Frauenförderung – Women for Human Rights in Nepal

27. August 2020 at 10:04

Eine Organisation von Frauen für Frauen

In diesem Blog-Artikel berichte ich über die Organisation “Women for Human Rights“ – WHR in Kathmandu, Nepal. Es ist mir ein großes Anliegen über meine Eindrücke von und Erlebnisse mit dieser Organisation und ihrer visionären Gründerin Lily Thapa zu schreiben. Mich beeindruckt die unermüdliche, wertschätzende und empathische Arbeit von Frauen für Frauen sehr. Ich möchte Euch daran teilhaben lassen und Einblicke in die Frauenbewegung geben.

 

Gemälde am WHR-Zentrum

 

Kennengelernt habe ich die WHR im Oktober 2019 durch Kerstin, eine Freundin, die bei dieser Organisation im Bereich der Friedensarbeit mitgewirkt hat.

Bereits beim ersten Treffen hat mich die besonders herzliche und offene Art von Lily Thapa in den Bann gezogen und ihre Lebensgeschichte, die Teil einer öffentlich zugänglichen Foto-Ausstellung im Erdgeschoß des WHR Gebäudes in Kathmandu ist, sehr berührt.

Auch die Initiative und Aktion der WHR Food Bank, durch die eine Verteilung von warmen Mahlzeiten an hilfsbedürftige Frauen und Familien während der Corona-Ausgangssperre in Kathmandu von Ende März bis Ende Juli 2020 möglich wurde, haben mich zum einen durch die Professionalität und zum anderen durch die warmherzige Verbundenheit mit diesen Menschen, von der wertvollen Arbeit dieser Organisation überzeugt.

Am Ende des Beitrags berichte ich nochmals ausführlicher über diese humanitäre Hilfsaktion der WHR und wie wir, das sind Temba und ich bzw. Tembas Nepal Trek & Expedition Pvt. Ltd., uns Dank der Spenden unserer Trekking-Gäste und Freunde an dieser Aktion beteiligen konnten.

Die Gründerin Lily Thapa

Wer Lily begegnet nimmt sofort ihre offene, warme, herzliche, strahlende, energieversprühende, motivierende, hilfsbereite, empathische, wertschätzende und visionäre Art wahr. Sie ist das Herzstück der Organisation.  Mit 29 Jahren wurde Lily Witwe und hatte 3 kleine Kinder großzuziehen. Sie kennt daher die diskriminierenden, soziokulturellen Praktiken und sozialen Normen, die den Umgang mit Witwen bestimmen, aus eigener Erfahrung.

Die Begegnung mit einer anderen Witwe und deren Erlebnisse stellte den Wendepunkt in Lily´s Leben dar. Ab 1992 organisierte sie eine Austauschplattform für Witwen. Jeden Sonntag trafen sich die Frauen, anfangs waren es sechs bis sieben Witwen, bei Lily zu Hause, um sich über den Kummer und die Herausforderungen auszutauschen. Ende 1994 waren es bereits 50 Witwen. Der Wunsch die Gruppe formal zu registrieren, um dadurch auch funktionale Lösungen zu finden, wuchs. Im Jahr 1995 wurde die Gruppe unter dem Namen „Women for Human Rights – single women group“ als Nichtregierungsorganisation beim Social Welfare Council in Kathmandu registriert.

Öffentliche Fotoausstellung im WHR-Zentrum Chhahari
Das Red Color Movement & andere Kampagnen

Die öffentliche Fotoausstellung gibt Einblicke in das Leben von Lily Thapa sowie in die über Tausende von Jahren bestehenden, verachtenden Praktiken der hinduistischen Gesellschaft gegenüber Witwen und zeigt darüber hinaus auch die Entstehungs- und Erfolgsgeschichte von WHR.

 

Foto-Ausstellung im WHR

 

Die veraltete, aus Indien stammende Verbrennungstradition, das Sati System, bei der sich eine Frau beim Tod ihres Ehemanns selbst opfert oder sich kurz danach das Leben nimmt, war auch in Nepal bei den hinduistisch geprägten Ethnien eine weitverbreitete Praxis. Dieses System wurde von Premierminister Chandra Shamsar Rana im Jahr 1920 abgeschafft.

Leider bedeutet die Abschaffung einer Regel, einer Praxis oder eines Systems, noch lange nicht, dass diese auch komplett aus dem Unterbewusstsein oder dem Bewusstsein verschwindet. Wie tief sitzen die häufig mit einer emotionalen Komponente versehen impliziten Vorurteile.

Die physische, ökonomische, psychische und sexuelle Gewalt gegen Witwen wurde in der Gesellschaft auch nach Abschaffung der Sati-Praxis, aufrechterhalten. Den nepalischen Witwen der Hindu-Ethnien war der Zugang zu Eigentum, uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, Wiederheirat, Teilnahme an religiösen Zeremonien und vielem mehr verwehrt.

Das Tragen von roter Kleidung und Make-up war für die Witwen verboten. Diese Farbe war den Verheirateten vorbehalten. Witwen mussten sich, damit sie äußerlich direkt zu erkennen waren, weiß kleiden.  Auch das stigmatisierende Denkmuster „Witwen bringen Unglück“ war weit verbreitet, so dass sich Witwen, häufig im Haushalt der Schwiegereltern lebend, verstecken mussten. Ohne einen Ehemann gab es quasi keine Rechte für verwitwete Frauen. Sie konnten unter anderem keine Passdokumente beantragen und mussten ein bestimmtes Alter haben, um das Erbe des Ehemanns anzutreten.

Diese gewachsenen sozialen Normen, die die allgemeine Denkweise abbilden und die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft bestimmen sind hart und unerbittlich.

Umso erfreulicher sind die Erfolge, die die WHR mit der Kampagne, Demonstration und der Klage gegen das in den Jahren 2009 / 2010 beabsichtigten Regierungs-Programm zur Wiederverheiratung von Witwen sowie der Red Color Movement Aktion erzielte.

Das Wiederverheiratungs-Programm sah vor, dass Paare einen staatlichen Geldzuschuss von ca. EUR 500 bei einer Heirat mit einer Witwe bekommen sollten. Diese Regelung verletzte die Rechte der verwitweten Frauen auf ein Leben in Würde. Der Klage von WHR wurde im Januar 2010 vom obersten Gericht stattgegeben und das Programm wurde nicht verabschiedet.

Eine weitere Kampagne und gewaltfreie Protestaktion, die zur Stärkung der Rechte verwitweter Frauen beitrug, fand im Jahr 2006 statt. Durch die von der WHR organisierte Red Color Movement Aktion mit dem Slogan „Farbe ist ein Geburtsrecht“ wurden verwitwete Frauen ermutigt rote Kleidung, Schmuck und Make-up zu tragen. Diese tabubrechende Aktion sollte dazu beitragen den Selbstwert der verwitweten Frauen zu steigern und sich nach außen nicht mehr von verheirateten Frauen zu unterscheiden. Immer weniger Witwen ergeben sich dadurch dem verletzenden Brauch sich durch das Tragen von weißer Kleidung, äußerlich brandmarken zu lassen.

Laut der letzten Volkszählung im Jahr 2011 gab es zu diesem Zeitpunkt ungefähr 500.000 Witwen in Nepal.  80 % der Bevölkerung gehören dem hinduistischen Glauben an und unterliegen somit den oben beschriebenen Normen und Glaubenssätzen.

Diskriminierungen gegen Witwen und Single-Frauen haben durch den unermüdlichen Kampf von verschiedenen Organisationen nachgelassen. Dennoch gibt es diese in Nepal bis heute noch, auch gegen andere Gesellschaftsgruppen.

Die WHR hat landesweit 1550 aktive Single-Frauen Gruppen in 73 Distrikten und zählt mehr als 100.000 Mitglieder. Die internationale Anerkennung und Unterstützung wachsen stetig weiter.

Die Vision und Mission von WHR

“Keine Diskriminierung von Frauen auf Basis des Familienstandes“ ist eine der wichtigsten Postulierung der Organisation.

Hierunter fallen insbesondere Single-Frauen – also Frauen, die verwitwet, geschieden, getrenntlebend, unverheiratete und über 35 Jahre sind und Frauen, deren Ehemann verschwunden oder vermisst wird.

Das Kernthema ist die Arbeit und der Prozess zur Frauenförderung.
Women Empowerment, damit Single-Frauen in Nepal ökonomische, politische, soziale und kulturelle Perspektiven, Rechte und vor allem Gleichbehandlung erhalten.

Ziel ist es auch, ein auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene aktives Netzwerk zu schaffen.

 

 

Das Chhahari – Zentrum, ein Ort der Erholung & Regeneration

Chhahari, so wird das WHR-Zentrum in Kathmandu, Hattigauda genannt. Chhahari ist Nepali und kann mit Rastplatz übersetzt werden. Genauer ein Schattenplatz unter einem Baum, ein Ort, an dem Erholung, Regeneration und Heilung möglich sind.

Das Chhahari – Zentrum bietet somit für die an den Rand der Gesellschaft gedrängten, traumatisierten und vertriebenen Single-Frauen und Kinder Unterstützung und Hilfestellung.

Besonders Witwen und andere Single-Frauen sollen über Schulungen und Workshops mit Respekt, Würde und Gleichbehandlung zu eigenverantwortlichem, unabhängigem, wirtschaftlichem Handeln befähigt werden.

Ferner erhalten die Frauen neben der Beratung und Seelsorge für die erlittenen Traumata, auch eine Art Handwerkszeug, um mit der äußeren Diskriminierung umzugehen zu lernen.

Dies ist nur ein Teil der Programm Aktivitäten von WHR. Ausführliches ist auf der Webseite der Organisation zu finden. Die Kontaktdaten sind am Ende des Artikels aufgeführt.

Meine bereichernden Erlebnisse und Erfahrungen im WHR mit Klängen & Klanganwendungen

Als meine Freundin Kerstin Mitte November 2019 ihren letzten Arbeitstag im WHR hatte, wollte sie ihren Kolleginnen und Kollegen zum Abschied ein Klang-Bad zur meditativen Entspannung und Verbundenheit schenken.

So hatte ich die wunderbare Gelegenheit mit meinen aus dem Himalaya stammenden Klanginstrumenten die verschiedenen Teammitglieder durch die obertonreichen Klänge zum Klingen und Schwingen zu bringen. Für viele war es eine besondere und positive Erfahrung verbunden mit der Erkenntnis, dass vorher bestehende, starke Kopfschmerzen durch die Linderung der Verspannung verschwanden. Auch die anfänglich, im Raum durch Meinungs-Differenzen und durch das mulmige Gefühl vor Unbekanntem  entstandene, wahrnehmbare angespannte Stimmung, hat sich zunächst über die subtilen atomsphärischen Schwingungen hörbar auf die Klänge übertragen und nach einiger Zeit komplett aufgelöst.

 

Einführung zum Klangerlebnis

 

Klanginstrumente sind einfach ein wunderbares Medium, vor allem auch dann, wenn sprachliche, kulturelle oder andere Barrieren bestehen und eine andere Art des „In-Resonanz-Tretens“ erforderlich wird.

So durfte ich auch Frauen, die aus dem Süden des Landes zur Teilnahme an verschiedenen Workshops angereist waren, mit Klangerlebnissen beschenken. Die Frauen kannten manche Klanginstrumente, wie Zimbel und Glocke, aus Tempeln und Klöstern.  Sie waren ganz fasziniert über die wahrnehmbaren Schwingungen, die sie während dem Anspielen einer auf die flache Hand gestellten Klangschale, spürten.  Da viele der Frauen kein Englisch sprachen, begleitet ich das Klang-Bad in nepalischer Sprache. Das war auch für mich etwas ganz Neues. Die Verbundenheit und das Glücksgefühl, das wir alle, Klangempfangende und Klanggebende, nach den Klängen spürten, ist auf dem Foto deutlich sichtbar.

Ich bin sehr dankbar für diese wertvollen Erfahrungen und hoffe, dass ich nach der Corona-Krise im WHR wieder Klangerlebnisse geben darf.

 

 

Corona – Lockdown März bis Juli 2020: Essen für die Ärmsten

Durch den am 24. März 2020 landesweit ausgerufenen Lockdown und der damit verbundenen komplett eingeschränkten Bewegungsfreiheit war es für die vielen Tagelöhner nicht mehr möglich ihrer Arbeit nachzugehen und Geld für ihre Familien zu verdienen. Ressourcen oder Angespartes für schlechte Zeiten, das haben diese Menschen nicht. Sie leben von der Hand in den Mund.

WHR hatte bis Anfang Mai 2020 bereits über 10.000 Mahlzeiten an Geringverdiener und Tagelöhner verteilt. Zunächst hatte die Organisation angefangen Nahrungsmittelpakete zu verteilen. Schon bald wurde aber registriert, dass viele Menschen gar nicht mehr in der Lage waren, Kochgas oder Öl zu kaufen, um den Reis zu kochen. Außerdem war es schwer kontrollierbar, wer kam, um die Nahrungsmittelpakete abzuholen.

Zuerst war da die Unsicherheit, ob Bedürftige aus hygienischen Gründen überhaupt das gekochte Essen akzeptieren würden. So startete die Aktion mit 100 warmen Mahlzeiten pro Tag, die sich dann innerhalb kürzester Zeit auf 1500 Mahlzeiten täglich erhöhte.

Die Identifizierung der bedürftigen Frauen und Familien erfolgte in Zusammenarbeit mit der Behörde des Stadtteils. Ermöglicht und umgesetzt werden konnte diese Aktion nur durch die vielen Freiwilligen, die Gemüse schnippelten, kochten, Essen verpackten und austeilten. Und natürlich durch die vielen Spenden zum Kauf der Lebensmittel.

Anfänglich erfolgte die Essensausgabe vor dem Chhahari -Zentrum. Nachdem das Gebäude dann zur Quarantäneunterkunft für die, aus dem Ausland zurückkehrenden nepalischen Gastarbeiterinnen genutzt wurde, erfolgte die Verteilung der warmen Mahlzeiten an drei verschiedenen Orten.

Wir konnten uns am 28. Mai 2020 mit Lebensmittelpaketen bestehend aus Reis, Linsen, Öl, Salz, Zucker, Tee und Chiura für 30 Haushalte an der WHR Food-Bank beteiligen. Da in diesem Zeitraum noch die strikte Ausgangssperre bestand, konnten wir die Nahrungsmittel nicht selbst zur Organisation bringen. Mitarbeiter von WHR, die Passierscheine hatten, holten die Nahrungsmittel-Spende bei uns ab. Direkt nach ein paar Tagen hat uns Lily Fotos von der Übergabe der Lebensmittelpakete geschickt.

 

Abholung der Lebensmittel von WHR-Mitarbeiter

 

Lebensmittelpakete für bedürftige Frauen

 

Am 18. Juni 2020 haben wir dann erneut 20 Säcke Reis, 25 kg Linsen, 20 Liter Öl, jeweils 40 – 50 kg Kartoffeln und Zwiebeln, 50 Seifen sowie Hand-Desinfektionsmittel gespendet. Da zu diesem Zeitpunkt bereits Lockerungen implementiert waren, konnten wir die Nahrungsmittel selbst vorbeibringen.

 

Übergabe der Lebensmittel

 

Lily, die wusste, dass wir kommen, hat sich viel Zeit genommen uns herumzuführen. Wir waren sehr beeindruckt, welche hohen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen vor und im Gebäude eingehalten wurden.

Wir bekamen Einblicke in den Küchen- und Vorbereitungsbereich für die warmen Mahlzeiten. Zum damaligen Zeitpunkt wurden täglich noch 800 Mahlzeiten gekocht. Diese waren für die im WHR-Zentrum untergebrachten rückkehrenden Gastarbeiterinnen, die Mitarbeiter des Zentrums sowie die vielen bedürftigen Menschen, die aufgrund des Lockdowns die elementaren physiologischen Grundbedürfnisse nicht mehr selbst befriedigen konnten, bestimmt. Die Ausgaben der warmen Mahlzeiten erfolgte immer am Spätnachmittag an drei verschiedenen Orten und zwar im Slumviertel in Tripureshwor, nahe dem Flughafen,  im Slumviertel unweit des WHR-Zentrum, zwischen Golfutar und Tokha gelegen sowie in Budhanilkhanta.

 

Hier wird der Reis für die Mahlzeiten gekocht

 

Lily zeigt uns die Gemüsevorräte

 

Verpacken der warmen Mahlzeiten

 

Nachdem wir zunächst bei einem Briefing, der sich in Quarantäne befindenden Frauen zuschauen und zuhören durften, fuhren wir mit zum Slumviertel zur Essensausgabe.

 

Die warmen Mahlzeiten werden zum Slumviertel gebracht

 

Freiwillige helfen bei der Essensverteilung

 

Alles wird registriert und kontrolliert

 

Leider konnten wir aufgrund eines plötzlich einsetzenden, heftigen Regens bei der Essensverteilung selbst nicht anwesend sein. Wir wussten vorher nicht, dass dieses Elendsviertel, versteckt mitten in Kathmandu existiert. Das hat uns doch sehr bedrückt und musste erstmal verdaut werden.

 

Slumviertel versteckt in Kathmandu

 

Am 27. Juli 2020 haben wir dann nochmals 20 Säcke Reis und 25 Kg Linsen ins WHR-Zentrum gebracht. Dieses Mal durften wir bei der Essensausgabe in Budhanilkhanta dabei sein. Es war sehr beeindruckend, wie diese Ausgabe über Listen kontrolliert und strukturiert, erfolgte. Auch war es sehr berührend zu sehen, wie dankbar die Menschen für eine warme Mahlzeit sind und wie sie trotz all der Schwierigkeiten und Herausforderungen noch lächeln können und freundlich sind.

 

Reis & Linsen

 

Warten auf die Ausgabe der warmen Mahlzeit

 

Erleichterung & Dankbarkeit – der Hunger kann gestillt werden

 

Insgesamt vier Monate erfolgte die tägliche Verteilung der warmen Mahlzeiten – Wahnsinn was die Freiwilligen und alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von WHR dabei auf die Beine gestellt haben. Das sind für mich die wahren Helden der Corona-Krise in Nepal.

 

Menschlichkeit in der Krise

 

Ausblick

Ein Lichtblick für die Zukunft ist der Austausch mit der Programm-Managerin Rajin von WHR über eine Kooperation mit Tembas Nepal Trek & Expedition Pvt. Ltd. in der Ausbildung von Frauen-Trekking-Guides.


Link zum YouTube Video von der WHR-Food Bank Aktion

https://www.youtube.com/watch?v=vrI1AL2qkfA

 

Kontaktdaten & Webseite der Organisation

Woman for Human Rights – Single Women Group (WHR)
Budhanilkantha – 7, Hattigauda, Kathmandu, Nepal
Email: mail@whr.org.np
Web: www.whr.org.np

Ausgestorbenes Touristenviertel Thamel in Kathmandu

11. Mai 2020 at 11:44

Endlich konnten wir gestern erfolgreich den Besuch bei der Bank abschließen. Sämtliche Banken – Hauptniederlassungen und Filialen – sind nun wieder täglich von 10 – 13 Uhr  und mit 1/3 Besetzung der Angestellten geöffnet. Die Sicherheitsbeamten achten darauf, dass die Kunden den erforderlichen Mindestabstand zueinander einhalten. Die Angestellten tragen Masken und Handschuhe.

Über die Notwendigkeit und den Sinn des Maskentragens sind sich ja nicht alle einig. Wenn ich die Maske lange trage, bekomme ich Kopfschmerzen. Die Haltebänder verursachen unangenehme Schmerzen hinter den Ohren. Meine Brille ist ständig beschlagen. Ist das im Sinne der Gesundheit? Wenn Maskenpflicht wirklich zur neuen Normalität werden sollte, dann bleibe ich doch lieber zu Hause. Und Lippenstift kann ich  auch keinen mehr tragen. ;-)) Ich wollte mich für den Bankbesuch so richtig schön machen. Es ist ja mittlerweile zu einem richtigen Event geworden, wenn das Haus verlassen werden kann. Also raus aus den bequemen Jogging-Klamotten, rein in die feine Jeans, bisschen Make-up und zum Schluss ein wenig Lippenstift. Ach nein, das geht ja nicht mehr…. die Maske verwischt und verdeckt ja alles.  Das ist ja nur eine kleine Sorge, und sollte eigentlich ein Spass sein, im Vergleich zu all dem Leid und den Schwierigkeiten, die das Land, die Wirtschaft und vor allem den Tourismus erwarten.

Nochmals richtig bewusst wurde uns dies als wir gestern nach dem Bankbesuch die Gelegenheit wahrnahmen um durch das Touristenviertel Thamel zu laufen. Erschreckend, schockierend, traurig… gespenstische Leere und Stille überall, alle Shops, Restaurants, Supermärkte, Hotels mit Rollläden verbarrikadiert und geschlossen. Ein Stadtteil komplett ausgestorben –  einfach tot – nichts.

Bevor wir Euch an diesen bitteren Eindrücken teilhaben lassen, möchten wir auf unsere Zusammenfassung „Nepal und der Tourismus in Corona Zeiten vom 9. Mai 2020“ hinweisen. Die Pdf-Datei kann unter dem Link  Nepal und Tourismus in Corona Zeiten_ Zusammenfassung TNT_09052020  abgerufen werden.

NAMASTE!

 

Wie im falschen Film…. der bemalte Yeti kündigt VISIT NEPAL 2020 an

 

Verschlossener Eingang zum Garden of Dreams

 

Tridevi Marg – Eingang zum Touristenviertel

 

Gespenstische Leere & Stille

 

Geschlossene Mandala-Street

 

Ausgestorbene Straßen in Thamel

 

Nichts ….

Nepal Lockdown #Tag 13

5. April 2020 at 15:48

Wer ein quirliges Nepal mit buntem Treiben, Motorrad-Geräuschen, Auto-Gehupe, überfüllten Straßen, mantramurmelnden Mönchen, betenden Pilgern und fliegenden Händlern kennt, dem kommt das Land derzeit wie ein Gespenst vor.

Leere Straßen, Stände und Supermärkte mit Rollläden verbarrikadiert, geschlossene Tore vor Hoteleingängen, vorbeifahrende Polizeiautos, die über knatternde Lautsprecher ständig die Hinweise zur Hygiene, zur Ausgangssperre und dem Verbot des Morgen- und Abendspaziergangs sowie jeglichem Verlassen der Häuser, außer zum Einkauf oder medizinischen Versorgung, wiederholen. Das einzig Konstante in diesen Zeiten ist das Hundegebell und die früh morgens und abends geöffneten Gemüsehändler an der Ecke. Beruhigend und etwas Normalität bringt die seit gestern wieder ausgelieferte Zeitung. Der Zeitungsbetrieb war seit dem 28. März 2020 aufgrund des Lockdowns vorübergehend ausgesetzt.

Touristen werden über Rückholaktionen von den Botschaften in ihre Länder zurückgebracht.  Zeitungen berichten, dass Nepalis, die in Indien arbeiten nach Hause kommen, stundenlang an Grenzübergängen warten  um dann in schlecht geführten Quarantäne Lager mit miesem Essen gesteckt zu werden. Tagelöhner verschanzen sich in ihren Wellblech-Hütten im Armenviertel und trauen sich nicht die von der Regierung  oder Hilfsorganisationen gespendeten Nahrungsmittel abzuholen. Fehlende Evidenzen über den Anteil der armen Bevölkerung lässt die reiche Schicht die Care-Pakete abholen.

Bei der WHO steht Nepal heute noch mit sechs Infizierten und bisher null Toten auf der Länderliste. Laut Presse gibt es allerdings insgesamt neun Fälle. Getestet wurde bisher aufgrund fehlender Test-Kits und entsprechender Anweisung der Regierung sehr wenig. Fernsehbilder zeigen im ganzen Land die vorbereiteten Quarantäne Stätten und die extra eingerichteten medizinischen Behandlungsräume.

Bisher kamen die Menschen, die positiv auf Corona  getestet wurden, immer aus dem Ausland und eine Ansteckung untereinander blieb aus. Nachdem die Übertragung des Virus jetzt aber auch im Familienkreis von einer Person auf die andere stattgefunden hat, befinden wir uns laut Medien im Stadium 2.

Die Ausgangssperre wurde am 24. März 2020 erstmal für eine Woche bis zum 31. März 2020 ausgerufen. Daraufhin erfolgte eine Verlängerung um eine Woche bis zum 7. April 2020. Ab 2. April 2020 erfolgte eine Lockerung der Bestimmungen für notwendigen Service und größere Fabriken. Das internationale Flugverbot ist bis 15. April  2020 ausgesprochen.

Eine weitere Verlängerung des Lockdowns ist nicht auszuschließen.

Wie wird es weitergehen? Wann gibt es ein danach?

Kann sich die am Boden liegende Touristikbranche erholen? Kommen irgendwann wieder die Rücküberweisungen der Migranten? Was machen die Menschen, die nicht die Möglichkeit haben bei Bhatbateni über Instagram oder Daraz online zu bestellen? Gibt es Chancen, die armen Menschen und Tagelöhner vor dem Hunger zu bewahren? Wann werden die Schulen, Colleges und Unis wieder geöffnet, so dass auch die Schüler und Studenten, die mangels Internet nicht am virtuellen Unterricht teilnehmen können, wieder Bildung erfahren?

Die Hoffnung, dass die Zahl der Corona-Infizieren nicht steigt und dadurch das ganze Gesundheitssystem überfordert, stirbt zu letzt. Das Vertrauen und der Glaube in Gott oder eine höhere Macht ist in der Bevölkerung tief verwurzelt. Hoffentlich trägt diese gelebte Überzeugung die Menschen in Nepal über die jetzige Herausforderung hinweg und nimmt der Angst und Panik den Platz in der ersten Reihe weg.

und die Sonne scheint unaufhaltsam …
und die Gebetsfahnen flattern  unbeirrt im Wind und tragen die Wünsche zu den Göttern…

 

 

 

 

 

8-samkeits-Gedanken

27. März 2020 at 18:37

Positive Gedanken / Haltungen kultivieren in Zeiten der negativen Nachrichten

Es scheint, als ob die negativen Nachrichten kein Ende nehmen. Jeden Tag bringen sämtliche Nachrichtensender die aktuellen Zahlen der Corona Infizierten, der Verstorbenen, neue Anordnungen, Beschränkungen und Regelungen werden im Ticker zusammengefasst. Ist es zum Wohle der Gesellschaft notwendig die verordneten Einschränkungen zu erlassen oder werden uns die über Jahrhunderte hart erkämpften Freiheitsrechte einfach so genommen? Was hat sich denn da auf einmal so schnell verselbständigt? Wie fühlt es sich denn für uns an, wenn alle Länder plötzlich ihre Grenzen schließen… wenn das gesellschaftliche Leben zum Stillstand kommt, jegliche Normalität das Normalsein verliert, jede äußere Sicherheit in sich zusammenfällt?

Es ist schon komisch, wenn unsere Lebensreise auf einmal einen Kurs aufnimmt, dessen Richtung wir nicht erahnen können. Es scheint so, als ob das Ende des Filmes, in dem wir gerade mitten drin sind, niemand kennt. Am Anfang dachten wir noch, gleich wachen wir auf aus diesem bösen Traum. Leider grüßen jeden Morgen immer noch die Schreckensnachrichten aus dem Radio, dem Fernseher und den sozialen Medien.

Trotzdem… haben wir uns nicht in den vergangenen Monaten oder Jahren auch gewünscht oder gedacht, die Welt mal kurz anzuhalten, um endlich wieder Luft holen zu können?   Gewünscht bestimmt, aber nachgedacht, wie es dann sein könnte oder was zu verändern wäre, soweit haben wir die Gedanken vielleicht nicht weiter gesponnen.

Ich merke, dass mich ein ständiger, teilweise auch unkontrollierter Konsum negativer Nachrichten krank macht. Sicherlich ist ein gewisses Maß an Informationen gut. Auch Mitgefühl mit den Betroffenen und deren Familien möchte ich in diesen schweren Zeiten leben.  Ich denke es ist jedoch wichtig nicht ganz in der negativen Spirale gefangen zu sein, um sich zu Hause nicht ständig auf die Nerven zu gehen; einmal etwas inneren Abstand zu bekommen.

Ich möchte meine Gedanken und mein Tun deshalb auf Positives lenken. Mindestens einmal am Tag eine kleine Pause – vielleicht 5 bis 10 Minuten oder auch eine halbe Stunde; das Mengengefühl an Zeit ist im Moment ja recht groß – einlegen, versuchen im Hier und Jetzt zu sein, meinen Atem bewusst spüren, meine Wahrnehmung zu schulen und achtsam mit mir, meinen Mitmenschen und der Welt zu sein.

Ich möchte die positiven Gefühle /Haltungen „Wertschätzung, Dankbarkeit, Liebe & Vertrauen“ in dieser Zeit verstärkt kultivieren.

Was verändert sich in mir, wenn ich diese Kultivierung täglich über Tage, über Wochen, über Monate übe? Vielleicht unterstützt mich dabei ein kleines 8-samkeits-Tagebuch und Zeichnungen, die ich dazu mache oder ich teile meine 8-samkeits-Gedanken und ein schönes Foto mit anderen?

Ich möchte bewusst wahrnehmen und spüren für wen oder für was empfinde ich Wertschätzung, wem möchte ich Dankbarkeit entgegenbringen oder für was bin ich besonders dankbar, wie kann ich meine Liebe zeigen, was bedeutet Herzensliebe und Verbundenheit, wie kann ich mein Vertrauen in dieser Zeit stärken?

Lust bekommen mitzumachen?

Achtet auf Eure Gesundheit und Eure Gedanken, stärkt Euer Immunsystem und kommt gut durch diese Zeit.

Alles Liebe und NAMASTE!