Wasser Marsch!

9. April 2016 um 16:11

Heute ist Samstag, öffentlicher und einziger Ruhetag in Nepal. Die Schulen, Behörden und viele Läden sind geschlossen. Das Treiben bei uns im Hinterhof ist in vollem Gange. Der Lärmpegel steigt. An ein ruhiges Arbeiten ist nicht mehr zu denken. Ich schaue aus dem Bürofenster. Die quietschende Wasserpumpe als einzige Wasserquelle ist im Dauereinsatz. Die Nachbarn können von fließendem Wasser in den Häusern nur träumen. Deshalb spielt sich alles, wofür Wasser benötigt wird, im Hof ab. Früh am Morgen werden die Zähne geputzt. Der Hals wird mit lautem Räuspern gereinigt. Dann wird das schmutzige Geschirr gewaschen. Wenn die Sonne scheint, waschen die Frauen ihre langen schwarzen Haare. Die Kinder stehen in Badehose und werden von den Eltern eingeseift und mit einer Schöpfkelle voller Wasser abgeduscht. Die Wäsche wird in großen Schüsseln eingeweicht, gebürstet, geschrubbt, gestampft und gewrungen – so lange bis sie sauber ist.

 

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Im Hinterhof – Wasser Marsch!

 

Den Nachbarn scheint es gut zu gehen, sie kennen es nicht anders. Sie brauchen sich nicht nach den Stromausfallzeiten zu richten. Die Wasserpumpe ist manuell von Hand zu bedienen. Jedes Mal wenn ich faszinierend aus dem Bürofenster schaue, bin ich dankbar, dass wir im Bad und in der Küche nur den Wasserhahn aufdrehen müssen um das kühle Nass sprudeln zu lassen. Es sei denn, es gibt gerade keinen Strom und es wurde vergessen das Wasser in den schwarzen Plastiktank zu pumpen.

NAMASTE!

Müllabfuhr auf Nepalesisch…

10. März 2015 um 1:45

… morgens, 6.15 h, die Sonne geht auf… Ich liege im warmen Bett und plötzlich werde ich durch eine schrille Sirene aus meinen Träumen geweckt.

Das Müllauto ist da!!

Seit die Hauptstraße im Ortsteil Lazimpat als Zubringer zur Ring Road in den Jahren 2011/2012 verbreitert wurde, gibt es bei uns im Viertel Bungalgalli  eine geregelte Müllabfuhr.

Davor wurde der Müll – ohne jegliche Behältnisse – einfach auf einen Sammelplatz geschmissen. Pflatsch…  ich hatte dabei immer ein komisches Gefühl, bin ich doch mit der deutschen Mülltrennung  und dem Vorsortierung von Abfall aufgewachsen.  Irgendwann wurde der stinkende Unrat mit einer Schaufel auf ein Transportfahrrad geladen und ins Nirgendwo abtransportiert.

Seit der Platz neu gepflastert ist, darf kein Müll mehr abgestellt werden. Jeder Anwohner muss morgens, wenn das Müllfahrzeug hupt, den Müll direkt in den hinteren Teil des Fahrzeugs werfen.

 

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Müllauto

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Müllauto wurde vor einigen Jahren von der chinesischen Regierung gesponsert. Die dazugehörigen grünen Mülltonnen, die überall in Kathmandu verteilt wurden, sind schon lange von der Bildfläche verschwunden. Gut, dass wenigstens noch der Müllwagen, wenn  auch etwas ramponiert, existiert.

Und jeden Morgen in der Zeit von 6.15 h bis 6.45 h warten alle auf das Müllfahrzeug.

…so kann Müllabfuhr auch funktionieren!

 

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Warten auf das Müllfahrzeug

 

Leben in zwei Kulturen…

26. Februar 2015 um 23:11

… Zuhause ist dort, wo ich mich wohl fühle …

Während unseres Aufenthalts in Deutschland durfte ich mit meiner Lebensgeschichte Teil eines Radiobeitrags zum Thema „Auswanderer“ beim Messeradio der CMT – Urlaubsmesse im Januar 2015 sein.

Viel Spaß beim Hören …der Beitrag fängt bei Minute 40 an:

http://www.swr.de/unternehmen/karriere/cmt/swr-messeradio-vom-24/-/id=14848720/nid=14848720/did=14954428/1fszf79/index.html

 

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Deutschland – Nepal … beides ist meine Heimat

 

 

 

Kulturelle Verhaltensmuster, Aberglaube & Tabus …

21. November 2014 um 8:22

…. gibt es, so wie in jedem anderen Land, natürlich auch in Nepal…
Gerne möchte ich diejenigen, die mir immer wieder begegnen nachfolgend teilen und weitergeben:

  • Bei Gesellschaften/Einladungen soll en niemals die leeren Teller auf den Tisch zurückgestellt oder in die Küche getragen werden. Das Geschirr wird unter oder seitlich des Tisches auf dem Boden gestapelt.  Die Küche sollte in einem nepalesischen Haushalt niemals ohne Aufforderung betreten werden. Generell sind  Gäste oder Fremde in der Küche nicht erwünscht.  Leere, auf den Tisch zurückgestellte Teller würden dem Gastgeber symbolisieren, dass  das Essen nicht ausreichend war.
  • Wem auf der Straße Menschen entgegenkommen, die volle Gefäße, Behältnisse oder Flaschen bei sich haben oder tragen, winken das Glück und der Erfolg bei neuen Projekten. Bei entgegenkommenden leeren Gefäße, Behältnisse oder Flaschen stehen neue Projekte unter keinem guten Stern.
  • Bei anstehenden Reisen und großen Ereignissen (Hochzeit, etc.) wird der Astrologe oder der Kalender ersucht um den günstigsten und geeignetsten Zeitpunkt herauszufinden.
  • Beim Schlafen mit dem Kopf nicht nach Norden liegen, da dem Körper  sonst Energie entzogen wird.
  • Beim Betreten eines Hauses/Zimmers sollen die Schuhe ausgezogen werden um die schlechten Energien draußen zu lassen.
  • Abends nicht den Boden des Hauses fegen, denn sonst wird auch das Glück mit hinaus gefegt.
  • Geld in einer Summe, die auf null endet sollte im Geschäftsleben oder auch für wohltätige Zwecke nicht gegeben werden. Null wird mit dem Ende gleichgesetzt und bedeutet, dass danach keine weiteren Geldeingänge mehr zu erwarten wären.
  • Messer/Taschenmesser sollen nicht an Freunde verschenkt werden, da sonst  die Freundschaft“ zerschnitten“ wird.
  • Werden Geldbörsen/Portemonnaies verschenkt, sollte immer ein kleiner Geldbetrag reingelegt werden damit das Geld und das Glück nie ausgeht und sich fortwährend vermehrt.
  •  Wenn die Nachbarn oder Freunde einen Teller oder eine Schüssel gefüllt mit Naturalien oder Essen als Kleinigkeit/Mitbringsel übergeben, wird der Teller/die Schüssel niemals leer zurück gegeben. Das würde Unglück für alle Beteiligten bedeuten.
  • Frauen dürfen den Namen ihres Ehemannes niemals aussprechen – dies gilt als  respektlos

 

NAMASTE!!

 

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Nepalesisches Dorfleben

 

Ayurveda Health Home in Nepal

13. September 2014 um 16:03

Gerne möchte ich als besondere Empfehlung das Ayurveda Health Home in Kathmandu und Pokhara (www.ayurveda.com.np) vorstellen. Dazu hatte ich die Gelegenheit mit Marlies Förster, Mitgründerin der Zentren zu sprechen und ein paar Fragen zu Ayurveda in Nepal und zum Ayurveda Health Home zu stellen.

SP:  Marlies, können Sie uns zuerst sagen was das Wort AYURVEDA  überhaupt bedeutet?

MARLIES :
Das Wort Ayurveda kommt aus dem Sanskrit und bedeutet übersetzt: “ Die Wissenschaft vom Leben“. Man könnte auch sagen, es ist die Weisheit vom Leben. Es ist die Weisheit, die Gesetze der Natur zu verinnerlichen.

SP:  Wie sieht es mit der Geschichte von Ayurveda aus. Überall wird erläutert und geschrieben, dass Indien das Ursprungsland von Ayurveda  ist. Was sagen Sie dazu?

MARLIES:
Die Rishis (heilige Männer) haben sich vor Jahrtausenden in den gesamten Himalaya zurückgezogen um etwas zu finden, was das Leid der Menschheit lindert und die Gesundheit erhält. Nepal gehört genauso wie Indien zum Himalaya-Gebiet. Nepal  ist das Ursprungsland der Ayurveda.  Die ältesten  Bücher über die Ayurveda wurden sowohl in Indien (2  Bücher) als auch in Nepal (1 Buch) gefunden.   Das alte Wissen über Kräuter, Öle, Heilungsmethoden wurde von den Eltern auf die Kinder  mündlich übertragen. Das Wissen ist in vielen Familien noch bis heute in Nepal tief verwurzelt.

SP: Wie unterscheidet sich Ihrer Meinung nach Ayurveda, der in Indien praktiziert wird von dem in Nepal?

MARLIES:
Sicherlich unterscheidet sich der Ayurveda in Indien und Nepal schon aufgrund der unterschiedlichen Klimaverhältnisse.
Außerdem wurden in Indien vor allem auch in den letzten 60 Jahren bis heute viele Ayurvedazentren eingerichtet, um Menschen aus dem Westen nach Indien einzuladen.  Ayurveda gehört in Indien zu den großen Einnahmequellen des Landes.

Die Ayurveda wurde in Indien über Jahrhunderte kultiviert und staatlich gefördert. Es wurden Schulen und Universitäten gegründet, wissenschaftliche Studien durchgeführt. Aber in so vielen Jahrzehnten geht der Pioniergeist und das Frische verloren und vieles wird „schematisch“.

In Nepal – und speziell in unserem Ayurveda Health Home – kann man die Frische, die Begeisterung spüren. Es ist noch nichts „verbraucht“, alles befindet sich in der Verfeinerung.  Das sind große Vorteile, vor allem im Bereich des Hygienemanagements.

SP: Wie ist das Ayurveda Health Home in Nepal entstanden und was ist das Besondere daran?

MARLIES:
Das Ayurveda Health Home wurde von den beiden nepalesischen Brüdern Dr. Rishi Ram und Badri Koirala und mir als erstes Ayurveda Heilungszentrum unter nepalesisch-deutscher Freundschaft gegründet. Das alte Wissen des Ostens (Dr. Rishi Ram und Badri Koirala kommen aus einer traditionellen Heiler-Familie, die über Tausende von Jahren das Wissen praktiziert haben) kombiniert mit einem deutschen Qualitätsmanagement zieht Menschen aus mehr als 110 Ländern nach Nepal. Dr. Rishi Ram ist ein sehr erfahrener und weiser Ayurveda-Arzt. Seine Kompetenz, seine Fähigkeit in den Arztgesprächen den „ganzen Menschen“ zu erfassen und entsprechend die Therapien zu gestalten führen zum Erfolg der Behandlungen.

Die Qualität des deutschen Hygiene- und Organisationsmanagements, die sich in den Behandlungen, den Räumlichkeiten, den Ausbildungen, der Küche, dem Gästehaus spiegelt, ist ein Garant für Erfolg und Beständigkeit.

 

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Hibiskus-Blüte

 

SP: Welche  Behandlungen können im  Ayurveda Health Home gebucht werden?

MARLIES:
Es gibt Behandlungen von einer halben Stunde bis zu 28 Tagen. Gebucht werden können  Individual-Therapien wie Massagen, Dampfbäder und Ölbehandlungen. Wer sich länger verwöhnen lassen möchte oder eine tiefe Reinigung des Körpers benötigt, kann aus unseren zusammengestellten Tages-und Wochenprogrammen auswählen.

Ein wichtiger Aspekt sind die Tagesroutinen. Unsere Gäste werden angeleitet, täglich Yoga und Pranayama (Atemübungen) und die Reinigungsrituale für die Sinnesorgane durchzuführen. Im Ayurveda Health Home legen wir Wert darauf, dass die Übungen in Ruhe, Konzentration und Achtsamkeit durchgeführt werden.  Daneben ist die richtige Ernährung ein wichtiger Faktor in Ayurveda.

Darüber hinaus führen wir sowohl in Kathmandu als auch in Pokhara Gästehäuser, in denen unsere Gäste vor allem die Therapien genießen können,  die von einer bis zu 6 Wochen dauern. Hier werden sie auch durch die ayurvedische Küche zu einer gesunden Nahrungsintelligenz geführt.

Die Pancha-Karma-Kuren gehören zu den ältesten Behandlungen, in der  jahrtausendelangen Tradition in Nepal. Es sind große Therapien zur Reinigung des Körpers und der Organe. Pancha meint 5 und Karma meint Handlung. Wir bieten Pancha Karma Kuren von 7 – 28 bzw. 57 Tagen an. Der Patient wird  durch gezielte Vorbereitungen behutsam zu den Reinigungsprozessen geführt. Ayurveda wirkt immer auf allen 4 Ebenen des menschlichen Seins:  dem Körper, der Sinnesorgane, der Gefühle und Emotionen und der Spiritualität.

SP: Werden die Therapeuten intern ausgebildet? Wenn ja, wie lange dauert die Ausbildung?

MARLIES:
Alle TherapeutInnen, die bei uns arbeiten, haben eine  interne 5 jährige Ausbildung durchlaufen.  Sie werden im Ayurveda Health Home von unseren ÄrztInnen, unserem Cheftrainer und mir ausgebildet. Nach jedem Ausbildungsabschnitt erfolgen Examina. Um die Qualität und den Standard der Behandlungen zu sichern, erfolgt eine regelmäßige Überprüfung – und das nun schon im 14. Jahr des Bestehens.

Unsere Patienten schätzen den Charme und die Liebenswürdigkeit der Nepalesen gepaart mit der Qualität der professionellen und standardisierten Therapien. Hier ist besonders hervorzuheben, dass unsere MitarbeiterInnen aus den Dörfern von Nepal kommen, sie haben noch alle natürlichen Kräfte. Die meisten sind „barfuß“ groß geworden, lebten in den Bergen und sind sehr mit der Natur vertraut, die dem Menschen alle Kräfte schenkt. Sie handeln – im Gegensatz zu uns Westlern – eher aus dem Bauch als aus dem Kopf.

SP: Welche Öle werden bei den Massagen benutzt?

MARLIES:
Im Ayurveda Health Home werden nur reine Öle verwendet. Das Sesamöl, das für die Massagen verwendet wird, dringt durch das Einreiben in die Haut tief in den Zellkern hinein. Jedes Öl wird individuell aufbereitet.

SP: Liebe Marlies, haben Sie vielen Dank für die interessanten Einblicke in Ayurveda und das Ayurveda Health Home.

 

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Weißer Frangipani

Die Qualität der Behandlungen, die  wunderschöne  Atomsphäre in den Räumen, die liebevolle Betreuung durch die Mitarbeiter kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

Die Ayurveda Behandlungen mit duftenden Ölen zur tiefen Entspannung oder Reinigung sind sehr empfehlenswert, vor allem nach der Ankunft mit dem Flugzeug und vor dem Abflug, vor oder nach einer Trekkingtour oder nach einer doch auch anstrengenden Besichtigung der Heiligen Stätten im Kathmandutal.

Kontakt:

Ayurveda Health Home Kathmandu
Dhapasi (near Shahanshah Hotel), Kathmandu
Tel. +977-1-4358761/4380457/4355144
Mail: info@ayurveda.com.np

Ayurveda Health Home Pokhara
Dihiko Patan, Lakeside, Pokhara
Tel +977 – 061-463205/465874/464838
Mail: sattva@ayurveda.com.np

Marlies Förster
Mail: foerster.marlies@googlemail.com