HIMALAYA – wo die Götter wohnen …

23. Dezember 2015 um 20:16


… und viele Menschen unter Plastikplanen und Wellblech

 

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Die provisorische Notunterkunft aus Bambusmatten, Holzlatten, verrostetem Wellblech und Steinen ist mit Plastikplanen überspannt und verschnürt wie ein Paket. Diese behelfsmäßige Lagerstätte ist für 5 Tage und Nächte mein Zuhause.

Für die Menschen im Dorf Brabal auf 2.300 m solange bis ein neues Haus gebaut ist. Wie lange das dauert ist aufgrund der derzeitigen Lage schwer zu sagen. Bereits seit acht Monaten ist diese Behausung das vorläufige Heim für die Dorfbewohner.

Ein kleiner Raum  – dunkel und kalt, vollgestopft mit Habseligkeiten und Vorräten gerettet aus den Trümmern, ohne Fenster, ohne Isolierung, ohne fließend Wasser.

Auf der Feuerstelle kocht die Hausfrau die täglichen Mahlzeiten. Gleichzeitig dient diese als Ofen zum Aufwärmen. Wenn die Sonne am Abend um 16 Uhr verschwindet und am Morgen noch etwas Zeit braucht um sich ab 10 Uhr in voller Pracht zu entfalten, dann drängen sich alle um das Holzfeuer. Besonders geschätzt wird die Wärme wenn der starke Wind die Plastikplanen aufplustert und die Kälte in den Raum hineinbläst.  Wenn keine Sonne scheint und der sonst so stahlblaue Himmel wolkenverhangen ist, wird es fast unmöglich den Körper aufzuwärmen. Eingewickelt in die von verschiedenen Hilfsorganisationen übergebenen warmen Decken setzt sich die Kälte dennoch in Mark und Bein.

Morgens und abends, bevor das Feuer angezündet wird, ist der Atemhauch zu sehen. Nachts ist es derzeit minus 8 Grad im Freien und minus 3 Grad in der Unterkunft.  Das Wasser ist morgens vereist, überall liegt Raureif, die Erde ist hart gefroren und es wird täglich kälter.

Schutz vor der Kälte suchen auch die ungebetenen Gäste. Insbesondere am Abend und in der Nacht werden die Mäuse lebendig. Ein Rascheln hier, ein Piepsen dort und schwupp huscht eine kleine Maus vorbei.

Ich schlafe auf einer Isomatte auf der mit Holzbrettern ausgelegten Erde vor der Feuerstelle. Dick eingepackt im Schlafsack, meine Nase ist eiskalt. Es dauert Stunden bis ich einschlafen kann und eine bequeme Liegeposition finde. Die Toilette ist draußen und es kostet mich viel Überwindung den warmen Schlafsack zu verlassen. Ich bleibe liegen bis ich es nicht mehr aushalte. Dann werfe ich mir meine Daunenjacke über und öffne die Tür.  Dunkelheit schlägt mir entgegen. Über mir ein funkelnder  Sternenhimmel. Die Sterne zum Greifen nah. Wie wunderschön.

Wieder eingekuschelt falle ich in einen unruhigen Schlaf. Ganz früh werde ich wach. Ein bunter Vogel sitzt am einzigen Ausguck der Unterkunft und schaut mich an. Ich gehe nach draußen, atme die frische Bergluft ein, genieße die klare Sicht auf die schneebedeckten Gipfel des Ganesh Himal.

Wie können die Menschen den Winter überstehen?
Wie können die Menschen der Kälte trotzen?
Wie können die Menschen diesen Zustand aushalten?

Vielleicht sind es die vielen Natur-Schönheiten und die göttlichen Energien, die überall im Himalaya wahrzunehmen sind und die den Menschen die Kraft und Zuversicht geben durchzuhalten.

Durchzuhalten – bis der Winter überstanden ist.
Durchzuhalten – bis der Frühling kommt.
Durchzuhalten – bis jeder wieder ein richtiges Dach über dem Kopf hat.

NAMASTE!!

Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 13

11. November 2015 um 9:49

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11. November 2015 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 13

Bringt die Göttin Lakshmi das Glück und die Normalität zurück?!?

Heute findet in Nepal die Lakshmi Puja (Verehrung, Anbetungszeremonie der hinduistischen Göttin des Glücks, Reichtums und der Schönheit) statt. Bereits einige Tage vorher wurden die Häuser und Wohnungen geschruppt und geputzt. Blumengirlanden schmücken die Fenster und Türen. Kerzenlichter leuchten. Vor den Eingangstüren ist ein Weg gemalt, der in einem runden, wunderschönen bunten Mandala endet. Dadurch soll die Göttin Lakshmi angezogen werden und den Weg ins Haus finden um Glück, Reichtum und Schönheit …. und vielleicht auch die ersehnte Normalität … zu bringen.

 

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Farben für die Mandala

 

Normalität … ist derzeit noch nicht eingekehrt.

Die neue Regierung unter Premier Minister KP Sharma Oli und auch die seit zwei Wochen amtierende Präsidentin Bidhya Devi Bhandari konnten bisher noch keine erfolgreichen Verhandlungen mit den protestierenden Madhesi führen. Dafür waren die Gespräche mit China positiv. Verträge über Treibstoff-Lieferungen wurden geschlossen. Einige Tanklastwagen Benzin konnten so über die Grenze Rasuwaghadi im nördlichen Langtang Gebiet nach Kathmandu gebracht werden.  Nepal hat den Schritt gewagt und sich an den chinesischen Nachbarn gewandt um die Abhängigkeit von Indien etwas zu lösen.

Alles schien ein gutes Ende zu nehmen, als am 2.11.2015 die Grenze zu Indien wieder geöffnet war. Allerdings nur kurz, dann kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, wobei ein Inder, der sich auf nepalesischem Boden befand, erschossen wurde. Die Folge… eine erneute Versiegelung der Grenze.

 

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Kilometerlange Motorrad-Schlangen an den Tankstellen

 

Wie lange wird es dauern bis die Grenzen offen sind? In 1989 hatte Indien die Grenzen 15 Monate geschlossen. Eine Reaktion auf den Erwerb von chinesischen Waffen durch Nepal.

Unsere Wiederaufbauarbeiten befinden sich aufgrund der jetzigen Situation im Stillstand. Weder der Baugenehmigungs-Prozess noch der Transport von Materialen können umgesetzt werden. Für den Baugenehmigungs-Prozess fehlt der neu zu erstellende Building-Code der Regierung. Materialen können ohne die fehlenden Treibstoffe nicht in die abgelegenen Gebiete gebracht werden.

 

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Training der Dorfbewohner

 

Nicht nur uns geht es so… alle Hilfsorganisationen, die vor dem nahenden Winter noch mit den Aufbauarbeiten beginnen wollten, sind ausgebremst.

Wir haben deshalb einen schweren Entschluss gefasst und unseren Volontär-Einsatz vor Ort abgebrochen. Der Bau des Musterhauses ist aufgrund der nicht vorhandenen Materialien wie Zement und Sand nicht möglich. Darüber hinaus haben die Dorfbewohner  den Wunsch geäußert die Haus-Ruinen erstmals nicht zurückzubauen. Sie möchten in den kalten Monaten darin Vorräte und Holz, das für die neuen Häuser verwendet werden kann, aufbewahren.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Volontären für die bisherige Unterstützung und das herausragende Engagement herzlich bedanken. Wir sind dankbar und froh, dass wir trotz der Widrigkeiten bisher schon so viel erreichen konnten: Rückbau von vier Häusern, Vorbereitung des Musterhaus-Grundstücks für das Baufundament, Schulung der Dorfbewohner hinsichtlich der erdbebensichereren Bauweise und die Vermessung aller Grundstücke und detaillierte Dokumentation der darauf neu zu bauenden Häuser.

 

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Herzlichen Dank

 

Nach den Tihar-Feiertagen werden wir den Genehmigungs-Prozess erneut anstoßen um hoffentlich im Februar 2016 mit dem Musterhaus-Bau beginnen zu können.

HAPPY DIPAWALI!!

Namaste

Temba & Sabine

 

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Blumengirlanden

Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 12

25. Oktober 2015 um 12:27

Namaskar Nepal

25. Oktober 2015 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 12

Nepal – Neuanfang mit Startschwierigkeiten?!?

Seit dem ersten Erdbeben in Nepal ist auf den Tag genau ein halbes Jahr vergangen. Die Dashain-Feierlichkeiten (Verehrung der hinduistischen Göttin Durga, die Mut, Kraft und Weisheit symbolisiert) sind gerade zu Ende gegangen. Das nächste Fest Tihar (Diwali – Lichterfest; Verehrung von Laxmi, der hinduistischen Göttin des Glücks, Reichtums und der Schönheit) steht schon vor der Tür.

 

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Blumengirlanden aus Tachetes

 
Feste und Rituale sind ein wichtiger und fester Bestandteil in den nepalesischen Traditionen. Genauso wie Familie und Dorfgemeinschaften geben sie Struktur und Halt im Alltag.

Organisierte Prozesse und vorausschauende Planungen, die eine schnelle Handlungsfähigkeit möglich machen und ebenfalls Struktur geben, sind in Nepal in anderen Lebensbereichen schwer zu finden.  Für die westliche Denkweise kaum nachvollziehbar. In Europa ist alles über Tage, Monate, Jahre hinweg im Voraus geplant und strukturiert.  Mit plötzlichen Veränderungen umzugehen ist schwierig. So hat auch die Flüchtlingswelle Europa ohne große Vorwarnung überrollt.

In Nepal sind plötzliche Veränderungen und ständig wechselnde Bestimmungen an der Tagesordnung. Flexibilität, Kreativität und Improvisationstalent sind notwendig. An einem kleinen Beispiel aus dem Tourismus-Bereich möchten wir das gerne verdeutlichen:

Vor gut einer Woche haben wir eine Email von der NMA (Nepal Mountaineering Association) erhalten. Die NMA ist seit Jahrzehnten für die Ausstellung der Bergbesteigungs-Genehmigungen zuständig. Die Genehmigungen konnten bisher über ein Online-Antragsverfahren angefordert werden. In der Email wurden wir nun informiert, dass mit sofortiger Wirkung, die Zuständigkeit auf das Tourismus Ministerium übertragen wurde. Keine weiteren Informationen, ob der ursprüngliche Beantragungsprozess beibehalten wird oder neue Voraussetzungen zu erfüllen sind. Wohlgemerkt, wir befinden uns gerade mitten in der Hauptsaison.

 

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Tibet Himal Range

 

Doch wenn selbst Flexibilität, Kreativität und Improvisationstalent in gegebenen Situationen nicht mehr weiterhelfen, dann tritt ein Gefühl der Ohnmacht ein.

Auch wir fühlen uns etwas ohnmächtig in der derzeitigen Situation vor Ort. Wie bereits in unserem letzten Rundbrief erwähnt, löste die neue Verfassung Proteste und Unruhen im südlichen Terai aus. Die anfänglichen Vermittlungsversuche zwischen den dortigen Bewohnern und der nepalesischen Regierung seitens Indiens, mündete in eine Grenzblockade. Die Blockade macht nun schon seit mehr als einem Monat die Abhängigkeit Nepals deutlich. Selbst in so einer prekären Situation möchte Nepal die indische Regierung nicht vor den Kopf stoßen und Hilfeleistungen von den chinesischen Nachbarn annehmen.

Vor den Tankstellen sind nach wie vor lange Schlangen aus Autos, Motorrädern, Regierungsfahrzeugen und Bussen zu sehen. Die Ausgabe von Benzin und Diesel ist streng reglementiert. Vollgestopfte Busse, Menschen auf dem Dach sitzend, froh einen Platz ergattert zu haben um im Heimatdorf das Dashain Festival feiern zu können. Das sind die Bilder auf den Straßen in den vergangenen Tagen. Restaurants haben eingeschränkte Speisekarten. Koch-Gas ist rar geworden. Viele Familien kochen mit Briketts oder Feuerholz. Eigentlich unvorstellbar und doch wahr: gerade jetzt während den Festlichkeiten, bei denen das Essen ein Hauptbestandteil ist.

 

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Nationalgericht – Dal Bhat – Linsen mit Reis

 

Inlandsflüge können durch Kerosin-Importe der Nepal Airlines Corporation (NAC) aus Kalkutta durchgeführt werden. Der Verkauf von Kerosin an internationale Fluggesellschaften wurde eingestellt. Die ausländischen Airlines wurden gebeten genügend Treibstoff mitzuführen oder während Zwischenlandungen in anderen Ländern aufzutanken.

Es ist nicht die erste Wirtschaftsblockade – bereits in den Jahren 1989 und 1969 ließ  Indien die Grenzen schließen.

Nach außen erscheint es so, als ob es die nepalesische Regierung nicht interessiert, in welcher Lage das Land und die Menschen im Moment stecken. So ist der vor zwei Wochen gewählte Premier Minister KP Sharma Oli erst einmal damit beschäftigt sein neues Kabinett zusammenzustellen.

Bei Gesprächen mit Indien wurde der Ball an Nepal zurück gespielt. Zuerst sollen seitens Nepals die Unruhen im Terai gelöst und auf die Forderungen der Madhesis und Tharus eingegangen werden. Erst dann wäre die Sicherheit der passierenden Güterfahrzeuge gewährleistet und die Öffnung der Hauptgrenze in Rauxal-Birgunj, über die 70 % der Treibstoff Importe erfolgt, möglich. Lediglich durch die Öffnung der kleinen Grenzstationen können seit einer Woche wenige Tanklaster die ersehnten Treibstoffe in die Hauptstadt Kathmandu bringen.

Die Menschen nehmen die Situation hin, versuchen sich selbst zu organisieren oder erst mal alles während der Festivitäten zu vergessen.

 

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Straßenszene in Kathmandu

 
Auch in dieser Situation sind die Menschen Nepals auf sich gestellt. Genauso wie nach dem Erdbeben, hilft sich die Bevölkerung gegenseitig. Auch wir haben enorme Unterstützung seitens unserer lokalen Partnerorganisationen. Das Transportunternehmen, mit dem wir zusammenarbeiten, macht eine zuverlässige und pünktliche Durchführung des Transport-Services für unsere Gäste möglich.

Allerdings sind durch die „Treibstoff-Krise“ und den Regierungswechsel unser Bau-Genehmigungsprozess sowie erforderliche Material-Transporte für den Wiederaufbau ins Stocken geraten. Dennoch können wir  Erfreuliches seitens unserer „Sunaulo Erdbebenhilfe“ berichten:

Nach Fertigstellung des Bau-Dossiers unserer Schweizer Projektgruppe, die durch die Ingenieure ohne Grenzen Schweiz unterstützt wurde, konnten vor Ort in Brabal bereits Schulungen für die Dorfbewohner durchgeführt werden.

Lea und Regula erklärten den Dorfbewohnern was bei einer erdbebensichereren Bauweise zu beachten ist. Anhand eines Models aus Lego-Steinen konnte die Wichtigkeit der seismischen Bänder und der Eckverstärkungen, die für eine zusätzliche Stabilität der Häuser sorgen, anschaulich demonstriert werden.

 

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Lego im Himalaya

 
Unser nächstes Ziel ist es, den Genehmigungsprozess nach den Feiertagen fortzusetzen und so bald als möglich ein Musterhaus zu bauen. Dabei ist es manchmal nicht einfach, alle Standpunkte unter einen Hut zu bringen. Wir versuchen zwischen den exakten Vorstellungen unserer Projektgruppe, den internationalen Volontären und den Meinungen der Dorfbewohner zu vermitteln. Nur Verständnis, Toleranz, Akzeptanz, Gelassenheit, Lernbereitschaft und Geduld auf beiden Seiten lassen uns die interkulturellen Barrieren überwinden.

Die Liebe zum Land und den Menschen lässt uns trotz den Widrigkeiten weitermachen und gibt uns Kraft, die Motivation und das Engagement aufrecht zu erhalten. Herzlichen Dank für all die Unterstützung, die wir durch die Spenden, die Mithilfe vor Ort und durch das Vertrauen erfahren.

Wir freuen uns sehr, dass nun nach langer Zeit unsere Webseite www.sunaulosansar.org in neuem Layout online gegangen ist. Die Webseite ist in englischer und deutscher Sprache abrufbar. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Timo, der uns stets zuverlässig und schnell IT-technisch begleitet.

Abschließend möchten wir noch darauf hinweisen, dass wir regelmäßig aktuelle Fotos auf unsere Facebook Seite „Hilfe für die Erdbebenopfer im Langtang Tal, Nepal“
(www.facebook.com/helpforlangtang) einstellen. Wer den kleinen Facebook-Icon, der sich unten auf unserer Webseite befindet, anklickt, gelangt direkt zur Seite. Auch diejenigen, die kein Facebook-Konto haben können die Seite aufrufen und die Inhalte sehen und lesen. Wir haben alle Fotos und Berichte öffentlich eingestellt.

Namaste

Temba & Sabine

 

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Danke – Dhanyabad

 

Erfolgreiche Abholung

26. Mai 2015 um 23:13

Update 26. Mai 2015 – Kathmandu / Nepal

Abholung und Entgegennahme der Abdeckplanen

 

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Heute hatten wir richtig Glück mit dem Abholen der Abdeckplanen von der Firma Würth. Es ging alles rucki zucki und in 3 Stunden war alles erledigt. Da wir bereits alle Dokumente zusammen hatten, konnten wir direkt zum Außenhof durchgehen um die Ware zu identifizieren. Direkt am Eingang standen die drei Paletten – unübersehbar. Nach weiteren Kontrollen der Papiere, dem Vergleich der Frachtbrief-Nummer an der Ware und auf den Dokumenten konnten wir die Plastikplanen aufladen und mitnehmen. Nochmals herzlichen Dank für diese Sachspende.

 

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Was alles an verschiedenen Hilfsgütern auf diesem Air-Cargo Platz zu sehen ist, ist einfach unglaublich. Teilweise sind die Güter nur in Kartons verpackt, die durch den Regen bereits aufgeweicht sind und fast auseinanderfallen. Koffer und Taschen mit nicht identifizierbarem Inhalt. Ein Karton, der sowieso schon aufgerissen war, enthielt doch auch tatsächlich Perlen, die zum Fädeln von Ketten dienen. Als ob das bei so einer Katastrophe überlebenswichtig ist.

 

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Damit es nicht ganz so hektisch ist, haben wir unsere Abfahrt ins Langtang Gebiet auf Donnerstag verschoben. So haben wir noch den morgigen Tag um weitere Vorbereitungen zu treffen und Einkäufe zu tätigen. Morgen werden wir unserem Trekking und Climbing Guide Mingmar Sherpa und unserem Träger Pemba Gelu Sherpa jeweils 20 Plastikplanen für ihre Heimatdörfern in den Distrikten Okhaldunga und Solukhumbu übergeben. Diese Planen werden mit dem Flugzeug nach Phaplu gebracht. Von dort aus dauert es 1 – 2 Tage Fußmarsch bis sie ihre Dörfer erreichen. Die Häuser in dieser Region wurden erst von dem zweiten Erdbeben am 12.05.2015 zerstört.

Namaste

Sechster Rundbrief „Erdbeben in Nepal“

17. Mai 2015 um 17:40

17. Mai 2015 Sechster Rundbrief „Erdbeben in Nepal“

Die Hoffnung lässt uns leben.
-Johann Wolfgang v. Goethe-

 

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Letzte Woche am 12.05.2015 hatte es ein erneutes Erdbeben der Stärke 7,2 in Nepal gegeben. Das Epizentrum lag dieses Mal östlich von Kathmandu, in der Nähe von Namche Bazzar. Die Menschen und das Land dürfen nicht zur Ruhe kommen. Es scheint, als wurden sie noch immer nicht genügend gerüttelt und geschüttelt. Viele, die durch das erste Beben nur leichte Schäden an ihren Häusern hatten, mussten mit ansehen, wie nun alles in sich zusammenfällt.

Auch unser Trekking und Climbing Guide Mingmar und unser Sherpa Pemba Gelu, die aus Okhaldunga im Distrikt Sagarmatha (Everest) stammen, haben nun großen Schaden und Zerstörung an ihren Häusern zu beklagen. Mittlerweile sind nun die Häuser von allen unseren Guides und Trägern schwer betroffen und nicht bewohnbar.

Die Nachbeben gehen weiter. Wie fühlt es sich an, alles verloren zu haben? Wie fühlt es sich an, keinen sicheren Ort zum Schlafen zu haben? Wie fühlt es sich an, bei jeder kleinen Bewegung zusammenzuzucken? Ich denke, in der heutigen Zeit können wir uns diese Gefühle nicht im Geringsten vorstellen. Als ich mit Janine und Günter telefoniert habe, sagten beide, dass sie bei jedem lauten Geräusch aufschrecken, auf die Straße rennen wollen und nachts schweißnass aufwachen.

Solch eine seelische Erschütterung können wir wohl nicht erahnen.

Alle freiliegenden Plätze in Kathmandu und in allen anderen Gebieten sind mit kleinen und großen Zelten sowie mit Zeltplanen übersät. Die Menschen schlafen im Freien. Sie trauen sich nachts nicht in die Häuser, aus Angst vor einem neuen schweren Beben.

 

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Trotz all dem Leid können wir auch wieder Schönes und Ermutigendes berichten.

Am vergangen Sonntag hatten sich die mit Hilfsgütern beladenen Lastwagen auf den Weg ins Langtang Tal im Distrikt Rasua aufgemacht.

 

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Temba und unser Team konnten die Güter in zwölf Dörfern (Thulo Bharku, Sano Bharku, Brabal, Old Shafru Bensi, New Shafru Bensi, Komin, Upper Thulo Shafru, Lower Thulo Shafru, Nagarkoti, Upper Gre, Lower Gre und Shjo) verteilen. Die Dankbarkeit und das Glück der Bewohner waren riesig. Die Fotoimpressionen sprechen für sich.

 

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Zwischenzeitlich konnten wir den Kauf von Plastikplanen und den Versand nach Kathmandu über Luftfracht organisieren. Wir haben bei der Metro in Düsseldorf 126 Plastikplanen (Größe 6 m x 8 m) erworben. Was für ein Glück, dass diese dort gerade im Angebot waren und uns Sigrid und Walter davon erzählt haben. Minka konnte mit ihrer charmanten Art den Betriebsleiter der Metro dazu bewegen, den Transport der zwei Paletten nach Frankfurt zu übernehmen. Dank der Metrokarte von Frau Usch konnte der Kauf problemlos innerhalb fünfzehn Minuten erfolgen.

 

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Der Versand mit Qatar Airways wird von einer Hamburger Spedition abgewickelt. Vielen Dank an Carmen und Martin für diesen Kontakt. Die Ware wird am 24. Mai 2015 in Kathmandu eintreffen. Diese werden wir zusammen mit den Fleecedecken, Zelten und weiteren Plastikplanen, die schon etwas früher in Kathmandu ankommen und von Sigrid und Walter organisiert wurden, abholen.

Es gibt Kraft und Mut, wenn so viele Menschen mitwirken und unterstützen. Ohne die ganzen Spenden, die aufmunternden Worte, die guten Gedanken und das tolle Netzwerk könnten wir das alles nicht leisten und veranlassen. Herzlichen Dank.

Ein besonderes Dankeschön geht an zwei Jugendliche (beide 13 Jahre alt), die letztes Jahr mit ihren Familien und unserer Agentur Nepal bereist haben. Adrian hat mit seinen Jonglier-Künsten in der Fußgängerzone für seinen Freund Anup (unseren City Guide) aus Nepal gesammelt. Auch David hat sich in die Einkaufsstraße gestellt und für unser Projekt Sunaulo Erdbebenhilfe mit seinem Cello gespielt. Wir sind gerührt von diesen wundervollen Aktionen.

Unser Nepalbasar am vergangenen Donnerstag und Freitag brachte ein Stück Nepal nach Düsseldorf. Linsensuppe (Dal), Tomaten-Dip (Golbedako Ajar), Papadam (knuspriges Linsenbrot) und Momos (gefüllte Teigtaschen) haben zum gemütlichen Beisammensein beigetragen. Mögen sich alle, die die Lieblingsstücke aus Nepal gekauft haben, daran erfreuen. Wir freuen uns riesig über den Erlös und die Spenden, die direkt an die Sunaulo Erdbebenhilfe fließen und die ich am kommenden Freitag mitnehmen werde.

 

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Zum Entdecken der nepalesischen Küche möchten wir an dieser Stelle einen Hinweis auf unser Kochbuch „Kochen wie in Nepal – Rezepte vom Dach der Welt“ geben. Das Büchlein wurde letztes Jahr veröffentlicht und ist als E-Book erhältlich. Der Erlös fließt an unsere Hilfsorganisation Sunaulo Sansar.

http://www.ebook.de/de/product/22393323/sabine_pretsch_michaela_schiffer_kochen_wie_in_nepal.html

Während meines Aufenthalts in Nepal vom 22.05. bis 14.06.2015 wird es nicht möglich sein, aktuelle Rundbriefe zu schreiben und zu verschicken. Wenn die Stromversorgung und das Mobilfunknetz es zulassen, werden wir sicherlich einige Fotos posten.

Namaste

Temba & Sabine