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Namaskar Nepal – Flutkatastrophe – Rundbrief No. 1

 

Namaskar Nepal – Flutkatastrophe
Informationen / Newsletter No. 1 vom 09.09.2026

Herzlichen Dank …
… und wieder einmal sind wir sehr berührt und überwältigt, wie groß und tragend das Mitgefühl, die Verbundenheit und die finanzielle Unterstützung ist.

Stand gestern (8.9.2026) sind im Rahmen der privaten Spendenaktionen Beträge in Höhe von EUR 13.805 für Chheten-Kinder sowie EUR 5.399 für die Fluthilfe in Shafru Bensi eingegangen.

Die Übergabe der Soforthilfe von CHF 2.800 in bar erfolgte am 5.9.2026 im Hotel Yak & Yeti in Kathmandu von Janine´s Vater an Temba. Hierbei hat die Reisegruppe einen Betrag von CHF 2.000 übernommen. CHF 800 wurden von dem Gesamtbetrag über CHF 4.400, der auf dem zweckgebundenen Konto eingegangen ist, genommen. Insofern befinden sich dort noch weitere CHF 3.600 zur Verwendung für die Fluthilfe in Shafru Bensi.

Soforthilfe Übergabe im Hotel Yak & Yeti

Herzlichen Dank an alle, auch im Namen von Temba & Familie sowie allen betroffenen Familien in Shafru Bensi, für dieses großartige und haltgebende monetäre Unter-die-Arme-Greifen.

Wir werden regelmäßig mit Informationen und Fotos über die Verwendung der Gelder in Bezug auf die Fluthilfe in Shafru Bensi berichten.

Aktuelle Situation
Seit der vernichtenden Flutwelle sind 2 Wochen vergangen. Im deutschen Fernsehen werden die Berichte darüber schon weniger.

Die Trauer um den schmerzvollen Verlust von Chheten ist übermächtig. Seit 14 Tagen kommen Verwandte, Freunde aus Nah und Fern zum Kondolieren. Dieses tiefe Anteilnehmen und diese gelebte, weitreichende Verbundenheit in schweren Zeiten, hat mich schon während meiner Zeit in Nepal sehr berührt und bewegt.

Auch die buddhistischen Zeremonien und Andachten, die einmal wöchentlich 7 Wochen – 49 Tage lang stattfinden, geben den Hinterbliebenen Halt, einen Rahmen und Raum zum Trauern.

Buddhistische Andachten

Temba´s Schwiegersohn Kanchha ist in seiner Funktion als buddhistischer Priester zusammen mit anderen für die Organisation und Durchführung der buddhistischen Rituale im Raum Shafru Bensi, Thulo Shafru und Brabal zuständig. Da die Flut, im Gegensatz zum Erdbeben, in dieser Region mehr Todesopfer gefordert hat, sind Kanchha und die Priestergemeinschaft, die die Rituale gemeinsam vollziehen, viel beschäftigt. Dies hat sogar dazu geführt, dass die traditionelle Trauer- und Übergangsphase mit den 49 Tagen in Übereinstimmung auf 4 Wochen gekürzt wurde.

Zeremonien im Kloster
Gedenken an die Verstorbenen

Shafru Bensi
Shafru Bensi liegt im Norden von Nepal, ungefähr 20 km von der nepalesisch-tibetischen Grenze Rashuwaghadi entfernt auf einer Höhe von ca. 1.500 m. Ein Ausgangsort für Trekkingtouren ins Langtang oder Tamang Heritage Gebiet. Die Fahrt von Kathmandu nach Shafru Bensi dauerte für die 120 km lange Strecke zwischen 6 – 7 Stunden. Seit 2019 führten ab dem kleinen Ort Betrawati zwei Routen nach Shafru Bensi. Die neue Strecke entlang des Trisuli Flusses, vorbei am Trisuli 3 D Hydropower Projekt und die alte Strecke, die sich oberhalb der Klamm entlang schlängelt. Beide Routen waren holprig, uneben und rumpelig. Zeitsparender war allerdings der untere, am Fluss entlangführende Weg, den es nun nicht mehr gibt.

Shafru Bensi war für mich ein besonderer Ort. Während unserer Besuche im Langtang Gebiet bei der Familie, war das dortige Gästehaus Old Namaste von Chheten und Sonam immer ein Ort des Heimkommens. Das wilde Tossen des hinter dem Haus vorbeirauschenden Bothe Koshi Flusses, der in den Trisuli Fluss übergeht und sich weit durchs Land zieht, war omnipräsent. Für mich war dieses Geräusch zum Einschlafen sehr beruhigend. Für andere bedrohlich.

Und gerade mal vor 3 Monaten waren wir noch mit der Tibet-Reisegruppe dort und wurden von Chheten und Sonam mit Khadhas, einem rituellen Schal, der traditionsgemäß bei Begrüßung, Verabschiedung, Reisen sowie in Klöstern überreicht wird, nach Tibet verabschiedet. Das fühlt sich dadurch noch näher an und macht die Naturkatastrophe sowohl mit dem Verstand als auch mit dem Herzen unfassbar.

Da die Infrastruktur in den betroffenen Gebieten komplett zerstört wurde, hatten Familien aus Shafru Bensi, deren Angehörige als vermisst gelten, nun die Gelegenheit mit Helikoptern in den von den urgewaltigen Wassermassen weggespülten Ort zu fliegen.

Die nachfolgenden Fotos machen tieftraurig, hilflos und ohnmächtig, zeigen sie doch, was die Flut sich genommen und mitgerissen hat.

Der ursprüngliche Weg nach Shafru Bensi
Shafru Bensi und der wilde Both Koshi Fluss

Shafru Bensi

Ob, wann, wo und wie der Ort Shafru Bensi wiederaufgebaut wird, ist noch ungewiss. Dabei sind viele Faktoren zu berücksichtigen, handelt es sich doch um eine Bebauung in einem Risikogebiet nahe Bergen und Flüssen. Inwieweit sich dazu die Regierung mit strikten Schutzmaßnahmen, präzisen Gefahrenanalysen und risikobasierter Bauplanung einbringt, um Menschenleben und Infrastruktur vor weiteren Naturgefahren wie Hochwasser, Sturzfluten, Muren und Steinschlag zu schützen, ist noch unklar.

Das Gästehaus Old Namaste in Shafru Bensi … einfach weggespült

Rückschau
Das Land Nepal wird seit Jahren von Naturkatastrophen heimgesucht. Sicherlich spielt dabei zum einen die geologische Lage des Landes und zum anderen auch der Klimawandel eine bedeutende Rolle.

Seit dem Erdbeben am 25.4.2015 sind 11 Jahre vergangen. Den letzten Info-Rundbrief über die Einweihung der wiederaufgebauten Häuser im Dorf Brabal und dem Projektabschluss hatte ich am 6.6.2019 geschrieben. Insofern zog sich dieser Wiederaufbau über einen Zeitraum von 4 Jahren. Und dann kam im Jahr 2020 auch schon die Corona-Krise angerollt. Weiter ging es letztes Jahr mit den politischen Unruhen, den Gen-Z-Protesten und dem Machtwechsel.

Aus der Distanz betrachtet, kommen die Menschen in dem kleinen Himalaya Staat, kaum zur Ruhe, sind sie doch ständigen Krisen, bedrohlichen Naturkatastrophen und extremem politischen Wandel und Veränderungen ausgesetzt.

Nepal

Und dennoch nehme ich eine hohe Resilienz und Widerstandsfähigkeit wahr, die sich sicherlich aus der gelebten Spiritualität, der haltgebenden Gemeinschaft, den buddhistischen und hinduistischen Weisheiten sowie der radikalen Akzeptanz des Lebens mit Freude und Leid, speist.

Ausblick
Wie geht es nun weiter?

Durch den schweren Verlust von Chheten befinden sich Temba und die Familie noch in der Trauerphase. Dennoch wird schon gemeinsam überlegt und geschaut, wie und wo die Gelder für die Flutopfer von Shafru Bensi sinnvoll eingesetzt werden können.

Im Moment gibt es Überlegungen wie die überlebenden Kinder, die in Shafru Bensi zur Schule gegangen sind, in Kathmandu ihren Unterricht fortsetzen können und dabei mit Schreibmaterialien, Schulkleidung und sonstigen wichtigen Material unterstützt werden.

Beruhend auf den bisherigen Erfahrungen ist es bei den Unterstützungen wichtig, den Bedürftigen und Betroffenen anstatt Barmittel andere Güter wie Lebensmittel, Kochutensilien, Haushaltsgegenstände, Kleidung, Lampen, Decken, etc. auszuhändigen. Um gegebenenfalls eine vorübergehende Wohnsituation zu unterstützen, würde die Miete direkt an den Vermieter mit entsprechender Zahlungsbestätigung geleistet werden.

Der Inhalt dieses Berichtes beruht auf dem aktuellen und regelmäßigen Austausch mit Temba, auf meinen eigenen Erfahrungen und Recherchen im Rahmen meiner damaligen Mitwirkung und Arbeit im Trekkingunternehmen Temba´s Nepal Trek & Expedition Pvt. Ltd., Kathmandu. Da mir Transparenz und Klarheit wichtig sind, stehe ich gerne zur Verfügung, wenn jemand Einsicht in die Aufzeichnungen über die Spendeneinahmen und – ausgaben nehmen möchte.

Namaste und verbindende Herzensgrüße

Sabine

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