Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 15

27. Februar 2016 um 21:34

NAMASKAR Nepal
27. Februar 2016 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 15

Heute melden wir uns mit dem ersten Rundbrief im Jahr 2016 und berichten über viele Neuigkeiten. Seit zwei Wochen sind wir von unserem einmonatigen Deutschland-Aufenthalt zurück in Nepal.

Es hat sich gezeigt, dass unsere Präsenz auf der Reisemesse CMT in Stuttgart im Januar 2016 sehr wichtig war. Viele Menschen wollen Nepal und die Bevölkerung durch Reisen unterstützen. Das ist großartig. Auch während des von der Stuttgarter Honorarkonsulin  Ann-Katrin Bauknecht organisierten “CMT-Pressegespräch Nepal“ wurde den Besuchern die Wichtigkeit des Tourismus nach dem Erdbeben dargelegt. Reinhold Messner, der als Ehrengast eingeladen war, sprach von der Schicksalsergebenheit der Nepalesen. Touristen, die das Land jetzt bereisen, würden der Bevölkerung zeigen, dass sie sich durch die Ereignisse im letzten Jahr nicht einschüchtern lassen und dadurch Hoffnung vermitteln.

 

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Unser Stand auf der CMT

 

Unsere Hoffnung auf ein Ende der Grenzblockade nach unserer Rückkehr hat sich bewahrheitet. Am 5. Februar 2016 wurde die Grenze Birganj-Raxaul wieder geöffnet. Unzählige Lastwagen mit Treibstoffen und Gas-Zylindern konnten den Grenzposten passieren. Langsam kehrt an den Tankstellen Normalität ein. Es gibt keine reglementierten Benzinausgaben mehr. Benzin und Diesel sind wieder zu Normalpreisen erhältlich. Kochgas kann ebenfalls zum normalen Preis eingekauft werden. Die Wartezeiten bei der Ausgabe sind teilweise noch recht lang. Allerdings ist die Länge der Schlangen vor den Tankstellen und Gas-Depots nicht mit denen der vergangenen Monate zu vergleichen. Restaurants haben keine limitierten Speisekarten mehr. Die Taxipreise haben sich normalisiert.

Der Besuch von Premier Minister Oli vom 18. – 24. Februar 2016 in Indien sollte nach Medienberichten die bilateralen Beziehungen zwischen Nepal und Indien stärken. Seit dem Inkrafttreten der neuen Verfassung im September 2015 und der daraus resultierenden Grenzblockade waren diese zunehmend verhärtet. Darüber hinaus sollte die Regierung aber die Verhandlungen mit den Madhesis nicht ganz vergessen.  Deren Forderungen wurden bisher noch nicht einvernehmlich fixiert.

Positives können wir von unserem Wiederaufbau-Projekt in Brabal berichten. Für Nepal ist es sehr typisch, dass sich manchmal etwas ewig zieht und sich nichts tut. Dann auf einmal, läuft alles wie von selbst.

Temba war letzte Woche zusammen mit einigen Dorfbewohnern in der Bezirkshauptstadt Dhunche. Dort konnten wir, Dank des hervorragend dokumentierten Bau-Dossiers und den weiteren Unterlagen, unser “Wiederaufbauprojekt Dorf Brabal“ beim Chief District Officer (CDO) und gleichzeitig beim National Reconstruction Authorithy (NRA) Office, Niederlassung in Dhunche, offiziell registrieren.

Bereits jetzt haben wir die mündliche Zusage mit dem Bau von zwei Musterhäusern in Brabal starten zu können. Die erforderliche Baugenehmigung muss während dieser Zeit beim Ministerium für Stadtentwicklung (Amt für Stadtentwicklung und Bauwirtschaft) im Parlamentsgebäude Singha Durbar in Kathmandu beantragt werden.

Leider wurde uns dabei ein Stein in den Weg gelegt. Als Grundlage für die Beantragung können wir das durch unser Projekt-Team vorbereitete Bau-Dossier nicht verwenden. Die Verwendung der vorliegenden Baupläne macht eine Überprüfung der beruflichen Fachkompetenzen sowie die Anerkennung der erstellenden Personen aus der Schweiz durch eine gesonderte Regierungsentscheidung erforderlich. Dieser Prozess erfordert einen enormen Aufwand und enthält eine große Unbekannt: die zeitliche Dauer.

Um den Stein aus dem Weg zu rollen, besteht die Möglichkeit als Grundlage für die Beantragung der Baugenehmigung das Modell-Haus SMM 1.1. (einstöckiges 3-Zimmer-Haus mit Veranda) gemäß Building Code zu nehmen. Dieses Modell entspricht von der Größe in etwa dem Haus, das in unserem Bau-Dossier dargestellt ist. Es wird allerdings eine Modifikation mit Zement-Mörtel und seismischen Bändern aus Beton geben. Sollten Bauplätze für diese Hausgröße nicht ausreichen, sind die Bewohner frei sich für ein zweistöckiges 2-Zimmer-Haus gemäß Building Code zu entscheiden. Letztlich werden alle Bewohner für die Errichtung des Rohbaus Materialen, Transport und notwendige nepalesische Fachkräfte (für Steinklopfarbeiten) im selben Wert erhalten.

Der Building Code ist unter dem folgenden Link abrufbar: http://www.dudbc.gov.np/uploads/default/files/0ef9f3598df115407ae9ed4e7bfab24a.pdf

An dieser Stelle möchten wir nochmals unseren ganz besonderen Dank an unser Bau-Team aus der Schweiz aussprechen. Nur durch die exakte und detaillierte Dokumentation  war es überhaupt möglich das Projekt zu registrieren. Außerdem wurde dadurch unser Blick auf die Wichtigkeit der Bau-Komponenten (seismische Bänder und Eckverstärkungen) für ein erdbebensichereres Haus geschärft. Das Bau-Dossier ist die Basis unseres Projekts. Danke für Euer Vertrauen und das Engagement.

Durch die Eigenverantwortung und Organisation der Dorfbewohner wurde bereits das seitens der Regierung erforderliche Training auf die erdbebensicherere Bauweise im Januar/ Februar 2016 absolviert. Uns liegen Zertifikate der Handwerke Fachrichtung Maurer, Schreiner und Elektriker vor. Das Training dauerte  25 Tage und wurde von der GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GmbH) in Thulo Shafru durchgeführt. Die Eigeninitiative und das Engagement der Dorfbewohner zeigen uns, dass sie voll hinter dem Projekt stehen und wir auf dem richtigen Weg sind.

Auf dem richtigen Weg geht es auch in Richtung Brabal. Die durch die Grenzblockade stagnierenden Straßenbauarbeiten sind durch die Dorfbewohner bereits wiederaufgenommen. Wir gehen davon aus, dass die Straße Ende Februar 2016 fertig ist. Dann ist es möglich die Materialien wie Zement und Sand mit dem Lastwagen bis nach Brabal zu transportieren. Das ist ein wahrer Fortschritt, der dem Engagement und dem Einsatz der Bewohner von Brabal und Thulo Shafru zu verdanken ist.

 

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Straße nach Brabal

 
Im letzten Jahr haben sich die Engineers without borders (EWB) von der Uni Karlsruhe, Institute of Technology (KIT) entschieden zwei Projekte mit uns im Dorf Brabal umzusetzen.  Zum einen soll das Wasserversorgungssystem erneuert und die Trinkwasserversorgung verbessert werden. Zum anderen ist der Bau einer Müllentsorgungsanlage geplant. Beides sind Projekte, die nach erfolgreicher Umsetzung in andere Dörfer adaptiert werden können. Weitere Informationen zu diesen Projekten sind zu finden unter:

www.ewb-karlsruhe.de/projekte/nepal
www.ewbkarlsruheinnepal.wordpress.com

Wer gerne für die Projekte spenden möchte, kann dies über Betterplaces unter dem nachfolgenden Link tun. Die Spenden sind steuerlich absetzbar.

www.betterplace.org/de/projects/37561?utm_campaign=ShortURLs&utm_medium=project_37561&utm_source=PlainShortURL#galleryclosed

 

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Besuch bei den Studenten in Karlsruhe

 
Bei uns auf der Webseite werden kurzfristig ebenfalls Informationen und genaue Projektbeschreibungen zu den beiden oben genannten Projekten ersichtlich sein. Die ersten Studenten werden schon Ende März/ Anfang April 2016 anreisen und das Wasser-Projekt in Angriff nehmen.

Mitte Februar 2016 wurden die Spendenbescheinigungen seitens der Deutsch-Nepalischen Hilfsgemeinschaft e.V., Stuttgart (DNH) für die Sunaulo Erdbebenhilfe verschickt. Sollte jemand noch keine Bescheinigung erhalten haben, bitten wir um kurze Mitteilung. Wir möchten darauf hinweisen, dass Spenden bis zu EUR 200,00 ohne amtliche Spendenquittung mit dem Einzahlungsbeleg der Überweisung beim Finanzamt eingereicht werden können. Spenden über EUR 200,00 müssen über eine vom Spendenempfänger auszustellende Spendenbescheinigung nachgewiesen werden. Für die Unterstützung und die Bemühungen bedanken wir uns herzlich beim DNH-Geschäftsbüro und der DNH-Vorstandschaft.

NAMASTE!!!

Hinduistische Rituale in Pashupatinath – Leben und Tod (T2)

26. Februar 2016 um 21:31

Pashupatinath ist der wichtigste Hindu-Tempel im Kathmandutal. Er befindet sich am Ufer des heiligen Flusses Bagmati. Der eigentliche Tempel ist nur für Hindus zugänglich, der äußere Tempelbezirk darf hingegen von jedermann betreten werden. Täglich finden in Pashupatinath öffentliche Feuerbestattungen statt.

Heute sind wir nicht hier um unseren Gästen diesen heiligen Platz zu zeigen. Heute sind wir hier um uns von einer warmherzigen, hilfsbereiten, aufgeschlossenen Persönlichkeit zu verabschieden.

Unser Vermieter ist ganz plötzlich und unerwartet verstorben. Seit 8 Jahren, genau so lange wie ich nun in Nepal lebe, wohnen wir zusammen unter einem Dach. Es ist mir ein Herzensbedürfnis ihm die letzte Ehre zu erweisen. Wir sind etwas unsicher wie wir uns verhalten sollen. Ist es doch die erste hinduistische Trauerzeremonie an der wir teilnehmen. Wir haben Blumengirlanden aus Tagetes gekauft. Nun stehen wir am Ghat (Wort aus dem Sanskrit;  Bedeutung: Böschung / Treppe, die zu einem Fluss oder Gewässer führt) direkt unterhalb des Haupttempels. Auf einer der Treppen ist der Leichnam aufgebahrt. Der Körper ist in ein Tuch gewickelt, bedeckt mit unzähligen Blumenketten. Neben dem nicht verhüllten Kopf sind brennende Räucherstäbchen in die Bodenritzen gesteckt. Das Gesicht sieht friedlich und frisch aus. Es scheint als würde dort ein Schlafender liegen und gleich aufwachen.

Unser Nachbar kennt sich mit den hinduistischen Ritualen aus. Er sagt, wir sollen um den Körper herumgehen und dann die Blumengirlande darauf ablegen. Die beiden Söhne, die daneben stehen, bedanken sich für die Anteilnahme. Eigentlich ist dies nicht anders als bei einer Beerdigung. Dort werfen die Trauergäste auch Blumen oder Erde ins Grab. Es kommen immer mehr Menschen, die Blumen niederlegen und sich verabschieden. Nach einer Stunde beginnt die eigentliche Zeremonie mit den Ritualen.

Der Leichnam wird von der Bahre genommen und von den Söhnen und anderen Verwandten  zu der abschüssigen Stelle, die direkt in den Bagmati Fluss mündet, gebracht.  Die Lagerung des Körpers erfolgt so, dass die Füße in den Fluss ragen. Die Blumengirlanden werden zur Seite gelegt. Oberhalb des Kopfes befindet sich ein Loch bzw. ein Durchbruch mit einer Quelle.  Daraus wird mit der hohlen Hand eine Flüssigkeit aus Wasser und Milch geschöpft und dem Toten in den Mund geträufelt. Die letzten Waschungen finden statt. Das Gesicht wird mit rotem Zinnoberpulver bestäubt, es brennen wieder Räucherstäbchen neben dem Kopf. Die Witwe gibt nun ihre Kette aus kleinen feinen grünen Perlen (Nepali = Pote), die ein Symbol der Verheiratung ist, sowie den Hochzeitsschmuck (Nepali = Mangalsutra) an den verstorbenen Ehemann zurück.

Der Verstorbene wird danach auf eine Bahre aus Bambus gelegt. Der Priester bläst in das Muschelhorn. Es ist das Zeichen, dass die Verbrennung kurz bevor steht. Die Söhne und weitere Helfer tragen den Leichnam zum Verbrennungsplatz. Am Arya Ghat (Verbrennungsstelle für Regierungsbeamte und höhere Kasten) sind bereits die Holzscheite aufgeschichtet.  Rundherum ist der Platz mit Blumenketten geschmückt. Ein kleiner Baldachin in orange ist aufgebaut. Der Leichnam wird auf der Bahre insgesamt dreimal im Uhrzeigersinn um den Platz getragen. Die Söhne unterlegen danach auf Anweisungen des Priesters das aufgestapelte Holz mit Stroh, Sandelholz und Ghee (geklärte Butter). Danach wird der tote Körper darauf gebettet. In Ghee getränktes Stroh und Münzen werden nun in den Mund des Verstorbenen gesteckt. Die Söhne drehen nochmals drei Runden wobei der älteste Sohn vorangeht und ein brennendes Holzstück trägt. Der jüngere Sohn hält ihn am Arm und geht hinterher. Bei jeder Runde berühren die Söhne mit ihren Köpfen die Füße des Toten. Nach den Umrundungen zündet der älteste Sohn das Stroh im Mund an.

Nun umrundet die Witwe und andere Verwandte den Leichnam. Die Söhne müssen am Ghat bleiben bis zum Ende der Kremation. Im Hinduismus enden damit die notwendigen Rituale, insbesondere für die Witwe und die Söhne, noch nicht.

Wie setzen sich die Rituale fort?
Was bedeutet der Tod im Hinduismus?
Gibt es auch im Hinduismus so etwas wie einen Leichenschmaus?
 

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Pashupatinath – Verbrennungsstätte

Von heute auf morgen – Leben und Tod (T1)

21. Februar 2016 um 9:52

Bei manchen Menschen tritt er ganz plötzlich und unerwartet ein. Er fragt nicht nach der derzeitigen Lebenssituation, nach den unerfüllten Träumen oder noch ausstehenden Wünschen.

Er klopft an die Tür, tritt ein und ist einfach da – der Tod.

Die Hinterbliebenen, Freunde, Bekannte, Nachbarn verharren im Schock und können es nicht glauben. Ein geliebter Mensch lebt nicht mehr – von heute auf morgen.

Auch uns geht es so. Als wir von unserem einmonatigen Deutschlandaufenthalt nach Nepal zurückkommen erfahren wir, dass unser Vermieter verstorben ist. Ganz plötzlich und unerwartet – ein Tag vor unserer Rückkehr.

Eine unfassbare Nachricht, die viel Nachdenken auslöst. Wer hätte gedacht, dass es das letzte Mal gewesen ist, als wir mit ihm vor unserer Abreise Anfang Januar noch gesprochen haben. Das Thema bewegt mich besonders. Gerade lese ich ein Buch mit dem Titel “Wenn morgen mein letzter Tag wäre. So finden Sie heraus was im Leben wirklich zählt.“

Dieses Ereignis sollte für mich ein weiterer Anlass sein, das Wissen um die Endlichkeit mit den tiefen Wünschen und Träumen des Lebens zu verbinden und in die Tat umzusetzen.

Im Haus ist ein Kommen und Gehen, alle kondolieren der Familie und drücken ihr Mitgefühl aus. Der älteste Sohn, der in Amerika lebt, wird kurzfristig anreisen.
Bei den Hinduisten ist es üblich, dass der älteste Sohn die notwendigen Rituale vor, während und nach der Verbrennung in Pashupatinath vollzieht. Die Verbrennung ist für den nächsten Tag angesetzt.

Wir werden hingehen um uns vom Verstorbenen zu verabschieden. Für uns, mit christlichen und buddhistischen Wurzeln, wird es die erste hinduistische Zeremonie sein, an der wir teilnehmen .

Ob sich die Zeremonie im Hinduismus sehr von den christlichen oder buddhistischen Traditionen unterscheidet?

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Himalaya in Nepal, dort wo die Götter wohnen