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Wasser Marsch!

9. April 2016 um 16:11

Heute ist Samstag, öffentlicher und einziger Ruhetag in Nepal. Die Schulen, Behörden und viele Läden sind geschlossen. Das Treiben bei uns im Hinterhof ist in vollem Gange. Der Lärmpegel steigt. An ein ruhiges Arbeiten ist nicht mehr zu denken. Ich schaue aus dem Bürofenster. Die quietschende Wasserpumpe als einzige Wasserquelle ist im Dauereinsatz. Die Nachbarn können von fließendem Wasser in den Häusern nur träumen. Deshalb spielt sich alles, wofür Wasser benötigt wird, im Hof ab. Früh am Morgen werden die Zähne geputzt. Der Hals wird mit lautem Räuspern gereinigt. Dann wird das schmutzige Geschirr gewaschen. Wenn die Sonne scheint, waschen die Frauen ihre langen schwarzen Haare. Die Kinder stehen in Badehose und werden von den Eltern eingeseift und mit einer Schöpfkelle voller Wasser abgeduscht. Die Wäsche wird in großen Schüsseln eingeweicht, gebürstet, geschrubbt, gestampft und gewrungen – so lange bis sie sauber ist.

 

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Im Hinterhof – Wasser Marsch!

 

Den Nachbarn scheint es gut zu gehen, sie kennen es nicht anders. Sie brauchen sich nicht nach den Stromausfallzeiten zu richten. Die Wasserpumpe ist manuell von Hand zu bedienen. Jedes Mal wenn ich faszinierend aus dem Bürofenster schaue, bin ich dankbar, dass wir im Bad und in der Küche nur den Wasserhahn aufdrehen müssen um das kühle Nass sprudeln zu lassen. Es sei denn, es gibt gerade keinen Strom und es wurde vergessen das Wasser in den schwarzen Plastiktank zu pumpen.

NAMASTE!

Hinduismus – Leben und Tod (T 3)

29. März 2016 um 15:30

Wie setzen sich die Riten nach der Kremation fort?
Was bedeutet der Tod im Hinduismus?
Gibt es auch im Hinduismus so etwas wie einen Leichenschmaus?

Die beiden Söhne bleiben am Ghat (Wort aus dem Sanskrit;  Bedeutung: Böschung / Treppe, die zu einem Fluss oder Gewässer führt)  bis die Kremation beendet ist. Dann werden Ihnen die Haare rasiert. Nur ein kleines langes Haarbüschel am Hinterkopf bleibt stehen. Sie erhalten weiße Tücher, die sie sich um die Hüften binden und Strohschuhe. Auch die Witwe muss nach hinduistischer Tradition weiße Kleider und Strohschuhe tragen. Die Witwe und ihre Söhne gelten als unrein und müssen 13 Tage lang selbst kochen und außerhalb der Wohnung leben.

Am Eingangsbereich des Hauses gibt es eine kleine Kammer. Diese wird mit Decken und Isomatten ausgelegt. Ende Februar ist es ist noch recht kalt in Kathmandu. Gekocht wird ohne Knoblauch, Fleisch und Salz – nur einmal am Tag. Alkohol ist verboten.

Jeden Morgen werden die weißen Tücher gewaschen und die Söhne kleiden sich frisch ein. Täglich kommt ein Priester und führt verschiedene Pujas (rituelle Handlungen / Gottesdienste) durch. Auch zu uns kommt er kurz in die Wohnung um diese mit einem Mantra (heiliger Spruch oder heilige Silbe) zu reinigen.

Nach 13 Tagen dürfen die Söhne und die Witwe wieder in die Wohnung. Es wird ein festliches Essen für die Familie, Angehörige, Nachbarn und andere Trauergäste vorbereitet. Dieses Essen entspricht dem Leichenschmaus, der bei den Christen am Tag der Beerdigung und bei den Buddhisten 49 Tage nach der Kremation stattfindet.

Normalerweise tragen die Witwe und die Söhne während einer einjährigen Trauerzeit weiße Kleidung. Dies wird aber in den Städten nicht mehr so streng genommen. Die starren Regeln und Riten scheinen sich etwas aufzulösen.

So hoffen die hinduistischen Gläubigen auch, dass sie eines Tages den sich ständig wiederholenden Kreislauf von Leben und Tod durch die endgültige Erlösung durchbrechen und auflösen. Der Glaube an die Wiedergeburt, die bedingt durch gutes oder schlechtes Karma (Ursache-Wirkung-Prinzip von Handlungen) erfolgt, macht den Tod als Teil des Lebens zum Neubeginn.

 

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Steinklopfarbeiter aus Okhaldhunga

13. März 2016 um 8:06

Wir haben es geschafft! Nach 2 Tagen erreichen wir das Dorf aus dem unsere Sherpas (Träger) Dorje, Pemba Gelu und Lakpa kommen. Das Dorf heißt Karsuboth und liegt im Bezirk Patle, Distrikt Okhaldhunga, Verwaltungszone Sagarmatha.

Aus dem Gebiet Okhaldhunga, das östlich von Kathmandu liegt, kommen die Experten für den Hausbau aus Natursteinen. Viele Männer sind dort auf Steinklopfarbeiten spezialisiert. Akkurat und exakt werden die Steine von Hand in rechteckige Formen gebracht. Es sieht fast so aus als ob die Steine mit einer Maschine bearbeitet sind. Wir möchten eine Arbeitsgruppe für die Steinklopfarbeiten in Brabal anheuern. Gleichzeitig sollen dadurch die Bewohner von Brabal auf diese  Arbeiten trainiert werden.

 

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Steinklopf-Arbeiten

 

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Steine werden herangetragen

 

Zunächst fahren wir, unser Climbing – und Trekkingguide Mingmar Sherpa, Temba und ich, auf der mit japanischer Unterstützung gebauten Straße (Banepa Sindhuli Bardibass Road) über Dhulikhel Richtung Janakpur. Nach 5 Stunden Fahrt erreichen wir die Abzweigung in die Gebiete Okhaldhunga und Solukhumbu. Unzählige Jeeps nehmen den gleichen Weg.

Mittagsrast machen wir in dem Dorf Ghurmye. Es scheint als ob das ganze Dorf aus einfach zusammengebauten Notunterkünften besteht. Wir sind etwas erschrocken, aber der Fahrer, der die Strecke Kathmandu – Okhaldhunga/Solukhumbu täglich fährt, versichert uns, dass dies die permanenten Häuser der Bewohner sind. Auch wenn das Dorf einfach und unaufgeräumt ist, das Dal Bhaat (Linsen mit Reis und Gemüse) schmeckt fantastisch. Gestärkt fahren wir weitere 3 Stunden und lassen 2.300 Höhenmeter hinter uns. Im Dorf Thade auf 2.500 m warten bereits Pemba Gelu und Lakpa auf uns. Es ist 14 Uhr und der Nebel ist so dicht, dass wir fast nichts sehen.

 

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Dorf Ghurmye

 

Nach einem leckeren Doudh Chiya ( Milchtee) geht es zu Fuß weiter.  Wir wandern 2 Stunden durch wunderschöne Rhododendron-Landschaften bis zum Dorf Phalate. Die Rhododendron Blüte beginnt dieses Jahr viel zu früh und wir bestaunen die Bäume in komplett roter und weißer Pracht. In Phalate schlagen wir unser Nachtlager auf. Wir haben das Zelt mitgebracht, entscheiden uns aber in einem der einfachen Zimmer auf dem Boden zu schlafen. Die Küche ist klein und durch den Holzofen, der gleichzeitig als Kochstelle dient, total verqualmt. Wir befinden uns abseits der üblichen Trekkingrouten ohne Infrastruktur und Verpflegung für Touristen.

 

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Blühender Rhododendron

 

Am nächsten Tag geht es weiter bergauf und bergab. Wir überqueren Flüsse und springen über die Steine. Und wir stellen wieder fest, dass das Zeitgefühl der Nepalesen überhaupt nicht mit dem europäischen übereinstimmt. Aus zunächst angekündigten 3 – 4 Stunden Wanderung werden
8 Stunden. Aber vielleicht ist es auch die europäische Gehgeschwindigkeit, die diese Verzögerung herbeiführt.

Als wir unser Ziel erreichen werden wir von der Mutter unserer Sherpas herzlich empfangen. Wir überreichen die mitgebrachten Gastgeschenke wie Reis, Zucker, Öl und Kekse. Unser Zelt schlagen wir im Kartoffelfeld direkt hinter dem Haus auf. Auf dem Dach des Hauses sind noch die khakifarbenen Plastikplanen, die wir als Soforthilfe nach dem Erdbeben verteilt haben, gespannt. Die ganzen Dachlatten aus Holz wurden  damals durcheinander gerüttelt. Die dadurch entstandenen Luken werden nun durch die Planen, die als Regenschutz dienen, verdeckt. Risse durchziehen das verschobene Mauerwerk.

 

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Haus unserer Sherpas in Okhaldhunga 

 

Im Okhaldhunga Gebiet sind viele Häuser durch das Erdbeben beschädigt und zerstört worden. Die Häuser werden traditionell aus Natursteinen gebaut und mit Lehmmörtel fixiert. Die Dächer sind üblicherweise mit Holzlatten gedeckt.  Wir sind erstaunt, dass einige der Häuser bereits wieder aufgebaut sind. Teilweise wurde die alte Bauweise ohne Verstärkung durch seismische Bänder angewandt; teilweise die neue erdbebensicherere Bauweise, wie im aktuellen Building Code der Regierung beschrieben.  In diesen weit abgelegenen Gebieten sind die Menschen auf sich allein gestellt. Sie wollen nicht mehr warten bis sich seitens der Regierung etwas tut. Dafür nehmen die Bewohner in Kauf, dass sie möglicherweise die zugesagte Entschädigungssumme von NPR 200.000 (ca. EUR 1.900) pro betroffenem Haushalt nicht erhalten. Fraglich ist sowieso, ob jemals Regierungsbeamte in dieses abgelegene Gebiet kommen um die Bauweise zu kontrollieren.

 

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Alte Bauweise ohne seismische Bänder

 

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Erdbebensicherere Bauweise mit seismischen Bändern

 

Wir versuchen Pemba Gelu und seine  Familie hinsichtlich der erdbebensichereren Bauweise  zu sensibilisieren und erklären  die Funktion der  seismischen Bänder und Eckverstärkungen. Am nächsten Tag besuchen wir den Marktplatz des Dorfes. Unweit entdecken wir eine Baustelle. Die Handwerker sind fleißig am Arbeiten. Zu unserer Freude sehen wir, dass bei diesem Hausbau bereits einige seismische Bänder aus Holz eingezogen sind. Emsig werden Steine in Form geklopft.  Im Gespräch mit den Arbeitern stellt sich heraus, dass diese Arbeitsgruppe nach Fertigstellung des Hauses freie Zeitpuffer hat. Wir können die Arbeiter für unser Wiederaufbau-Projekt in Brabal gewinnen. Schon in 2 Wochen fangen sie dort an. Nachdem bereits viele Arbeiter aus Okhaldhunga für den Wiederaufbau von Häusern in den Dörfern Langtang und Kyangjin Gompa im Langtang Gebiet engagiert wurden, freuen wir uns über diese positive Nachricht und den Erfolg unserer Reise.

NAMASTE!!

 

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Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 15

27. Februar 2016 um 21:34

NAMASKAR Nepal
27. Februar 2016 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 15

Heute melden wir uns mit dem ersten Rundbrief im Jahr 2016 und berichten über viele Neuigkeiten. Seit zwei Wochen sind wir von unserem einmonatigen Deutschland-Aufenthalt zurück in Nepal.

Es hat sich gezeigt, dass unsere Präsenz auf der Reisemesse CMT in Stuttgart im Januar 2016 sehr wichtig war. Viele Menschen wollen Nepal und die Bevölkerung durch Reisen unterstützen. Das ist großartig. Auch während des von der Stuttgarter Honorarkonsulin  Ann-Katrin Bauknecht organisierten “CMT-Pressegespräch Nepal“ wurde den Besuchern die Wichtigkeit des Tourismus nach dem Erdbeben dargelegt. Reinhold Messner, der als Ehrengast eingeladen war, sprach von der Schicksalsergebenheit der Nepalesen. Touristen, die das Land jetzt bereisen, würden der Bevölkerung zeigen, dass sie sich durch die Ereignisse im letzten Jahr nicht einschüchtern lassen und dadurch Hoffnung vermitteln.

 

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Unser Stand auf der CMT

 

Unsere Hoffnung auf ein Ende der Grenzblockade nach unserer Rückkehr hat sich bewahrheitet. Am 5. Februar 2016 wurde die Grenze Birganj-Raxaul wieder geöffnet. Unzählige Lastwagen mit Treibstoffen und Gas-Zylindern konnten den Grenzposten passieren. Langsam kehrt an den Tankstellen Normalität ein. Es gibt keine reglementierten Benzinausgaben mehr. Benzin und Diesel sind wieder zu Normalpreisen erhältlich. Kochgas kann ebenfalls zum normalen Preis eingekauft werden. Die Wartezeiten bei der Ausgabe sind teilweise noch recht lang. Allerdings ist die Länge der Schlangen vor den Tankstellen und Gas-Depots nicht mit denen der vergangenen Monate zu vergleichen. Restaurants haben keine limitierten Speisekarten mehr. Die Taxipreise haben sich normalisiert.

Der Besuch von Premier Minister Oli vom 18. – 24. Februar 2016 in Indien sollte nach Medienberichten die bilateralen Beziehungen zwischen Nepal und Indien stärken. Seit dem Inkrafttreten der neuen Verfassung im September 2015 und der daraus resultierenden Grenzblockade waren diese zunehmend verhärtet. Darüber hinaus sollte die Regierung aber die Verhandlungen mit den Madhesis nicht ganz vergessen.  Deren Forderungen wurden bisher noch nicht einvernehmlich fixiert.

Positives können wir von unserem Wiederaufbau-Projekt in Brabal berichten. Für Nepal ist es sehr typisch, dass sich manchmal etwas ewig zieht und sich nichts tut. Dann auf einmal, läuft alles wie von selbst.

Temba war letzte Woche zusammen mit einigen Dorfbewohnern in der Bezirkshauptstadt Dhunche. Dort konnten wir, Dank des hervorragend dokumentierten Bau-Dossiers und den weiteren Unterlagen, unser “Wiederaufbauprojekt Dorf Brabal“ beim Chief District Officer (CDO) und gleichzeitig beim National Reconstruction Authorithy (NRA) Office, Niederlassung in Dhunche, offiziell registrieren.

Bereits jetzt haben wir die mündliche Zusage mit dem Bau von zwei Musterhäusern in Brabal starten zu können. Die erforderliche Baugenehmigung muss während dieser Zeit beim Ministerium für Stadtentwicklung (Amt für Stadtentwicklung und Bauwirtschaft) im Parlamentsgebäude Singha Durbar in Kathmandu beantragt werden.

Leider wurde uns dabei ein Stein in den Weg gelegt. Als Grundlage für die Beantragung können wir das durch unser Projekt-Team vorbereitete Bau-Dossier nicht verwenden. Die Verwendung der vorliegenden Baupläne macht eine Überprüfung der beruflichen Fachkompetenzen sowie die Anerkennung der erstellenden Personen aus der Schweiz durch eine gesonderte Regierungsentscheidung erforderlich. Dieser Prozess erfordert einen enormen Aufwand und enthält eine große Unbekannt: die zeitliche Dauer.

Um den Stein aus dem Weg zu rollen, besteht die Möglichkeit als Grundlage für die Beantragung der Baugenehmigung das Modell-Haus SMM 1.1. (einstöckiges 3-Zimmer-Haus mit Veranda) gemäß Building Code zu nehmen. Dieses Modell entspricht von der Größe in etwa dem Haus, das in unserem Bau-Dossier dargestellt ist. Es wird allerdings eine Modifikation mit Zement-Mörtel und seismischen Bändern aus Beton geben. Sollten Bauplätze für diese Hausgröße nicht ausreichen, sind die Bewohner frei sich für ein zweistöckiges 2-Zimmer-Haus gemäß Building Code zu entscheiden. Letztlich werden alle Bewohner für die Errichtung des Rohbaus Materialen, Transport und notwendige nepalesische Fachkräfte (für Steinklopfarbeiten) im selben Wert erhalten.

Der Building Code ist unter dem folgenden Link abrufbar: http://www.dudbc.gov.np/uploads/default/files/0ef9f3598df115407ae9ed4e7bfab24a.pdf

An dieser Stelle möchten wir nochmals unseren ganz besonderen Dank an unser Bau-Team aus der Schweiz aussprechen. Nur durch die exakte und detaillierte Dokumentation  war es überhaupt möglich das Projekt zu registrieren. Außerdem wurde dadurch unser Blick auf die Wichtigkeit der Bau-Komponenten (seismische Bänder und Eckverstärkungen) für ein erdbebensichereres Haus geschärft. Das Bau-Dossier ist die Basis unseres Projekts. Danke für Euer Vertrauen und das Engagement.

Durch die Eigenverantwortung und Organisation der Dorfbewohner wurde bereits das seitens der Regierung erforderliche Training auf die erdbebensicherere Bauweise im Januar/ Februar 2016 absolviert. Uns liegen Zertifikate der Handwerke Fachrichtung Maurer, Schreiner und Elektriker vor. Das Training dauerte  25 Tage und wurde von der GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GmbH) in Thulo Shafru durchgeführt. Die Eigeninitiative und das Engagement der Dorfbewohner zeigen uns, dass sie voll hinter dem Projekt stehen und wir auf dem richtigen Weg sind.

Auf dem richtigen Weg geht es auch in Richtung Brabal. Die durch die Grenzblockade stagnierenden Straßenbauarbeiten sind durch die Dorfbewohner bereits wiederaufgenommen. Wir gehen davon aus, dass die Straße Ende Februar 2016 fertig ist. Dann ist es möglich die Materialien wie Zement und Sand mit dem Lastwagen bis nach Brabal zu transportieren. Das ist ein wahrer Fortschritt, der dem Engagement und dem Einsatz der Bewohner von Brabal und Thulo Shafru zu verdanken ist.

 

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Straße nach Brabal

 
Im letzten Jahr haben sich die Engineers without borders (EWB) von der Uni Karlsruhe, Institute of Technology (KIT) entschieden zwei Projekte mit uns im Dorf Brabal umzusetzen.  Zum einen soll das Wasserversorgungssystem erneuert und die Trinkwasserversorgung verbessert werden. Zum anderen ist der Bau einer Müllentsorgungsanlage geplant. Beides sind Projekte, die nach erfolgreicher Umsetzung in andere Dörfer adaptiert werden können. Weitere Informationen zu diesen Projekten sind zu finden unter:

www.ewb-karlsruhe.de/projekte/nepal
www.ewbkarlsruheinnepal.wordpress.com

Wer gerne für die Projekte spenden möchte, kann dies über Betterplaces unter dem nachfolgenden Link tun. Die Spenden sind steuerlich absetzbar.

www.betterplace.org/de/projects/37561?utm_campaign=ShortURLs&utm_medium=project_37561&utm_source=PlainShortURL#galleryclosed

 

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Besuch bei den Studenten in Karlsruhe

 
Bei uns auf der Webseite werden kurzfristig ebenfalls Informationen und genaue Projektbeschreibungen zu den beiden oben genannten Projekten ersichtlich sein. Die ersten Studenten werden schon Ende März/ Anfang April 2016 anreisen und das Wasser-Projekt in Angriff nehmen.

Mitte Februar 2016 wurden die Spendenbescheinigungen seitens der Deutsch-Nepalischen Hilfsgemeinschaft e.V., Stuttgart (DNH) für die Sunaulo Erdbebenhilfe verschickt. Sollte jemand noch keine Bescheinigung erhalten haben, bitten wir um kurze Mitteilung. Wir möchten darauf hinweisen, dass Spenden bis zu EUR 200,00 ohne amtliche Spendenquittung mit dem Einzahlungsbeleg der Überweisung beim Finanzamt eingereicht werden können. Spenden über EUR 200,00 müssen über eine vom Spendenempfänger auszustellende Spendenbescheinigung nachgewiesen werden. Für die Unterstützung und die Bemühungen bedanken wir uns herzlich beim DNH-Geschäftsbüro und der DNH-Vorstandschaft.

NAMASTE!!!

Hinduistische Rituale in Pashupatinath – Leben und Tod (T2)

26. Februar 2016 um 21:31

Pashupatinath ist der wichtigste Hindu-Tempel im Kathmandutal. Er befindet sich am Ufer des heiligen Flusses Bagmati. Der eigentliche Tempel ist nur für Hindus zugänglich, der äußere Tempelbezirk darf hingegen von jedermann betreten werden. Täglich finden in Pashupatinath öffentliche Feuerbestattungen statt.

Heute sind wir nicht hier um unseren Gästen diesen heiligen Platz zu zeigen. Heute sind wir hier um uns von einer warmherzigen, hilfsbereiten, aufgeschlossenen Persönlichkeit zu verabschieden.

Unser Vermieter ist ganz plötzlich und unerwartet verstorben. Seit 8 Jahren, genau so lange wie ich nun in Nepal lebe, wohnen wir zusammen unter einem Dach. Es ist mir ein Herzensbedürfnis ihm die letzte Ehre zu erweisen. Wir sind etwas unsicher wie wir uns verhalten sollen. Ist es doch die erste hinduistische Trauerzeremonie an der wir teilnehmen. Wir haben Blumengirlanden aus Tagetes gekauft. Nun stehen wir am Ghat (Wort aus dem Sanskrit;  Bedeutung: Böschung / Treppe, die zu einem Fluss oder Gewässer führt) direkt unterhalb des Haupttempels. Auf einer der Treppen ist der Leichnam aufgebahrt. Der Körper ist in ein Tuch gewickelt, bedeckt mit unzähligen Blumenketten. Neben dem nicht verhüllten Kopf sind brennende Räucherstäbchen in die Bodenritzen gesteckt. Das Gesicht sieht friedlich und frisch aus. Es scheint als würde dort ein Schlafender liegen und gleich aufwachen.

Unser Nachbar kennt sich mit den hinduistischen Ritualen aus. Er sagt, wir sollen um den Körper herumgehen und dann die Blumengirlande darauf ablegen. Die beiden Söhne, die daneben stehen, bedanken sich für die Anteilnahme. Eigentlich ist dies nicht anders als bei einer Beerdigung. Dort werfen die Trauergäste auch Blumen oder Erde ins Grab. Es kommen immer mehr Menschen, die Blumen niederlegen und sich verabschieden. Nach einer Stunde beginnt die eigentliche Zeremonie mit den Ritualen.

Der Leichnam wird von der Bahre genommen und von den Söhnen und anderen Verwandten  zu der abschüssigen Stelle, die direkt in den Bagmati Fluss mündet, gebracht.  Die Lagerung des Körpers erfolgt so, dass die Füße in den Fluss ragen. Die Blumengirlanden werden zur Seite gelegt. Oberhalb des Kopfes befindet sich ein Loch bzw. ein Durchbruch mit einer Quelle.  Daraus wird mit der hohlen Hand eine Flüssigkeit aus Wasser und Milch geschöpft und dem Toten in den Mund geträufelt. Die letzten Waschungen finden statt. Das Gesicht wird mit rotem Zinnoberpulver bestäubt, es brennen wieder Räucherstäbchen neben dem Kopf. Die Witwe gibt nun ihre Kette aus kleinen feinen grünen Perlen (Nepali = Pote), die ein Symbol der Verheiratung ist, sowie den Hochzeitsschmuck (Nepali = Mangalsutra) an den verstorbenen Ehemann zurück.

Der Verstorbene wird danach auf eine Bahre aus Bambus gelegt. Der Priester bläst in das Muschelhorn. Es ist das Zeichen, dass die Verbrennung kurz bevor steht. Die Söhne und weitere Helfer tragen den Leichnam zum Verbrennungsplatz. Am Arya Ghat (Verbrennungsstelle für Regierungsbeamte und höhere Kasten) sind bereits die Holzscheite aufgeschichtet.  Rundherum ist der Platz mit Blumenketten geschmückt. Ein kleiner Baldachin in orange ist aufgebaut. Der Leichnam wird auf der Bahre insgesamt dreimal im Uhrzeigersinn um den Platz getragen. Die Söhne unterlegen danach auf Anweisungen des Priesters das aufgestapelte Holz mit Stroh, Sandelholz und Ghee (geklärte Butter). Danach wird der tote Körper darauf gebettet. In Ghee getränktes Stroh und Münzen werden nun in den Mund des Verstorbenen gesteckt. Die Söhne drehen nochmals drei Runden wobei der älteste Sohn vorangeht und ein brennendes Holzstück trägt. Der jüngere Sohn hält ihn am Arm und geht hinterher. Bei jeder Runde berühren die Söhne mit ihren Köpfen die Füße des Toten. Nach den Umrundungen zündet der älteste Sohn das Stroh im Mund an.

Nun umrundet die Witwe und andere Verwandte den Leichnam. Die Söhne müssen am Ghat bleiben bis zum Ende der Kremation. Im Hinduismus enden damit die notwendigen Rituale, insbesondere für die Witwe und die Söhne, noch nicht.

Wie setzen sich die Rituale fort?
Was bedeutet der Tod im Hinduismus?
Gibt es auch im Hinduismus so etwas wie einen Leichenschmaus?
 

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Pashupatinath – Verbrennungsstätte