. Die Folge… eine erneute Versiegelung der Grenze.

 

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Kilometerlange Motorrad-Schlangen an den Tankstellen

 

Wie lange wird es dauern bis die Grenzen offen sind? In 1989 hatte Indien die Grenzen 15 Monate geschlossen. Eine Reaktion auf den Erwerb von chinesischen Waffen durch Nepal.

Unsere Wiederaufbauarbeiten befinden sich aufgrund der jetzigen Situation im Stillstand. Weder der Baugenehmigungs-Prozess noch der Transport von Materialen können umgesetzt werden. Für den Baugenehmigungs-Prozess fehlt der neu zu erstellende Building-Code der Regierung. Materialen können ohne die fehlenden Treibstoffe nicht in die abgelegenen Gebiete gebracht werden.

 

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Training der Dorfbewohner

 

Nicht nur uns geht es so… alle Hilfsorganisationen, die vor dem nahenden Winter noch mit den Aufbauarbeiten beginnen wollten, sind ausgebremst.

Wir haben deshalb einen schweren Entschluss gefasst und unseren Volontär-Einsatz vor Ort abgebrochen. Der Bau des Musterhauses ist aufgrund der nicht vorhandenen Materialien wie Zement und Sand nicht möglich. Darüber hinaus haben die Dorfbewohner  den Wunsch geäußert die Haus-Ruinen erstmals nicht zurückzubauen. Sie möchten in den kalten Monaten darin Vorräte und Holz, das für die neuen Häuser verwendet werden kann, aufbewahren.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Volontären für die bisherige Unterstützung und das herausragende Engagement herzlich bedanken. Wir sind dankbar und froh, dass wir trotz der Widrigkeiten bisher schon so viel erreichen konnten: Rückbau von vier Häusern, Vorbereitung des Musterhaus-Grundstücks für das Baufundament, Schulung der Dorfbewohner hinsichtlich der erdbebensichereren Bauweise und die Vermessung aller Grundstücke und detaillierte Dokumentation der darauf neu zu bauenden Häuser.

 

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Herzlichen Dank

 

Nach den Tihar-Feiertagen werden wir den Genehmigungs-Prozess erneut anstoßen um hoffentlich im Februar 2016 mit dem Musterhaus-Bau beginnen zu können.

HAPPY DIPAWALI!!

Namaste

Temba & Sabine

 

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Blumengirlanden

Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 12

25. Oktober 2015 um 12:27

Namaskar Nepal

25. Oktober 2015 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 12

Nepal – Neuanfang mit Startschwierigkeiten?!?

Seit dem ersten Erdbeben in Nepal ist auf den Tag genau ein halbes Jahr vergangen. Die Dashain-Feierlichkeiten (Verehrung der hinduistischen Göttin Durga, die Mut, Kraft und Weisheit symbolisiert) sind gerade zu Ende gegangen. Das nächste Fest Tihar (Diwali – Lichterfest; Verehrung von Laxmi, der hinduistischen Göttin des Glücks, Reichtums und der Schönheit) steht schon vor der Tür.

 

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Blumengirlanden aus Tachetes

 
Feste und Rituale sind ein wichtiger und fester Bestandteil in den nepalesischen Traditionen. Genauso wie Familie und Dorfgemeinschaften geben sie Struktur und Halt im Alltag.

Organisierte Prozesse und vorausschauende Planungen, die eine schnelle Handlungsfähigkeit möglich machen und ebenfalls Struktur geben, sind in Nepal in anderen Lebensbereichen schwer zu finden.  Für die westliche Denkweise kaum nachvollziehbar. In Europa ist alles über Tage, Monate, Jahre hinweg im Voraus geplant und strukturiert.  Mit plötzlichen Veränderungen umzugehen ist schwierig. So hat auch die Flüchtlingswelle Europa ohne große Vorwarnung überrollt.

In Nepal sind plötzliche Veränderungen und ständig wechselnde Bestimmungen an der Tagesordnung. Flexibilität, Kreativität und Improvisationstalent sind notwendig. An einem kleinen Beispiel aus dem Tourismus-Bereich möchten wir das gerne verdeutlichen:

Vor gut einer Woche haben wir eine Email von der NMA (Nepal Mountaineering Association) erhalten. Die NMA ist seit Jahrzehnten für die Ausstellung der Bergbesteigungs-Genehmigungen zuständig. Die Genehmigungen konnten bisher über ein Online-Antragsverfahren angefordert werden. In der Email wurden wir nun informiert, dass mit sofortiger Wirkung, die Zuständigkeit auf das Tourismus Ministerium übertragen wurde. Keine weiteren Informationen, ob der ursprüngliche Beantragungsprozess beibehalten wird oder neue Voraussetzungen zu erfüllen sind. Wohlgemerkt, wir befinden uns gerade mitten in der Hauptsaison.

 

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Tibet Himal Range

 

Doch wenn selbst Flexibilität, Kreativität und Improvisationstalent in gegebenen Situationen nicht mehr weiterhelfen, dann tritt ein Gefühl der Ohnmacht ein.

Auch wir fühlen uns etwas ohnmächtig in der derzeitigen Situation vor Ort. Wie bereits in unserem letzten Rundbrief erwähnt, löste die neue Verfassung Proteste und Unruhen im südlichen Terai aus. Die anfänglichen Vermittlungsversuche zwischen den dortigen Bewohnern und der nepalesischen Regierung seitens Indiens, mündete in eine Grenzblockade. Die Blockade macht nun schon seit mehr als einem Monat die Abhängigkeit Nepals deutlich. Selbst in so einer prekären Situation möchte Nepal die indische Regierung nicht vor den Kopf stoßen und Hilfeleistungen von den chinesischen Nachbarn annehmen.

Vor den Tankstellen sind nach wie vor lange Schlangen aus Autos, Motorrädern, Regierungsfahrzeugen und Bussen zu sehen. Die Ausgabe von Benzin und Diesel ist streng reglementiert. Vollgestopfte Busse, Menschen auf dem Dach sitzend, froh einen Platz ergattert zu haben um im Heimatdorf das Dashain Festival feiern zu können. Das sind die Bilder auf den Straßen in den vergangenen Tagen. Restaurants haben eingeschränkte Speisekarten. Koch-Gas ist rar geworden. Viele Familien kochen mit Briketts oder Feuerholz. Eigentlich unvorstellbar und doch wahr: gerade jetzt während den Festlichkeiten, bei denen das Essen ein Hauptbestandteil ist.

 

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Nationalgericht – Dal Bhat – Linsen mit Reis

 

Inlandsflüge können durch Kerosin-Importe der Nepal Airlines Corporation (NAC) aus Kalkutta durchgeführt werden. Der Verkauf von Kerosin an internationale Fluggesellschaften wurde eingestellt. Die ausländischen Airlines wurden gebeten genügend Treibstoff mitzuführen oder während Zwischenlandungen in anderen Ländern aufzutanken.

Es ist nicht die erste Wirtschaftsblockade – bereits in den Jahren 1989 und 1969 ließ  Indien die Grenzen schließen.

Nach außen erscheint es so, als ob es die nepalesische Regierung nicht interessiert, in welcher Lage das Land und die Menschen im Moment stecken. So ist der vor zwei Wochen gewählte Premier Minister KP Sharma Oli erst einmal damit beschäftigt sein neues Kabinett zusammenzustellen.

Bei Gesprächen mit Indien wurde der Ball an Nepal zurück gespielt. Zuerst sollen seitens Nepals die Unruhen im Terai gelöst und auf die Forderungen der Madhesis und Tharus eingegangen werden. Erst dann wäre die Sicherheit der passierenden Güterfahrzeuge gewährleistet und die Öffnung der Hauptgrenze in Rauxal-Birgunj, über die 70 % der Treibstoff Importe erfolgt, möglich. Lediglich durch die Öffnung der kleinen Grenzstationen können seit einer Woche wenige Tanklaster die ersehnten Treibstoffe in die Hauptstadt Kathmandu bringen.

Die Menschen nehmen die Situation hin, versuchen sich selbst zu organisieren oder erst mal alles während der Festivitäten zu vergessen.

 

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Straßenszene in Kathmandu

 
Auch in dieser Situation sind die Menschen Nepals auf sich gestellt. Genauso wie nach dem Erdbeben, hilft sich die Bevölkerung gegenseitig. Auch wir haben enorme Unterstützung seitens unserer lokalen Partnerorganisationen. Das Transportunternehmen, mit dem wir zusammenarbeiten, macht eine zuverlässige und pünktliche Durchführung des Transport-Services für unsere Gäste möglich.

Allerdings sind durch die „Treibstoff-Krise“ und den Regierungswechsel unser Bau-Genehmigungsprozess sowie erforderliche Material-Transporte für den Wiederaufbau ins Stocken geraten. Dennoch können wir  Erfreuliches seitens unserer „Sunaulo Erdbebenhilfe“ berichten:

Nach Fertigstellung des Bau-Dossiers unserer Schweizer Projektgruppe, die durch die Ingenieure ohne Grenzen Schweiz unterstützt wurde, konnten vor Ort in Brabal bereits Schulungen für die Dorfbewohner durchgeführt werden.

Lea und Regula erklärten den Dorfbewohnern was bei einer erdbebensichereren Bauweise zu beachten ist. Anhand eines Models aus Lego-Steinen konnte die Wichtigkeit der seismischen Bänder und der Eckverstärkungen, die für eine zusätzliche Stabilität der Häuser sorgen, anschaulich demonstriert werden.

 

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Lego im Himalaya

 
Unser nächstes Ziel ist es, den Genehmigungsprozess nach den Feiertagen fortzusetzen und so bald als möglich ein Musterhaus zu bauen. Dabei ist es manchmal nicht einfach, alle Standpunkte unter einen Hut zu bringen. Wir versuchen zwischen den exakten Vorstellungen unserer Projektgruppe, den internationalen Volontären und den Meinungen der Dorfbewohner zu vermitteln. Nur Verständnis, Toleranz, Akzeptanz, Gelassenheit, Lernbereitschaft und Geduld auf beiden Seiten lassen uns die interkulturellen Barrieren überwinden.

Die Liebe zum Land und den Menschen lässt uns trotz den Widrigkeiten weitermachen und gibt uns Kraft, die Motivation und das Engagement aufrecht zu erhalten. Herzlichen Dank für all die Unterstützung, die wir durch die Spenden, die Mithilfe vor Ort und durch das Vertrauen erfahren.

Wir freuen uns sehr, dass nun nach langer Zeit unsere Webseite www.sunaulosansar.org in neuem Layout online gegangen ist. Die Webseite ist in englischer und deutscher Sprache abrufbar. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Timo, der uns stets zuverlässig und schnell IT-technisch begleitet.

Abschließend möchten wir noch darauf hinweisen, dass wir regelmäßig aktuelle Fotos auf unsere Facebook Seite „Hilfe für die Erdbebenopfer im Langtang Tal, Nepal“
(www.facebook.com/helpforlangtang) einstellen. Wer den kleinen Facebook-Icon, der sich unten auf unserer Webseite befindet, anklickt, gelangt direkt zur Seite. Auch diejenigen, die kein Facebook-Konto haben können die Seite aufrufen und die Inhalte sehen und lesen. Wir haben alle Fotos und Berichte öffentlich eingestellt.

Namaste

Temba & Sabine

 

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Danke – Dhanyabad

 

Erdbebenhilfe Nepal – Bericht vom 08.08.2015

20. September 2015 um 22:25

Der erste Überblick und Bericht zur „Erdbebenhilfe Nepal“ von Sunaulo Sansar NGO, Nepal ist am 08.08.2015 unter dem folgenden Link erschienen:

http://www.sunaulosansar.org/berichte/de/Z01%20-%20Erdbebenhilfe_Nachhaltigkeits%C3%BCberblick_2015_08082015.pdf

 

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Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 8

10. Juni 2015 um 22:59

10. Juni 2015 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 8

Nach sieben Rundbriefen mit dem Titel „Erdbeben in Nepal“ sollen die Neuigkeiten und Informationen aus Nepal nun mit „Namaskar Nepal“ betitelt werden.

Namaskar als Höflichkeitsform der Grußformel Namaste mit der Bedeutung: „Ich grüße das Göttliche in Dir“, soll Hoffnung und Neuanfang ausdrücken.

Auch wenn nach wie vor häufig von Buichalo (gesprochen: Buizallo, nepalesisch für Erdbeben) und Bukambar (gesprochen: Bukamber, nepalesisch für Schütteln der Erde) gesprochen wird, die Handy App und die Erdbeben-Telefonnummer mit den Informationen zu den einzelnen Nachbeben oft genutzt werden … langsam kehrt Ruhe ein und der Alltags-Rhythmus ist wieder in die Familien zurückgekehrt.

 

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Mittlerweile haben die meisten Schulen in Kathmandu und in den betroffenen Dörfern, den Schulbetrieb aufgenommen. Nachdem viele Schulgebäude zerstört wurden, sitzen die Kinder unter provisorisch gebauten Unterkünften aus Plastikplanen oder Wellblech. Bei der momentanen Hitze unerträglich. Auch wir sind durch diese extreme Hitze wie gelähmt und alles gelingt nur eine Stufe langsamer. Wir warten auf den Monsunregen, der die ersehnte Abkühlung bringt, aber gleichzeitig auch die Furcht vor Erdrutschen und weiteren Katastrophen.

Am Donnerstag, den 28.5.2015 konnten wir unsere Tour ins Langtang Gebiet, Rasuwa Distrikt, wie geplant, für insgesamt 7 Tage starten. Der Tag vor der Abreise war vollgepackt mit Vorbereitungen und Einkäufen. Zusammen mit Dr. Rishi und Badri vom Ayurveda Health Home haben wir Fleece-Decken in einem Outdoorladen in Kathmandu erworben. 100 Decken haben wir als Spende vom Ayurveda Health Home bekommen. Weitere 100 Decken haben wir (Sunaulo Sansar NGO) noch dazu gekauft.

 

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30 Decken übergaben wir unserem Trekking/Climbing Guide Mingmar Sherpa und unserem Träger Pemba Gelu Sherpa für deren Heimat Dörfer in Okhaldunga und Solukhumbu. 170 Decken reisten mit uns ins Langtang Gebiet um diese im Dorf Thulo Shafru zu verteilen. Alle Hilfsgüter haben wir am Abend mit vereinten Kräften in einen typisch nepalesisch-bunten 4 Tonnen-Truck verladen.

 

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Frühmorgens machten wir uns mit dem Jeep und Truck auf den Weg von Kathmandu nach Thulo Bharku. Wir nahmen die Strecke Richtung Pokhara mit Abzweigung in Galji. In den Ortsteilen Kalimati, Naikap und Thangkot, die aus Kathmandu herausführen, konnten wir schon einige zerstörte und stark beschädigte Häuser sehen. Zwischen den Reihen waren manche Häuser einfach zusammengebrochen. Daneben standen zusammengezimmerte Notunterkünfte aus Holzlatten, Wellblech und Plastikplanen. Die großen Plastikplanen von UK Aid und US Aid wurden manchmal zweckentfremdet eingesetzt und als Sonnenschutz vor den Läden aufgehängt. Das ist auch eine Möglichkeit Hilfsgüter zu verwenden oder besser zu verschwenden?!

Je weiter wir Richtung Trisuli kamen, desto schrecklicher wurden die Bilder, die sich uns boten. Steine, Trümmer, Schutt und Staub. Häuser in sich zusammengefallen wie Kartenhäuser. Steinhaufen um Steinhaufen am Straßenrand. Behelfsbehausungen aus Plastikplanen, Bambusstangen und Wellblech.

 

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Unter hygienischen Gesichtspunkten und Berücksichtigung des anstehenden Monsuns hatten wir uns gefragt, wie wohl die Toiletten-Situation in den Dörfern aussieht. Um gegebenenfalls Behelfs-Toiletten graben zu können, besorgten wir in Trisuli sodann ein paar Schaufeln. Zusätzlich packten wir noch zwei große Kisten Seifen auf das Dach unseres Jeeps.

Die Fahrt von Trisuli bis Thulo Bharku war nicht mehr oder weniger abenteuerlich wie sonst. Auf der Strecke, die sich entlang der Berghänge schlängelt, waren noch keine Erdrutsche abgegangen. Ganz im Gegensatz zu den Gebieten auf der gegenüberliegenden Seite des Tales. Dort hatte das Erdbeben zahlreiche Erdrutsche ausgelöst und die Dörfer Danga, Hakubesi und Mailung mussten evakuiert werden. Die Menschen fanden Zuflucht nahe Trisuli und leben über den Monsun vorerst in Zelten und in Wellblechhütten. Ob die Dörfer jemals wieder besiedelbar sind, ist fraglich. Auf dem Weg sahen wir immer wieder vollgeladene Trucks mit Reis und anderen Hilfsgüter für die Bewohner in der Langtang Region. Nach 6 Stunden Fahrt hatten wir endlich unser Zwischenziel Thulo Bharku (1.800 m) erreicht.

 

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Dort haben wir zunächst die zerstörten bzw. stark beschädigten Häuser unserer Team-Mitglieder Lakpa (Träger), Pema (Träger) und Nima (Guide) angeschaut, fotografiert und dokumentiert. Danach stand uns eine 2,5 stündige Wanderung zum Dorf Brabal (2.300 m) bevor. Unsere Hilfsgüter wurden mit Mulis und Trägern in die Höhe transportiert. Einige Zeltplanen schickten wir direkt mit dem Jeep nach Shafru Bensi. Wenn der Monsun nicht alles zerstört und wir viel Glück haben, können wir bei unserem nächsten Besuch die neu gebaute und fertiggestellte Schotterstraße von Sano Bharku nach Brabal nutzen.

 

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Als wir in Brabal ankamen war es schon stockdunkel. Trotzdem konnten wir die gute Qualität der gebauten Sheltern (Schutzhütten) erkennen. Damit hatten wir nicht gerechnet. Holzofen zum Kochen, Bettgestelle und Kochgeschirr, das aus den Trümmern geborgen wurde, trugen dazu bei die vorübergehenden Behausungen ein wenig gemütlich erscheinen zu lassen. Das Improvisationstalent der Nepalesen ist einfach unschlagbar. Thomas, unser Freund, übernachtete bei Tembas Nichte Bibi in der Schutzhütte. Temba und ich schlugen unser Zelt neben der Übergangs-Hütte von Tembas Eltern auf.

Am nächsten Tag (29.05.2015) machten wir einen Rundgang durchs Dorf um die Schäden und Zerstörungen an den Häusern anzuschauen und aufzunehmen. In Brabal (VDC Shafru, Ward. No. 2, Rasuwa Distrikt, Langtang Region) gibt es insgesamt 31 Hausstände mit 117 Einwohnern (davon 53 Kinder und 11 Senioren) und 3 gemeinnützige Gebäude. Unsere Bestandsaufnahme der einzelnen Häuser ergab, dass 87 % aller Häuser komplett zerstört und unbewohnbar sind. Die restlichen Häuser sind so stark beschädigt, dass ein Aufenthalt in den Räumen unmöglich ist. Die Häuser sind durchschnittlich 20 Jahre alt. Das buddhistische Kloster, das vor kurzem noch mit neuer Innenmalerei versehen wurde, ist komplett in sich zusammengesackt.  Ebenso das ehemalige und nicht mehr genutzte Schulgebäude.  Unversehrt ist nur das im Rahmen des Dorfentwicklungsprojekts in 2014 durch Sunaulo Sansar NGO erbaute gemeinschaftliche Duschhaus.

In den Bergregionen werden die Häuser typischerweise mit Steinen gebaut. Zement aus Kathmandu muss mit Lastwagen und Trägern in die Dörfer geschleppt werden. Dafür reicht das Geld oft nicht aus. Insofern werden die Steine einfach aufeinandergesetzt oder mit Erdmörtel zusammengeklebt. Holz ist teuer und im Langtang Nationalpark auch nicht ohne Genehmigung zu bekommen. Bei dem Bau der Notunterkünfte haben die Dorfbewohner zusammen geholfen. Dies ist am guten Zustand und der Qualität dieser Schutzhütten erkennbar. Auch befanden sich bei den meisten Familien neben den Hütten provisorische Toilettenhäuschen. Das hat uns sehr positiv überrascht.

 

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Mit Besorgnis haben wir am Ende unseres Rundgangs die langen und tiefen Risse in der Erde unterhalb des Dorfes zur Kenntnis genommen. Weitere tiefe und lange Erdspalten haben wir auf dem Weg von Brabal nach Thulo Shafru gesehen. Auch die Wege von Brabal nach Shafru Bensi und von Shafru Bensi nach Thulo Shafru sind übersät mit Rissen und Spalten.

 

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Am Abend hatten sich alle Dorfbewohner versammelt und wir konnten die Decken, die eine lange Reise aus Deutschland hinter sich hatten, und die Seifen verteilen. Dankend wurden unsere Hilfsgüter entgegengenommen.

 

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Zwischenzeitlich haben wir über unsere Voluntärin Janine Kontakt zu der Geologin Lea aufgenommen. Dadurch haben wir die Möglichkeit die Situation mit den Rissen und Erdspalten besser einzuschätzen. Lea hat uns bereits einige Möglichkeiten zur täglichen Überwachung der Risse während der Monsunjahreszeit aufgezeigt. Wir werden einige der Dorfbewohner schulen damit diese für den Ernstfall vorbereitet sind.

Damit die Informationen in diesem Newsletter überschaubar bleiben, berichten wir über die weiteren Tage und die Verteilung der Hilfsgüter in den Dörfern Thulo Shafru und Shafru Bensi im nächsten Rundbrief.

Namaste,

Temba & Sabine