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Willkommen im Erde Schwein Jahr 2146

5. Februar 2019 at 17:33

Heute, einen Tag nach Neumond  feiern wir das tibetische Neujahrsfest Lhosar (Lho bedeutet in tibetisch „neu“ und sar = „Jahr“).

Laut dem tibetischen Mond-Kalender befinden wir uns bereits im Jahre 2146. Dieses Jahr ist dem Element Erde und dem Tierkreiszeichen Schwein zugeordnet. In der Monatsabfolge  handelt es sich dieses mal um ein  besonderes Jahr.

Vorab sei noch darauf hingewiesen, dass sich die Monatsbezeichnungen im tibetischen Kalender nach den Zahlen der Monate (erster Monat, zweiter Monat, dritter Monat, etc.) richten. In diesem Jahr existiert  der “erste Monat“ doppelt.  Das hat gemäß dem Tibetan  Medical and Astrological Institute Men Tse Khang zur Folge, dass alle Feste und Jahrestage (auch wenn sie eigentlich im zweiten“ ersten Monat“ stattfinden)  in den ersten der beiden ersten Monate fallen. Manche feiern die Feste aber trotzdem im zweiten Monat der beiden ersten Monate. Das bedeutet:  der erste  “1. Monat“ entspricht dem Zeitraum vom 5. Februar bis 6. März; der zweite “1. Monat“  entspricht dem Zeitraum vom 7. März bis 5. April und der 2. Monat entspricht dem Zeitraum vom 6. April bis 4. Mai, etc.

Bei uns hat dieser doppelte „erste Monat“ etwas Verwirrung ausgelöst, denn üblicherweise wird das tibetische  Neujahrsfest an Gyalbo Lhosar gefeiert. In Nepal  wird neben dem Gyalbo Lhosar meistens einen Monat vorher das Sonam Lhosar von der Ethnie Tamang gefeiert.  Das Sonam Lhosar findet in diesem Jahr am 5. Februar 2019 (heute, also am ersten Tag des ersten “1. Monats“ des tibetischen Kalenders) statt. Da Gyalbo Lhosar in diesem Jahr aber in den zweiten “1. Monat“ (entspricht dem 7. März  2019) fallen würde, wird das tibetische Neujahrsfest heute, zeitgleich mit Sonam Lhosar und dem chinesischen Neujahr gefeiert.

Happy Lhosar!

… und wieder ein kurioses Verkehrsschild in Nepal

10. Januar 2019 at 15:04

Ich freue mich immer wieder, wenn ich in meiner nepalischen Heimat ein ungewöhnliches Verkehrsschild entdecke:

„Achtung! Die Straße teilt sich und führt dann wieder zusammen.“

Wie gut, dass manche Bäume dem Straßenbau nicht zum Opfer fallen.

Es lebe die Andersartigkeit! Namaste

Verkehrsschild auf dem Weg von Kaskikot nach Sarangkot

Kostbares Nass

24. Dezember 2018 at 7:03

Gestern kroch ich morgens halb verschlafen aus dem Bett. In der Nacht war ich wieder zweimal aufgestanden um die Wasser-Pumpe anzustellen und unsere beiden fast leeren Tanks zu befüllen. Solche Aktionen sind in meiner deutschen Heimat nicht vorstellbar. In meiner nepalischen Heimat sind für den täglichen Wasserbedarf mühsame und anstrengende Tätigkeiten erforderlich. Hierbei zählt unser Haushalt noch zu den privilegierten, da eine direkte Wasserleitung vom Wasserreservoir zu uns führt und wir, wenn es wieder so weit ist und eine Wasserlieferung ansteht, nur die Pumpe einschalten müssen. Andere Menschen müssen sich das Wasser an öffentlichen Wasserstellen holen und dort ihre Kanister befüllen.

Es gibt keinen regulären Plan, wann und um wie viel Uhr die Wasserlieferungen kommen. Manchmal alle 6 Tage, manchmal alle 10 Tage oder wenn es etwas länger dauert, auch mal alle 14 Tage. Meistens wird das kostbare Nass  spät abends oder in der Nacht geliefert.  Beliebte Uhrzeiten sind 23.30 Uhr, 2.30 Uhr oder 3.30 Uhr. Es soll ja nicht einfach sein. Wer diese Stunden verpasst oder verschläft hat Pech gehabt. An manchen Tagen kommt eine erste Lieferung auch von 18.00 Uhr bis 19.00 Uhr. Wenn wir dann die Pumpe vom Nachbarn hören, rennen wir raus um unsere anzuschalten. Dabei gibt es öfters „Fehlalarm“. Insbesondere dann, wenn die Nachbarn das Wasser aus den Reservetanks aufs Dach in die schwarzen runden Tanks pumpen. Manchmal mutmaßen wir zusammen mit den Nachbarn über den Termin der nächsten Wasserlieferung. Dann stellen wir uns den Wecker, stehen auf um festzustellen, dass wir zu früh aufgestanden sind oder es einfach nur der falsche Termin war.

Passend zu diesem Thema mein Erlebnisbericht, der in der Nepal-i (Ausgabe 117/2017, Zeitschrift der DNG Köln, www.deutsch-nepal.de) erschienenen ist:

Mit der erfolgreichen Umsetzung des Melamchi Wasser Projekts soll die chronische Wasserknappheit im Kathmandutal beendet sein. Die Implementierung des Projekts erfolgte im Dezember 2000. 17 Jahre danach ist das Projekt weit fortgeschritten. Der 27,5 km lange Tunnel von Melamchi nach Sundarijal ist fast komplett. Die meisten Straßen in der Landeshauptstadt Kathmandu sind auf gegraben und die Wasserrohre verlegt. Dennoch gibt es in vielen Haushalten kein fließendes Wasser. Selbst wenn die Häuser mit Leitungen ausgestattet sind, sprudelt das Wasser nicht unablässig. Ob der Traum vom kostbaren Nass in unbegrenzten Mengen nach Abschluss des Melamchi Wasser Projekts tatsächlich in Erfüllung geht?

Öffentliche Wasserstelle in Lazimpat

Nachfolgend möchte ich meine Erlebnisse mit Wasser, Wasserknappheit, Wasserlieferungen, Wassersparen, bewusstem Umgang mit Wasser, manchen Frustrationen und letztlich großer Dankbarkeit für diese Erfahrungen schildern. Wie gelassen die Nepalis mit diesem Thema umgehen, ist für mich bewundernswert.

In 2008, meinem ersten Jahr in Kathmandu hatten die Vermieter unserer Wohnung noch keine Solarzellen auf dem Dach. Heiß duschen hieß Wasser erhitzen, mit kalten Wasser mischen, in einen großen Eimer füllen und die Schöpfkelle als Brausekopf benutzen.

Im selben Jahr fingen die regelmäßigen Stromabschaltungen an. Zu dieser Zeit gab es weder einen Stromabschaltungsplan noch eine App mit frühzeitiger Erinnerung fürs Handy. So kam es häufig vor, dass das Wasser direkt nach dem Einseifen versiegte. Der Vermieter hatte vergessen die Wasserpumpe rechtzeitig anzustellen um das kühle Nass in die Tanks auf dem Dach zu befördern. Wie gut, dass wir eine Handpumpe im Garten hatten. Mit dem erneuten Einsatz der Schöpfkelle konnten die Seifenreste abgespült werden.

Uns ging es gut. Wir hatten zumindest fließendes Wasser im Haus. Ganz im Gegensatz zu unseren Nachbarn, die davon nur träumen konnten. Die quietschende Wasserpumpe als einzige Wasserquelle für vier Wohnhäuser war im Dauereinsatz. Alles, wofür Wasser benötigt wurde, spielte sich im Hof ab. Früh am Morgen wurden die Zähne geputzt. Der Hals wurde mit lautem Räuspern gereinigt. Dann wurde das schmutzige Geschirr gewaschen. Wenn die Sonne schien, wuschen sich die Frauen ihre langen schwarzen Haare. Die Kinder standen in Badehose und wurden von den Eltern eingeseift und mit einer Plastikkelle voller Wasser abgeduscht. Die Wäsche wurde in großen Schüsseln eingeweicht, gebürstet, geschrubbt, gestampft und gewrungen – so lange bis sie sauber war. Das einzig Gute; sie brauchen sich nicht nach den Stromausfallzeiten zu richten. Die Wasserpumpe konnte manuell von Hand bedient werden.

Seit unserem Umzug in ein Haus, sind wir nun selbst verantwortlich, die existentielle Flüssigkeit in die Tanks auf dem Dach zu pumpen. Um die im Garten stehenden 3500 Liter Tanks zu befüllen, erhalten wir regelmäßige Wasserlieferungen. Hier in unserer Straße in Lazimpat sind viele Häuser mit einer Wasserleitung, die mit einem Reservoir verbunden ist, ausgestattet. Außerhalb der Regenzeit erhalten wir Wasser alle 11 Tage, während des Monsuns alle 5 Tage. Die Lieferung beginnt in der Regel spät Abends um 23 Uhr und dauert meistens die ganze Nacht über. Damit das Wasser überhaupt in die Tanks fließen kann, muss die dafür angeschaffte Pumpe angeschaltet werden. Um ein Überfließen der Tanks zu vermeiden, ist es erforderlich ein bis zweimal früh morgens um 3 Uhr oder 4 Uhr aufzustehen und die Pumpe abzustellen. Wenn wir Glück haben, sind dann am Morgen die Tanks im Garten und der Tank auf dem Dach voll. 3500 Liter hören sich nach einer großen Menge an. Wenn der 500 Liter Tank auf dem Dach allerdings nach zwei Tagen leer ist, stelle ich mir schon die Frage, wo das ganze Wasser geblieben ist. Wäschewaschen, Duschen, Körperpflege, Putzen, Kochen, Geschirr abwaschen, Toilettenspülung – wie schnell die Kostbarkeit bei einem 4 Personen Haushalt auch bei einem bewussten Umgang mit Wasser aufgebraucht ist. Wenn der Tankboden nur noch mit einer kleinen Pfütze bedeckt ist, beginnt die Nervosität allerdings größer zu werden. Obwohl die Möglichkeit besteht, eine 6000 Liter Wasserlieferung per Tanklaster für ca. NPR 2000 zu bestellen, kann es schon vorkommen, dass ich genau beobachte, wann wer und wie lange eine Dusche nimmt. Vor allem wenn sich unser nepalischer Besuch, ohne zu fragen, ins Badezimmer begibt um einfach mal wieder heiß zu duschen. Das kann deutsche Nerven doch ganz schön strapazieren und erfordert eine gezielte Kontrolle der eigenen Reaktionen.

Verglichen mit den Gegebenheiten in anderen Haushalten in Kathmandu und Umgebung ist das eigentlich kein Grund sich aufzuregen. Es gibt noch genügend Leute, die in einem Gebäude ohne Wasserleitung oder ohne manuelle Wasserpumpe im Hof leben. Öffentliche Wasserstellen bieten für diese Menschen die Möglichkeit den Wasservorrat aufzufüllen. Gleich bei uns um die Ecke ist so eine Oase. Die öffentliche Wasserstelle ist ebenfalls mit dem Reservoir verbunden. Wenn bekannt wird, wann die Wasserlieferungen in unserem Gebiet erfolgen, stehen die Menschen mit ihren Wasserbehältern Schlange. Während der Monsunjahreszeit kommen die Wasserlieferungen öfters, manchmal sogar ganztags. Dann sind auch Frauen zu sehen, die sich die Haare direkt am Wasserplatz waschen.

Wenn ich in Deutschland zu Besuch bin, ist es eine Freude den Wasserhahn aufzudrehen. Heißes & kaltes Wasser rund um die Uhr, rund ums Jahr. Welcher Luxus.

Reise in eine andere Welt – DNH Projektreise

25. November 2018 at 9:07

Es ist wieder soweit!

Mit der im Frühjahr 2019 stattfindenden 3-wöchigen Projektreise nach Nepal  möchte die Deutsch-Nepalische Hilfsgemeinschaft, Stuttgart (DNH, www.dnh-stuttgart.org) Ihnen und allen Interessierten erneut einen direkten Einblick in ihre Projekte und ihre Arbeiten vor Ort ermöglichen. Fahren Sie mit der DNH zu den abgelegenen Schulen im Osten des Landes und fühlen bei  einem Kurz-Camping das Flair des sagenumwobenen Himalayas.  Genießen Sie ein hausgemachtes Dal Bhat bei einer nepalischen Familie während den Besichtigungen der Schule, des MGML-Lehrerausbildungszentrums sowie der dazugehörigen Homestays in Badalgaon.  Wandeln Sie auf den Spuren der Shah-Könige beim Besuch des ehemaligen Königreichs Gorkha. Lassen Sie sich verzaubern von der entspannten Atmosphäre des Phewa-Sees und machen Sie sich selbst ein Bild über die Förderung von Dalit-Mädchen bei einem Haus- und Familienbesuch im Elendsviertel von Pokhara.  Lassen Sie sich überraschen was der Dschungel im Chitwan Nationalpark alles zu bieten hat und nehmen Sie teil an der 25 jährigen Jubiläumsfeier der Aufforstungsaktion  und Anpflanzung eines Waldes als Pufferzone in Dharampur. Die Mitarbeiter und die Partner vor Ort freuen sich auf Sie!

Die Reise wird von der lokalen Reiseagentur Tembas Nepal Trek, Kathmandu, organisiert und durchgeführt.  Andreas Falk, der Vorstandsvorsitzende der DNH wird die Reise teilweise begleiten und Sie mit seinem umfangreichen Wissen über Nepal und seine Menschen informieren.

Reisezeitraum:  15. März bis 04. April 2019 (ab / bis Kathmandu)
Mindestteilnehmerzahl:  10 Personen
Vorläufiger Reisepreis: ab EUR 1.825,00

Verbindliche Anmeldungen bis spätestens zum  15.01.2019 bei Tembas Nepal Trek (info@tembasnepaltrek.com).

http://www.tembasnepaltrek.com/de/reisetermine/icalrepeat.detail/2019/03/15/247/-/projektreise-nepal-mit-der-deutsch-nepalische-hilfsgemeinschaft-e-v#.W_oQOegzY2w

 

Der Kaffeeautomat – nepalische Kreativität und Geschicklichkeit

20. Oktober 2018 at 10:57

Kaffee … am Morgen das ist ein Genuss. Ich liebe es nach dem Aufstehen die Kaffeemaschine anzuschalten, das Geräusch des Mahlwerks, das den feinen Duft der Kaffeebohnen in die Luft und in meine Nase schleudert und das anschließende Brummen, wenn der frisch gebrühte Kaffee in die Tasse fließt.

Heute Morgen ist alles anders. Das Geräusch zermahlener Bohnen wird durch das Leerdrehen des Mahlwerks ersetzt. Der Bohnenbehälter ist voll, Wasser ist auch aufgefüllt. An was liegt es? Was ist nur los mit unserem neuen Kaffeeautomaten? Hatte der alte uns doch über sechs Jahre treue Dienste geleistet.

Beim näheren Hinschauen erkenne ich, dass etwas Wasser unterhalb des Bohnenbehälters zu sehen ist. Temba, der in die Küche kommt und sich die Maschine anschaut, weiß genau wo der Haken liegt. Es ist Feuchtigkeit ins Mahlwerk gedrungen. Zuerst nimmt er alle Bohnen aus dem Behälter um diesen abzuschrauben und einen freien Blick auf das Mahlwerk zu bekommen. Das an den falschen Platz geflossene Wasser wird vorsichtig abgetupft. Dann sehe ich, dass seine rechte Hand voller Reiskörner ist. „Was machst Du denn damit?“ frage ich ganz verdutzt. „Die kommen ins Mahlwerk um dieses zu säubern und trocken zulegen.“ antwortet Temba ganz gelassen. „Oh nein, da geht doch die Maschine kaputt. Das kannst Du so nicht machen.“ widerspreche ich vehement. „Das mache ich immer so.“ entgegnet Temba und wirft die Reiskörner in die Mühle. „Ok, er wird schon wissen was er macht, denke ich. Temba kennt sich mit technischen Geräten und der heimtückischen nepalischen Feuchtigkeit aus. Es knirscht und rattert und dann fließt eine weißliche Flüssigkeit aus der Maschine. Es scheint geklappt zu haben.

Temba ist nicht zufrieden. Das Mahlwerk muss penibel gereinigt und vor allem getrocknet werden. Seine nepalische Kreativität und Geschicklichkeit faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Er fragt nach meinem Fön, den ich bereitwillig in die Küche bringe. Jetzt wird das Mahlwerk ein paar Minuten geföhnt. Ob das funktioniert? Siehe da… der frische Kaffee läuft wieder aus der Maschine und schmeckt wie eh und je. Temba ist einfach ein Genie.

 

Grüne Kaffeebohnen am Kaffeebaum