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Patan´s Regen-Gott – Rato Machhindranath

29. Mai 2016 um 12:03

Pani paryo… es regnet…

Zu Beginn der Monsun-Jahreszeit findet in Nepal zu Ehren der Gottheit Rato Machhindranath ein großes Festival statt. In einer Prozession wird Machhindranath in einem Festwagen durch die Straßen von Patan gezogen.

 

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Der Pfahl des Festwagen ist von weitem sichtbar

 

Patan, auch Lalitpur genannt, ist die Stadt der Schönheit und die zweitgrößte Königstadt im Kathmandu-Tal. Die ethnische Volksgruppe Newari sind die Ureinwohner des Kathmandu-Tals.  In Patan ist der hohe Anteil der newarischen Bevölkerung sichtbar.  Viele Newari sind künstlerisch in der Holzschnitz- und Metallkunst tätig oder erwerben ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft.  Durch die beruflichen Tätigkeiten, die religiösen Glaubenssätze und die tiefe Verbundenheit zur Natur sind in der Vergangenheit zahlreiche traditionelle Feste entstanden. Da über lange Zeit keine Aufzeichnung historischer Daten  existierte, ist es schwer abzuschätzen wann diese Feste entstanden sind.

So auch das Fest des Rato Machhindranath. Rato ist nepalesisch und heißt übersetzt Rot. Das  Sanskritwort „Natha“ bedeutet  Gott oder Beschützer. Eine der vielen Legenden besagt, dass der hinduistische Guru Gorkanath während eines Besuchs in Patan alle Schlangen, die die Macht über den Regen haben, gefangen genommen hat. Diese Reaktion lösten die Bewohner, die dem Guru keine Almosen geben wollten, aus. Daraufhin  zog sich eine gewaltige Dürre über das Land und die Menschen klagten und ersehnten den Regen. Der König von Patan folgte dem Rat seiner engsten Vertrauten und lud Machhindranath, den Lehrer von Gorkanath nach Patan ein. Als Gorkanath vom Besuch seines Lehrers hörte,  ließ er die Schlangen frei und lief zu Machhindranath um ihn zu sehen.  Ab diesem Zeitpunkt gab es immer genug Regen in Patan. Machhindranath wird deshalb auch als Regen-Gott verehrt.

 

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Festwagen des Rato Machhindranath

 

Die Legende um Rato Machhendranath macht mich neugierig. Ich gehe durch die geschäftige Straße zum Lagankhel Buspark. Auf beiden Seiten bieten die Händler ihre Waren feil. Es ist  schwül heiß, die Luft ist zum Schneiden dick. Ein Gewitter kündigt sich an. Von weitem sehe ich schon den Pfahl hervorragen. Die Menschenmenge verdichtet sich. Auf dem Boden haben Frauen Tücher ausgebreitet. Sie verkaufen kleine Butterlampen.

Da steht er in voller Pracht: der Festwagen des Rato Machhindranath.
Ein Kunstwerk, Verehrungsobjekt und Transportmittel. An der langen Deichsel ist eine vergoldete Maske angebracht. Es ist der Akash Bhairab, der eine spezielle Form des Bhairab darstellt. Bhairab ist die schreckliche, grimmige Manifestation von Lord Shiva und wird oft mit fletschenden Zähnen und flammenden Haaren dargestellt.

 

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Die Maske des Akash Bairab an der Deichsel

 

Junge, Alte, Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer fassen die Maske an oder berühren sie mit der Stirn. Es ist faszinierend zuzusehen. Tiefe Religiosität, Demut und Ergebenheit ist überall zu spüren. Ich kann den Blick nur schwer lösen. Am Ende der Deichsel auf vier riesigen Rädern sitzt eine Sänfte aus wunderschön geschnitztem Holz mit bronzebeschlagenen Seiten. Daran schließt sich ein hoher Pfahl aus zusammengebundenen Baumruten, geschmückt mit langen Bändern an. Ganz oben weht die nepalesische Landesflagge im Wind. Die Holzräder sind mit dicken Seilen an den Unterbau der Sänfte gebunden. Im Innern der Sänfte thront die Gottheit Rato Machhindranath. Eine Statue mit rotem Gesicht, großen goldenen Ohren und überdimensionalen  Augen.

 

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Die Gottheit Rato Machhindranath

 

Das Rato Machhindranath Festival feiern sowohl Hinduisten als auch Buddhisten. Die Hinduisten sehen in Machhindranath eine Reinkarnation von Lord Shiva und die Buddhisten eine Reinkarnation von Avalokiteshvara,  dem erleuchteten Wesen des Mitgefühls. Wie bei so vielen anderen wichtigen Anlässen oder Feiern hängt die Dauer des Festivals vom astrologischen Kalender ab. Dabei erfolgen die Berechnungen nach dem newarischen Kalender. Mit dem Aufbau des Festwagens wird bereits einen Monat vor dem Fest begonnen. Die Höhe des Pfahls, der Durchmesser der Räder und die Länge der Deichsel richten sich nach der astrologisch bestimmten Glückszahl 32. Diese Zahl ist beim Bau des Festwagens in verschiedenen Maßeinheiten zu berücksichtigen. Newarische Männer, insbesondere Farmer, die der Gemeinschaft der Jyapu angehören, ziehen den Karren mit Hilfe der nepalesischen Armee durch die verschiedenen Stadtteile in Patan. Nur an einem Tag wird der Festwagen von Frauen gezogen. Gestartet wird in Phulchok und nach mehreren Tagen endet das Fest mit dem Hauptfeiertag „Botho Jatra“ in Jawalakhel.  Während einer Zeremonie wird durch einen Regierungsbeamten die glitzernde Brokat-Weste (Bhoto) der Gottheit hochgehalten. Danach wird der Festwagen auseinandergebaut und Rato Machhendranath wird in seinen zweiten Tempel in Bungamati gebracht. Bungamati ist ein newarisches Dorf, ca. 5 km von Patan entfernt. 6 Monate verbleibt die Gottheit im Tempel in Bungmati und 6 Monate in seinem im 16. Jahrhundert erbauten Tempel in Patan. Alle 12 Jahre endet das Festival direkt im Dorf Bungamati.

 

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Was für eine künstlerische Konstruktion

 

NAMASTE!

Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 16

25. April 2016 um 10:22

25. April 2016 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 16

Ein Jahr danach… und es hat sich gleichzeitig viel und wenig getan.

Welche Gegensätzlichkeit –  aber das spiegelt sich überall in Nepal:

  • Der höchste Punkt der Welt – Mount Everest mit 8.850 m im Khumbu und der niedrigste mit 60 m im südlichen Terai.
  • Heilige Plätze, gereinigt durch den Duft von Räucherstäbchen und stinkender Abfall gleich daneben.
  • Gelebte Traditionen in entlegenen Gebieten und selbst der Opa hat dort ein Smartphone am Ohr. 

     

     

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Smartphone-Nutzung in abgelegenen Dörfern

 

Hilfsorganisationen aus dem In- und Ausland haben im Rückblick sehr viel bewegt. Die nepalesische Armee und der Katastrophenschutz konnten Lebende unter den Trümmern bergen. Trinkwasseranlagen standen der Bevölkerung in Kathmandu und in den betroffenen Gebieten zur Verfügung. Lebensmittel, Plastikplanen und Wellblech wurden an die notleidende Bevölkerung verteilt. An vielen Schulen erfolgte die Einführung von Schulspeisungen; die Verteilung von neuer Schulkleidung und Schulrucksäcken symbolisierte Neuanfang. Familien sind in errichtete Notunterkünfte eingezogen. Der Wiederaufbau der Häuser hat begonnen und setzt sich fort.

Wenig Unterstützung kam und kommt seitens der nepalesischen Regierung.
Verzögerungen bei der Gründung der „Nepal Reconstruction Authority (NRA)“.
Verzögerungen bei der Veröffentlichung des neuen Building Codes.
Verzögerungen bei dem Abruf der international zur Verfügung gestellten Hilfefonds.
Verzögerungen bei der Verteilung von staatlicher Unterstützung an die betroffenen Familien. Tausende leben immer noch in Notunterkünften. Bei allem, was Handlung und Umsetzung seitens der Regierung erfordert, ist die Bevölkerung in ständiger Warteposition. Gezwungen zum Ausharren und anschließendem Akzeptieren. Jede Aktivität wird schon im Keim verstickt. Nur wenige folgen ihrem eigenen Tatendrang.

 

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Zerstörte Häuser provisorisch mit Wellblech repariert

 

Medienberichten zufolge haben 31.000 Familien begonnen ihre Häuser in den betroffenen Gebieten selbst wieder aufzubauen. Das hat die NRA Behörde nun dazu bewogen ihre strikte Regelung etwas aufzuweichen. Zuvor sollte keine Auszahlung der Entschädigung erfolgen, sofern Familien bereits mit dem Wiederaufbau begonnen haben. Jetzt sollen die Ausgleichssummen auch an die Haushalte fließen, die mit dem Hausbau begonnen haben und eine erdbebensichere Bauweise vorweisen können. Insgesamt sind mehr als 770.000 Häuser durch das Erdbeben zerstört.  Bisher haben nur 641 Haushalte in Singati (Dolakha Distrikt) die erste Rate von NPR 50.000 (ca. EUR 435), der von der Regierung angekündigten Entschädigungssumme über insgesamt NPR 200.000 (ca. EUR 1.740) erhalten (Quelle: Kathmandu Post, 18.04.2016).

Der Chef der NRA Behörde Sushil Gyewali teilte in einem Zeitungsinterview mit, dass die Behörde zuversichtlich ist und der gesamte Wiederaufbau innerhalb 5 Jahren abgeschlossen ist. Dazu soll zum Jahrestag des Erdbebens ein Dokument mit den Rahmenbedingungen und den Plänen zum Wiederaufbau in den nächsten Jahren veröffentlicht werden.

 

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Kathmandu Durbar Square – Kumari-Haus mit Stützbalken

 

Gleichzeitig mit Frühlingsbeginn hat unser Wiederaufbauprojekt an Fahrt aufgenommen. Alles ist im Fluss. Erneuerung und Wachstum symbolisieren das Frühjahr und das scheint sich auf unser Vorhaben übertragen zu haben.

 

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Steinklopf-Arbeiter aus Okhaldhunga (Distrikt in Ost-Nepal)

 

Seit dem 27.03.2016 ist die nepalesische Gruppe aus dem Okhaldhunga Distrikt fleißig bei der Arbeit in Brabal. Steine werden ausgegraben und in Form geklopft, Schubkarren voller Erde hin- und hergeschoben.  Die Dorfbewohner sind mit Holzarbeiten beschäftigt und es entstehen Tür- und Fensterrahmen. Der 01.04.2016 ist ein historischer Tag; die Strasse führt nun von Thulo Barkhu durchgehend bis Brabal. Jetzt setzt der Dominoeffekt ein. Ein Dominostein stößt den anderen an und es läuft vieles wie von selbst.

 

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Die Straße führt bis zum Ortseingang Brabal

 

Keuchend schnauft der vollgeladene 4 Tonner die erdige Piste hinauf. Die erste Ladung Sand und Zement erreicht Brabal am 04.04.2016.  Als ich die Fotos von der Wegführung und den umgestürzten Bäumen sehe, zerreißt es mir das Herz. Wie oft sind wir die wunderschöne Strecke Thulo Bharku – Brabal durch die idyllische Wald- und Berglandschaft gelaufen. Straßenbau in den abgelegenen Gebieten Nepals. Fluch oder Segen? Auf jeden Fall eröffnet die Straße neue Möglichkeiten und erleichtert den Transport. Zur Grundsteinlegung am 04.04.2016 wird ein buddhistischer Priester, der die heiligen Texte liest und eine Räucher-Zeremonie durchführt, bestellt. Sechs Tage später, am 10.04.2016 ist das Fundament des neuen Hauses komplett gelegt.

 

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Fundament des ersten Muster-Hauses in Brabal

Nun geht es an den schwierigsten und für die Dorfbewohner recht unbekannten Teil des Bauwerkes: die Erstellung des ersten seismischen Betonbands. Gemessen, gebogen, gewogen, gemischt – alles ganz exakt nach den Vorgaben des Baudossiers und Building Codes. Am 12.04.2016 ist das Betonband pünktlich zum nepalesischen Jahreswechsel fertiggestellt.

 

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Die Eisenhaken müssen exakt platziert werden

 

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Holzschalung für das erste seismische Betonband

Das Setzen der Türen, insbesondere der Eingangstür erfordert eine korrekte Ausrichtung nach der entsprechenden Himmelsrichtung. Die Platzierung der Haustür Richtung Norden ist nicht möglich. Es besteht in Nepal der Glaube, dass den Hausbewohnern dann großes Unglück widerfährt. Sämtliche Türen haben zum 15.04.2016 ihren Platz gefunden. Die Arbeiten zum zweiten seismischen Band gingen den Arbeitern schon leichter von der Hand. So konnten am 21.04.2016 sogar schon die Fensterrahmen eingebaut werden. Das dritte seismische Band ist derzeit in Entstehung.

 

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Die Türen sind gesetzt

 

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Baufortschritt in Brabal – Fenstereinbau

 

Wir gehen davon aus, dass das erste Musterhaus Mitte Mai fertig gestellt und vor dem Monsun beziehbar ist. Wenn alles planmäßig verläuft wird in Kürze der Bau des zweiten Musterhaus in Angriff genommen.

Gerne möchten wir an dieser Stelle auf unsere Portrait-Serie, die wir auf unserer Facebookseite veröffentlichen, aufmerksam machen. Wir stellen regelmäßig die Bewohner/innen des Dorfes Brabal mit einer kleinen Beschreibung vor.  Außerdem können aktuelle Fotos vom Baufortschritt unter  www.facebook.com/helpforlangtang eingesehen werden.

 

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Kamsya Tamang – Hausfrau & Farmerin aus Brabal

 

Die Projektbeschreibungen zur Sunaulo Erdbebenhilfe, Trinkwasserversorgung und Müllentsorgung (Gemeinschaftsprojekt mit den Engineers Without Borders e.V., Karlsruhe) sind nun eingestellt und können auf unserer Webseite www.sunaulosansar.org  abgerufen werden.

NAMASTE!!

Wasser Marsch!

9. April 2016 um 16:11

Heute ist Samstag, öffentlicher und einziger Ruhetag in Nepal. Die Schulen, Behörden und viele Läden sind geschlossen. Das Treiben bei uns im Hinterhof ist in vollem Gange. Der Lärmpegel steigt. An ein ruhiges Arbeiten ist nicht mehr zu denken. Ich schaue aus dem Bürofenster. Die quietschende Wasserpumpe als einzige Wasserquelle ist im Dauereinsatz. Die Nachbarn können von fließendem Wasser in den Häusern nur träumen. Deshalb spielt sich alles, wofür Wasser benötigt wird, im Hof ab. Früh am Morgen werden die Zähne geputzt. Der Hals wird mit lautem Räuspern gereinigt. Dann wird das schmutzige Geschirr gewaschen. Wenn die Sonne scheint, waschen die Frauen ihre langen schwarzen Haare. Die Kinder stehen in Badehose und werden von den Eltern eingeseift und mit einer Schöpfkelle voller Wasser abgeduscht. Die Wäsche wird in großen Schüsseln eingeweicht, gebürstet, geschrubbt, gestampft und gewrungen – so lange bis sie sauber ist.

 

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Im Hinterhof – Wasser Marsch!

 

Den Nachbarn scheint es gut zu gehen, sie kennen es nicht anders. Sie brauchen sich nicht nach den Stromausfallzeiten zu richten. Die Wasserpumpe ist manuell von Hand zu bedienen. Jedes Mal wenn ich faszinierend aus dem Bürofenster schaue, bin ich dankbar, dass wir im Bad und in der Küche nur den Wasserhahn aufdrehen müssen um das kühle Nass sprudeln zu lassen. Es sei denn, es gibt gerade keinen Strom und es wurde vergessen das Wasser in den schwarzen Plastiktank zu pumpen.

NAMASTE!

Hinduismus – Leben und Tod (T 3)

29. März 2016 um 15:30

Wie setzen sich die Riten nach der Kremation fort?
Was bedeutet der Tod im Hinduismus?
Gibt es auch im Hinduismus so etwas wie einen Leichenschmaus?

Die beiden Söhne bleiben am Ghat (Wort aus dem Sanskrit;  Bedeutung: Böschung / Treppe, die zu einem Fluss oder Gewässer führt)  bis die Kremation beendet ist. Dann werden Ihnen die Haare rasiert. Nur ein kleines langes Haarbüschel am Hinterkopf bleibt stehen. Sie erhalten weiße Tücher, die sie sich um die Hüften binden und Strohschuhe. Auch die Witwe muss nach hinduistischer Tradition weiße Kleider und Strohschuhe tragen. Die Witwe und ihre Söhne gelten als unrein und müssen 13 Tage lang selbst kochen und außerhalb der Wohnung leben.

Am Eingangsbereich des Hauses gibt es eine kleine Kammer. Diese wird mit Decken und Isomatten ausgelegt. Ende Februar ist es ist noch recht kalt in Kathmandu. Gekocht wird ohne Knoblauch, Fleisch und Salz – nur einmal am Tag. Alkohol ist verboten.

Jeden Morgen werden die weißen Tücher gewaschen und die Söhne kleiden sich frisch ein. Täglich kommt ein Priester und führt verschiedene Pujas (rituelle Handlungen / Gottesdienste) durch. Auch zu uns kommt er kurz in die Wohnung um diese mit einem Mantra (heiliger Spruch oder heilige Silbe) zu reinigen.

Nach 13 Tagen dürfen die Söhne und die Witwe wieder in die Wohnung. Es wird ein festliches Essen für die Familie, Angehörige, Nachbarn und andere Trauergäste vorbereitet. Dieses Essen entspricht dem Leichenschmaus, der bei den Christen am Tag der Beerdigung und bei den Buddhisten 49 Tage nach der Kremation stattfindet.

Normalerweise tragen die Witwe und die Söhne während einer einjährigen Trauerzeit weiße Kleidung. Dies wird aber in den Städten nicht mehr so streng genommen. Die starren Regeln und Riten scheinen sich etwas aufzulösen.

So hoffen die hinduistischen Gläubigen auch, dass sie eines Tages den sich ständig wiederholenden Kreislauf von Leben und Tod durch die endgültige Erlösung durchbrechen und auflösen. Der Glaube an die Wiedergeburt, die bedingt durch gutes oder schlechtes Karma (Ursache-Wirkung-Prinzip von Handlungen) erfolgt, macht den Tod als Teil des Lebens zum Neubeginn.

 

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Steinklopfarbeiter aus Okhaldhunga

13. März 2016 um 8:06

Wir haben es geschafft! Nach 2 Tagen erreichen wir das Dorf aus dem unsere Sherpas (Träger) Dorje, Pemba Gelu und Lakpa kommen. Das Dorf heißt Karsuboth und liegt im Bezirk Patle, Distrikt Okhaldhunga, Verwaltungszone Sagarmatha.

Aus dem Gebiet Okhaldhunga, das östlich von Kathmandu liegt, kommen die Experten für den Hausbau aus Natursteinen. Viele Männer sind dort auf Steinklopfarbeiten spezialisiert. Akkurat und exakt werden die Steine von Hand in rechteckige Formen gebracht. Es sieht fast so aus als ob die Steine mit einer Maschine bearbeitet sind. Wir möchten eine Arbeitsgruppe für die Steinklopfarbeiten in Brabal anheuern. Gleichzeitig sollen dadurch die Bewohner von Brabal auf diese  Arbeiten trainiert werden.

 

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Steinklopf-Arbeiten

 

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Steine werden herangetragen

 

Zunächst fahren wir, unser Climbing – und Trekkingguide Mingmar Sherpa, Temba und ich, auf der mit japanischer Unterstützung gebauten Straße (Banepa Sindhuli Bardibass Road) über Dhulikhel Richtung Janakpur. Nach 5 Stunden Fahrt erreichen wir die Abzweigung in die Gebiete Okhaldhunga und Solukhumbu. Unzählige Jeeps nehmen den gleichen Weg.

Mittagsrast machen wir in dem Dorf Ghurmye. Es scheint als ob das ganze Dorf aus einfach zusammengebauten Notunterkünften besteht. Wir sind etwas erschrocken, aber der Fahrer, der die Strecke Kathmandu – Okhaldhunga/Solukhumbu täglich fährt, versichert uns, dass dies die permanenten Häuser der Bewohner sind. Auch wenn das Dorf einfach und unaufgeräumt ist, das Dal Bhaat (Linsen mit Reis und Gemüse) schmeckt fantastisch. Gestärkt fahren wir weitere 3 Stunden und lassen 2.300 Höhenmeter hinter uns. Im Dorf Thade auf 2.500 m warten bereits Pemba Gelu und Lakpa auf uns. Es ist 14 Uhr und der Nebel ist so dicht, dass wir fast nichts sehen.

 

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Dorf Ghurmye

 

Nach einem leckeren Doudh Chiya ( Milchtee) geht es zu Fuß weiter.  Wir wandern 2 Stunden durch wunderschöne Rhododendron-Landschaften bis zum Dorf Phalate. Die Rhododendron Blüte beginnt dieses Jahr viel zu früh und wir bestaunen die Bäume in komplett roter und weißer Pracht. In Phalate schlagen wir unser Nachtlager auf. Wir haben das Zelt mitgebracht, entscheiden uns aber in einem der einfachen Zimmer auf dem Boden zu schlafen. Die Küche ist klein und durch den Holzofen, der gleichzeitig als Kochstelle dient, total verqualmt. Wir befinden uns abseits der üblichen Trekkingrouten ohne Infrastruktur und Verpflegung für Touristen.

 

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Blühender Rhododendron

 

Am nächsten Tag geht es weiter bergauf und bergab. Wir überqueren Flüsse und springen über die Steine. Und wir stellen wieder fest, dass das Zeitgefühl der Nepalesen überhaupt nicht mit dem europäischen übereinstimmt. Aus zunächst angekündigten 3 – 4 Stunden Wanderung werden
8 Stunden. Aber vielleicht ist es auch die europäische Gehgeschwindigkeit, die diese Verzögerung herbeiführt.

Als wir unser Ziel erreichen werden wir von der Mutter unserer Sherpas herzlich empfangen. Wir überreichen die mitgebrachten Gastgeschenke wie Reis, Zucker, Öl und Kekse. Unser Zelt schlagen wir im Kartoffelfeld direkt hinter dem Haus auf. Auf dem Dach des Hauses sind noch die khakifarbenen Plastikplanen, die wir als Soforthilfe nach dem Erdbeben verteilt haben, gespannt. Die ganzen Dachlatten aus Holz wurden  damals durcheinander gerüttelt. Die dadurch entstandenen Luken werden nun durch die Planen, die als Regenschutz dienen, verdeckt. Risse durchziehen das verschobene Mauerwerk.

 

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Haus unserer Sherpas in Okhaldhunga 

 

Im Okhaldhunga Gebiet sind viele Häuser durch das Erdbeben beschädigt und zerstört worden. Die Häuser werden traditionell aus Natursteinen gebaut und mit Lehmmörtel fixiert. Die Dächer sind üblicherweise mit Holzlatten gedeckt.  Wir sind erstaunt, dass einige der Häuser bereits wieder aufgebaut sind. Teilweise wurde die alte Bauweise ohne Verstärkung durch seismische Bänder angewandt; teilweise die neue erdbebensicherere Bauweise, wie im aktuellen Building Code der Regierung beschrieben.  In diesen weit abgelegenen Gebieten sind die Menschen auf sich allein gestellt. Sie wollen nicht mehr warten bis sich seitens der Regierung etwas tut. Dafür nehmen die Bewohner in Kauf, dass sie möglicherweise die zugesagte Entschädigungssumme von NPR 200.000 (ca. EUR 1.900) pro betroffenem Haushalt nicht erhalten. Fraglich ist sowieso, ob jemals Regierungsbeamte in dieses abgelegene Gebiet kommen um die Bauweise zu kontrollieren.

 

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Alte Bauweise ohne seismische Bänder

 

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Erdbebensicherere Bauweise mit seismischen Bändern

 

Wir versuchen Pemba Gelu und seine  Familie hinsichtlich der erdbebensichereren Bauweise  zu sensibilisieren und erklären  die Funktion der  seismischen Bänder und Eckverstärkungen. Am nächsten Tag besuchen wir den Marktplatz des Dorfes. Unweit entdecken wir eine Baustelle. Die Handwerker sind fleißig am Arbeiten. Zu unserer Freude sehen wir, dass bei diesem Hausbau bereits einige seismische Bänder aus Holz eingezogen sind. Emsig werden Steine in Form geklopft.  Im Gespräch mit den Arbeitern stellt sich heraus, dass diese Arbeitsgruppe nach Fertigstellung des Hauses freie Zeitpuffer hat. Wir können die Arbeiter für unser Wiederaufbau-Projekt in Brabal gewinnen. Schon in 2 Wochen fangen sie dort an. Nachdem bereits viele Arbeiter aus Okhaldhunga für den Wiederaufbau von Häusern in den Dörfern Langtang und Kyangjin Gompa im Langtang Gebiet engagiert wurden, freuen wir uns über diese positive Nachricht und den Erfolg unserer Reise.

NAMASTE!!

 

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