Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 8

10. Juni 2015 um 22:59

10. Juni 2015 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 8

Nach sieben Rundbriefen mit dem Titel „Erdbeben in Nepal“ sollen die Neuigkeiten und Informationen aus Nepal nun mit „Namaskar Nepal“ betitelt werden.

Namaskar als Höflichkeitsform der Grußformel Namaste mit der Bedeutung: „Ich grüße das Göttliche in Dir“, soll Hoffnung und Neuanfang ausdrücken.

Auch wenn nach wie vor häufig von Buichalo (gesprochen: Buizallo, nepalesisch für Erdbeben) und Bukambar (gesprochen: Bukamber, nepalesisch für Schütteln der Erde) gesprochen wird, die Handy App und die Erdbeben-Telefonnummer mit den Informationen zu den einzelnen Nachbeben oft genutzt werden … langsam kehrt Ruhe ein und der Alltags-Rhythmus ist wieder in die Familien zurückgekehrt.

 

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Mittlerweile haben die meisten Schulen in Kathmandu und in den betroffenen Dörfern, den Schulbetrieb aufgenommen. Nachdem viele Schulgebäude zerstört wurden, sitzen die Kinder unter provisorisch gebauten Unterkünften aus Plastikplanen oder Wellblech. Bei der momentanen Hitze unerträglich. Auch wir sind durch diese extreme Hitze wie gelähmt und alles gelingt nur eine Stufe langsamer. Wir warten auf den Monsunregen, der die ersehnte Abkühlung bringt, aber gleichzeitig auch die Furcht vor Erdrutschen und weiteren Katastrophen.

Am Donnerstag, den 28.5.2015 konnten wir unsere Tour ins Langtang Gebiet, Rasuwa Distrikt, wie geplant, für insgesamt 7 Tage starten. Der Tag vor der Abreise war vollgepackt mit Vorbereitungen und Einkäufen. Zusammen mit Dr. Rishi und Badri vom Ayurveda Health Home haben wir Fleece-Decken in einem Outdoorladen in Kathmandu erworben. 100 Decken haben wir als Spende vom Ayurveda Health Home bekommen. Weitere 100 Decken haben wir (Sunaulo Sansar NGO) noch dazu gekauft.

 

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30 Decken übergaben wir unserem Trekking/Climbing Guide Mingmar Sherpa und unserem Träger Pemba Gelu Sherpa für deren Heimat Dörfer in Okhaldunga und Solukhumbu. 170 Decken reisten mit uns ins Langtang Gebiet um diese im Dorf Thulo Shafru zu verteilen. Alle Hilfsgüter haben wir am Abend mit vereinten Kräften in einen typisch nepalesisch-bunten 4 Tonnen-Truck verladen.

 

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Frühmorgens machten wir uns mit dem Jeep und Truck auf den Weg von Kathmandu nach Thulo Bharku. Wir nahmen die Strecke Richtung Pokhara mit Abzweigung in Galji. In den Ortsteilen Kalimati, Naikap und Thangkot, die aus Kathmandu herausführen, konnten wir schon einige zerstörte und stark beschädigte Häuser sehen. Zwischen den Reihen waren manche Häuser einfach zusammengebrochen. Daneben standen zusammengezimmerte Notunterkünfte aus Holzlatten, Wellblech und Plastikplanen. Die großen Plastikplanen von UK Aid und US Aid wurden manchmal zweckentfremdet eingesetzt und als Sonnenschutz vor den Läden aufgehängt. Das ist auch eine Möglichkeit Hilfsgüter zu verwenden oder besser zu verschwenden?!

Je weiter wir Richtung Trisuli kamen, desto schrecklicher wurden die Bilder, die sich uns boten. Steine, Trümmer, Schutt und Staub. Häuser in sich zusammengefallen wie Kartenhäuser. Steinhaufen um Steinhaufen am Straßenrand. Behelfsbehausungen aus Plastikplanen, Bambusstangen und Wellblech.

 

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Unter hygienischen Gesichtspunkten und Berücksichtigung des anstehenden Monsuns hatten wir uns gefragt, wie wohl die Toiletten-Situation in den Dörfern aussieht. Um gegebenenfalls Behelfs-Toiletten graben zu können, besorgten wir in Trisuli sodann ein paar Schaufeln. Zusätzlich packten wir noch zwei große Kisten Seifen auf das Dach unseres Jeeps.

Die Fahrt von Trisuli bis Thulo Bharku war nicht mehr oder weniger abenteuerlich wie sonst. Auf der Strecke, die sich entlang der Berghänge schlängelt, waren noch keine Erdrutsche abgegangen. Ganz im Gegensatz zu den Gebieten auf der gegenüberliegenden Seite des Tales. Dort hatte das Erdbeben zahlreiche Erdrutsche ausgelöst und die Dörfer Danga, Hakubesi und Mailung mussten evakuiert werden. Die Menschen fanden Zuflucht nahe Trisuli und leben über den Monsun vorerst in Zelten und in Wellblechhütten. Ob die Dörfer jemals wieder besiedelbar sind, ist fraglich. Auf dem Weg sahen wir immer wieder vollgeladene Trucks mit Reis und anderen Hilfsgüter für die Bewohner in der Langtang Region. Nach 6 Stunden Fahrt hatten wir endlich unser Zwischenziel Thulo Bharku (1.800 m) erreicht.

 

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Dort haben wir zunächst die zerstörten bzw. stark beschädigten Häuser unserer Team-Mitglieder Lakpa (Träger), Pema (Träger) und Nima (Guide) angeschaut, fotografiert und dokumentiert. Danach stand uns eine 2,5 stündige Wanderung zum Dorf Brabal (2.300 m) bevor. Unsere Hilfsgüter wurden mit Mulis und Trägern in die Höhe transportiert. Einige Zeltplanen schickten wir direkt mit dem Jeep nach Shafru Bensi. Wenn der Monsun nicht alles zerstört und wir viel Glück haben, können wir bei unserem nächsten Besuch die neu gebaute und fertiggestellte Schotterstraße von Sano Bharku nach Brabal nutzen.

 

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Als wir in Brabal ankamen war es schon stockdunkel. Trotzdem konnten wir die gute Qualität der gebauten Sheltern (Schutzhütten) erkennen. Damit hatten wir nicht gerechnet. Holzofen zum Kochen, Bettgestelle und Kochgeschirr, das aus den Trümmern geborgen wurde, trugen dazu bei die vorübergehenden Behausungen ein wenig gemütlich erscheinen zu lassen. Das Improvisationstalent der Nepalesen ist einfach unschlagbar. Thomas, unser Freund, übernachtete bei Tembas Nichte Bibi in der Schutzhütte. Temba und ich schlugen unser Zelt neben der Übergangs-Hütte von Tembas Eltern auf.

Am nächsten Tag (29.05.2015) machten wir einen Rundgang durchs Dorf um die Schäden und Zerstörungen an den Häusern anzuschauen und aufzunehmen. In Brabal (VDC Shafru, Ward. No. 2, Rasuwa Distrikt, Langtang Region) gibt es insgesamt 31 Hausstände mit 117 Einwohnern (davon 53 Kinder und 11 Senioren) und 3 gemeinnützige Gebäude. Unsere Bestandsaufnahme der einzelnen Häuser ergab, dass 87 % aller Häuser komplett zerstört und unbewohnbar sind. Die restlichen Häuser sind so stark beschädigt, dass ein Aufenthalt in den Räumen unmöglich ist. Die Häuser sind durchschnittlich 20 Jahre alt. Das buddhistische Kloster, das vor kurzem noch mit neuer Innenmalerei versehen wurde, ist komplett in sich zusammengesackt.  Ebenso das ehemalige und nicht mehr genutzte Schulgebäude.  Unversehrt ist nur das im Rahmen des Dorfentwicklungsprojekts in 2014 durch Sunaulo Sansar NGO erbaute gemeinschaftliche Duschhaus.

In den Bergregionen werden die Häuser typischerweise mit Steinen gebaut. Zement aus Kathmandu muss mit Lastwagen und Trägern in die Dörfer geschleppt werden. Dafür reicht das Geld oft nicht aus. Insofern werden die Steine einfach aufeinandergesetzt oder mit Erdmörtel zusammengeklebt. Holz ist teuer und im Langtang Nationalpark auch nicht ohne Genehmigung zu bekommen. Bei dem Bau der Notunterkünfte haben die Dorfbewohner zusammen geholfen. Dies ist am guten Zustand und der Qualität dieser Schutzhütten erkennbar. Auch befanden sich bei den meisten Familien neben den Hütten provisorische Toilettenhäuschen. Das hat uns sehr positiv überrascht.

 

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Mit Besorgnis haben wir am Ende unseres Rundgangs die langen und tiefen Risse in der Erde unterhalb des Dorfes zur Kenntnis genommen. Weitere tiefe und lange Erdspalten haben wir auf dem Weg von Brabal nach Thulo Shafru gesehen. Auch die Wege von Brabal nach Shafru Bensi und von Shafru Bensi nach Thulo Shafru sind übersät mit Rissen und Spalten.

 

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Am Abend hatten sich alle Dorfbewohner versammelt und wir konnten die Decken, die eine lange Reise aus Deutschland hinter sich hatten, und die Seifen verteilen. Dankend wurden unsere Hilfsgüter entgegengenommen.

 

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Zwischenzeitlich haben wir über unsere Voluntärin Janine Kontakt zu der Geologin Lea aufgenommen. Dadurch haben wir die Möglichkeit die Situation mit den Rissen und Erdspalten besser einzuschätzen. Lea hat uns bereits einige Möglichkeiten zur täglichen Überwachung der Risse während der Monsunjahreszeit aufgezeigt. Wir werden einige der Dorfbewohner schulen damit diese für den Ernstfall vorbereitet sind.

Damit die Informationen in diesem Newsletter überschaubar bleiben, berichten wir über die weiteren Tage und die Verteilung der Hilfsgüter in den Dörfern Thulo Shafru und Shafru Bensi im nächsten Rundbrief.

Namaste,

Temba & Sabine