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Deutscher Delegationsbesuch in Nepal (2. – 5. April 2017)

28. Mai 2017 at 22:36

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks führt Gespräche über Klimawandel, Waldrestauration, Bodenschutz und besucht Projekte, die mit deutschen Mitteln gefördert werden.

Nepal ist ein Land, das durch den Klimawandel stark gefährdet ist. Gletscherschmelze und der dadurch hervorgerufene Anstieg des Wasserspiegels von Gletscherseen sind weiterhin zu erwarten. Die Luftverschmutzung in Kathmandu und Umgebung ist alarmierend. Eine gute Waldrestauration und Aufforstung können dazu beitragen die Erderwärmung zu stoppen und den Klimawandel aufzuhalten. Auch der Boden- und Wasserschutz sind in diesem Zusammenhang relevante Themen, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen.

Der viertägige Aufenthalt der Bundesumweltministerin Dr. Hendricks fällt in eine Zeit, in der die schlechte Luftqualität in Kathmandu immer spürbarer wird und die Stadt unter einer dunklen Smog Glocke verschwindet. Deutschland gehört zu den wichtigsten bilateralen Gebern Nepals. Die langjährigen diplomatischen Beziehungen zu dem kleinen Himalaya Staat machen Deutschland zu einem verlässlichen Partner. Der Austausch über brisante Umweltthemen war einer der Schwerpunkte des Aufenthalts der Ministerin. Während dem Ministertreffen wurden Möglichkeiten der technischen Zusammenarbeit erörtert und die kurzfristige Implementierung eines Bodenschutz Projekts besprochen. „Die Ausstattung der zahlreichen Ziegeleien mit Filtern, könnte im Rahmen der technischen Zusammenarbeit ein deutscher Beitrag zur Reduzierung der Verschmutzung und Verbesserung der Luftqualität in Nepal sein.“ äußerte die Umweltministerin in einem Pressegespräch.

Der Besuch von geförderten Projekten bildete den weiteren Schwerpunkt der Reise. Während der Besichtigung eines Dorfentwicklungsprojekts „Climate Smart Village“ im Kavre Distrikt stellten nepalische Frauen ihre Arbeit mit großem Selbstbewusstsein der Delegation vor. Im Wissenspark Godavari, einem Model für ganzheitliche Entwicklung und Praktiken in der Landwirtschaft, hat sich die Ministerin über die Inhalte und Ergebnisse informiert. Vor Ort sind verschiedene Technologien in den Bereichen erneuerbare Energien, Wassermanagement, Vegetation und Bodenbewirtschaftung zu sehen.  Das Projekt kann von jedermann besichtigt werden und soll die Besucher über die Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung in einem Hochgebirge Ökosystem informieren und sensibilisieren. „Ich bin sehr beeindruckt, was in Nepal zum Schutz der Wälder gemacht wird.“ erklärte die Ministerin gegenüber Pressevertretern.

Bei einem Besuch der Altstadt von Patan hat sich die Umweltministerin von den Wiederaufbauarbeiten überzeugt. Der mit Tempelanlagen übersäte Königsplatz in Patan war durch das verheerende Erdbeben im April 2015 stark betroffen.  Jetzt, fast zwei Jahre danach, befindet sich die vom Kathmandu Valley Preservation Trust geleitete Restauration in vollem Gange. Die einzelnen Tempel, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählen, werden unter anderem mit deutscher Beteiligung wiederaufgebaut. Direkt nach dem Erdbeben konnten viele historische Bauteile mit der Hilfe von Bewohnern und anderen Freiwilligen eingesammelt und im Innenhof des Museums gelagert werden. So blieben sogar Holzschnitzereien aus dem 9. Jahrhundert erhalten. Die akribische Sortierung und Nummerierung der nicht beschädigten Elemente erleichtern nun die Restaurierungsarbeiten. Die im Land vorhandenen Fähigkeiten der Handwerkskunst tragen darüber hinaus zu einem erfolgreichen Wiederaufbau bei. Heiligtümer und Tempel sind ein wichtiger Bestandteil im Alltag und Leben der Bevölkerung. Die deutsche Beteiligung am Wiederaufbau der Tempelanlagen findet dadurch eine besondere Bedeutung für die Menschen vor Ort.

Santa Man Maharjan, Einwohner von Patan und Betreiber des Gästehauses Lalit Heritage Home berichtet in einem Gespräch über die kulturelle Bedeutung des Patan Durbar Square. Der Platz ist ein lebendiges offenes Denkmal. Früh morgens und abends ist die Geschäftigkeit um den Tempelbereich besonders wahrzunehmen. Für alte und junge Menschen ist der altertümliche Bezirk als Treffpunkt nicht wegzudenken.  Während der vielen nepalischen Feste spielt dieser, für die Einheimischen so besondere, Ort eine zentrale Rolle und wird für traditionelle Aufführungen und Prozessionen genutzt.

„Ich kann die Wiederaufbauarbeiten am Durbar Square täglich von der Dachterrasse meiner Pension beobachten. Obwohl der Platz schon seit langer Zeit frei geräumt ist, gehen die Arbeiten langsam voran.“ setzt Santa seine Ausführungen fort.  Schuld daran ist seiner Meinung nach, die schleppende Initiative und Handlungsfähigkeit der nepalischen Regierung. Seine Enttäuschung ist ihm dabei ins Gesicht geschrieben.

Von seinem Logenplatz aus, hat Santa die deutsche Delegation am Tag des Ministerbesuchs allerdings nicht entdeckt. Das findet er sehr schade, denn er schätzt den deutschen Beitrag zum Wiederaufbau sehr. „Deutschland unterstützt die Stadt Patan mit Spendengeldern in verschiedenen Bereichen. Vor einigen Jahren wurde ein Projekt zur Müllentsorgung umgesetzt. Im Vordergrund der Unterstützung steht nun der Wiederaufbau der Tempelanlagen und damit der Lebendigkeit und Essenz des Weltkulturerbes.“

Die nachfolgende Aufforderung der Umweltministerin an die Menschen in Nepal könnte ein wirksames Mittel gegen die tiefe Enttäuschung von Santa über die eigene Regierung sein:

„Ich möchte die Menschen in Nepal aufrufen zur Wahl zu gehen und von ihrem demokratischen Recht Gebrauch zu machen.“

 


Pressegespräch in Kathmandu

 

Artikel erschienen in der Zeitschrift der Deutsch-Nepalischen Gesellschaft „Nepal-i“ (deutsch-nepali Magazin) – Ausgabe 116/2017

Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 21

10. Mai 2017 at 16:22

10. Mai 2017 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 21

Was sich in drei Monaten alles bewegen kann…


Seit der Versendung unseres letzten Rundbriefs und dem erneuten Start des Wiederaufbau-Projekts im Februar 2017 sind mittlerweile drei Monate vergangen.

Heute ist Vollmond. Es ist Buddha Jayanti, der Geburtstag von Prinz Siddhartha Gautama, später Gautama Buddha.

Die meisten Buddhisten in Nepal besuchen während diesem Fest mindestens eine der beiden Stupas in Swayambunath oder in Boudhanath um eine Kora (Umrundung der Stupa) zu gehen oder Butterlampen anzuzünden. Normalerweise sind die Wege rund um die Heiligtümer mit Gebete murmelnden Menschen überfüllt. Ein schnelles Durchkommen ist fast nicht möglich. In diesem Jahr sind es nur wenige, die ihre Runden drehen. Dies liegt zum einen daran, dass das Fest nach buddhistischem Kalender in einen “schwarzen” Monat fällt. Zum anderen aber auch an einem weiteren wichtigen in Kürze stattfindenden Ereignis: den Kommunalwahlen in Nepal. Viele Wahlberechtigte sind bereits unterwegs in die Dörfer um dort ihre Stimme abzugeben.


Die örtlichen Wahlen werden in zwei Phasen an zwei verschiedenen Tagen erfolgen. Diese Lösung ist den protestierenden Madhesi-Parteien, die die Wahlen aufgrund bisher nicht erfolgter Anpassung der Verfassung vom 20.09.2015 eigentlich boykottieren wollten, zuzuschreiben.  Die erste Phase umfasst den Wahltag am kommenden Sonntag, 14. Mai 2017  in 33 Distrikten der neuen Provinzen (Bundesstaaten) Nr. 3, 4 und 6. Die zweite Phase der Wahlen findet am Mittwoch, den 14. Juni 2017 in 43 Distrikten der Provinzen Nr. 1, 2, 5 und 7 statt. Die Verwaltungsgliederung in 75 Distrikte hat sich nicht geändert und ist nach wie vor gegeben.  Da der Distrikt Rukum jedoch in einen östlichen  Teil, der der Provinz Nr. 5 zugeordnet ist und einen westlichen Teil in der Provinz Nr. 6 untergliedert ist, ergibt sich die oben aufgeführte Zahl von 76 Distrikten.


Die Meinungen zu den Wahlen im Lande sind geteilt. Lokalen Zeitungsberichten zufolge haben die Menschen in Jumla kein Interesse an einer Wahlbeteiligung. Die dortige Bevölkerung, insbesondere die Jugend macht sich derzeit auf um Yarsagumba, den chinesischen Raupenpilz zu sammeln. Die Erntezeit, die auf die Monate Mai bis Juli begrenzt ist,  fällt genau in den Wahlzeitraum. Die meisten Menschen im Jumla Distrikt erwirtschaften in dieser relativ kurzen Zeit ihren gesamten jährlichen Lebensunterhalt durch das Sammeln und den Verkauf des Pilzes. Der Pilz, der auch “Himalayan Viagra” genannt wird, hat heilende Kräfte und wird zur Herstellung von Medizin verwendet.

Unterdessen nähern sich die Wahlkämpfe in Kathmandu und anderen nepalischen Städten dem Höhepunkt. Parteimitglieder ziehen zum Stimmenfang mit dröhnenden Lautsprecheransagen, lauter Musik und Motorrad Konvois durch die Straßen. Selbst telefonisch versuchen einige Kandidaten die Bürger von sich und ihrem Parteiprogramm zu überzeugen.

Damit sich auch Lehrer und Lehrerinnen  in den Wahlkampf einbringen und ihren Stimmzetteln in die Wahlurne werfen können, hat die Regierung ab heute Schulferien für vier Tage angeordnet.

Auch unsere Arbeiter in Brabal werden in den nächsten Tagen ihre handwerklichen Tätigkeiten einstellen, in ihre Dörfer ziehen und von ihrem demokratischen Wahlrecht Gebrauch machen.


Die Arbeiter und Bewohner von Brabal haben zwischenzeitlich hervorragende Arbeit geleistet. Nachdem bis Ende 2016 sechs Häuser erstellt wurden, konnten seit dem erneuten Start des Wiederaufbaus-Projekts  im Februar sieben weitere Häuser gebaut werden. Stand Mai 2017 sind nunmehr 13 Häuser fertiggestellt. Eine grandiose Leistung, die Dank der großartigen Unterstützung von Ihnen, den Spendern, Förderern,
Mitgliedern, Volontären und Freunden von Sunaulo Sansar, erbracht werden konnte.

Wenn der Monsun noch etwas auf sich warten lässt, ist der Bau von drei weiteren Häusern nach Beendigung der Wahlen geplant.

Am 25. April 2017 hat sich der Tag des schweren Erdbebens in Nepal zum zweiten Mal gejährt. Die National Reconstruction Authority Behörde (NRA), die aufgrund der langsamen Wiederaufbauarbeiten immer wieder in Kritik gerät, hat dazu einen zusammenfassenden Bericht über die bisherigen Arbeiten veröffentlicht. Der Bericht ist unter dem folgenden Link abrufbar:

http://nra.gov.np/uploads/docs/ymGbKAUqGs170501065959.pdf

 

Nachfolgend einige Fotoimpressionen von den Bauarbeiten und neuen Häusern in Brabal:

1. Das neue Haus von Nima Tenjen und seiner Frau Kamsya:

 

 

 

2. Das neue Haus von Namgyal und seiner Frau Bajyang:

 

 

 

 

3. Das neue Haus von Kanchha und seiner Frau Pasang Diki während der Bauphase (zwischenzeitlich fertiggestellt):

 

 

4. Das neue Haus von Bunima und seiner Frau Himali während der Bauphase (zwischenzeitlich fertiggestellt):

 

 

5. Das neue Haus der Witwe Nimabudi während der Bauphase (zwischenzeitlich fertiggestellt):

 

 

6. Das erste seismische Band für das neue Haus von Phurpu und seiner Frau Karma Yangjen (zwischenzeitlich fertiggestellt):

 

 

7. Die Grundsteinlegung für das neue Haus von Khamsung und seiner Frau Buyi (zwischenzeitlich fertiggestellt, bis auf Dachdecker Arbeiten):

 

Namaste!!!

Erstmalige Opern-Aufführung in Nepal

9. Mai 2017 at 8:01

Im Innenhof des Patan Museum konnten Besucher vom 3. bis 11. September 2016 die erste Opern-Aufführung in Nepal bestaunen. Die Kammeroper „Arjuna´s Dilemma“ mit Szenen aus dem indischen Epos Bhagavad Gita und Gedichten von Kabir lockte viele nepalesische und ausländische Besucher an. An den meisten Abenden waren die Vorstellungen ausverkauft.

 

Bezauberndes Bühnenbild

 

Dies spricht besonders für die neuartige Inszenierung von Douglas J. Cuomo unter der Leitung des Musikdirektors Jonathan Khuner und der Bühnenregisseurin Deborah Merola. Das Ensemble setzte sich aus Akteuren des One World Theatre Kathmandu, internationalen Opernsängern, Tabla-Spielern, Musikern der Kathmandu Jazz Conservatory und Sängerinnen des Kathmandu Chorale zusammen.

Das Bühnenbild war mit unterschiedlich großen Bambusrohren einfach, aber dennoch aussagekräftig gestaltet. Die wunderschönen Lichteffekte kamen darüber hinaus in der Dunkelheit besonders zur Geltung.

Die hervorragenden Darsteller, Musiker und Sänger aus Indien, Nepal, Europa und Amerika lieferten ein einzigartiges multikulturelles Zusammenspiel in Sanskrit, Hindi und Englisch. Weitere Akzente setzte das bezaubernde Solo eines Saxophonisten.

Die abwechselnde Harmonie und Disharmonie der Instrumentalstücke und Gesänge lies Interpretationen freien Raum.  Die Darstellung der inneren Krisen und Fragen von Arjuna im Zwiegespräch mit Krishna hinterlassen am Ende der Veranstaltung viele offene Fragen.

Ein Blick in den rezitierten Inhalt der Lehren des Bhagavad Gita, eine der zentralen Schriften des Hinduismus, ist bei der Antwortsuche hilfreich. Der Text wird oftmals als Allegorie verstanden und als Dialog der inneren Göttlichkeit, gespielt von Krishna, und der menschlichen Seele, verkörpert durch Arjuna, interpretiert. Das Leben wird als Schlachtfeld, das bei dieser Oper zum Bühnenbild wurde, dargestellt.  Das feindliche Heer, gegen das Arjuna seinen Kampf angesagt hat, repräsentiert die menschlichen Schwächen, die zu überwinden sind.

 

Poster zu „Arjuna´s Dilemma“

 

NAMASTE!

Artikel erschienen in der Zeitschrift der Deutsch-Nepalischen Gesellschaft „Nepal-i“ (deutsch-nepali Magazin) – Ausgabe 116/2017

 

Kalinchowk Tour

29. April 2017 at 17:10

Die perfekte Mischung aus Abenteuer, Faszination und nepalischem Leben

Wer Nepal bereist, möchte gerne die hohen Bergriesen sehen.  Wer dafür wenig Zeit mitbringt und ein lokales Kleinod sucht, findet in der Tour zum heiligen Ort Kalinchowk (3.747 m) im Dolakha Distrikt eine lohnenswerte und touristisch kaum frequentierte Reiseroute.

Innerhalb von drei oder vier Tagen erwarten den Reisenden eine Mischung aus Abenteuer, Faszination und nepalischem Leben.  Es bieten sich hervorragende Ausblicke auf die Gaurishankar Gebirgskette, Rolwaling Himal mit Melungtse (Tibet, 7.181 m) und Numbur Peak (6.958 m), Jugal Himal mit Shishapangma (Tibet, 8.013 m) und Langtang Himal.

Die Berge scheinen zum Greifen nahe. Atemberaubende Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge. Ein Meer aus aufsteigenden Nebelschwaden mit den hohen weißen Bergriesen im Hintergrund. Im Frühjahr zaubern die Blüten der unzähligen Rhododendron Wälder zusätzlich farbige Tupfer in die Landschaft und auf das Erinnerungsfoto.

 

Mystische Stimmung

 

Kalinchow ist ein heiliger Platz zu dem Einheimische aus Nah und Fern pilgern. Der Tempelbereich Kalinchowk Bhagwati ganz oben auf der höchsten Erhebung des Bergrückens ist der Göttin Kali geweiht. Die schwarze schreckliche Göttin, die böse Manifestation von Parwati, der Frau von Shiva.

 

Dreizacke im Nebelmeer

 

Bereits während der Fahrt von Kathmandu über Dhulikhel, Balephi, Karichaur, Mure, Karidhunga nach Charikot sorgt die grüne und abwechslungsreiche Landschaft für Begeisterung bei den Besuchern. Diese Idylle lässt die derzeitigen staubigen Straßenbauarbeiten etwas erträglicher werden. Charikot ist eine typisch lebendige Bezirkshauptstadt, die touristisch – bis auf den guten Ausblick auf den Himalaya – wenig zu bieten hat. Es gibt viele einfache, aber auch mittelprächtige Unterkünfte und Hotels. Sehr zu empfehlen ist das Hotel Charikot Panorama Resort, das oberhalb des Stadtkerns liegt.  Wer nach der Ankunft noch etwas Zeit hat, kann über den quirligen Bazar schlendern und in das nepalische Stadtleben eintauchen.

 

Blick auf Gaurishankar Himal von Charikot aus

 

Nachdem mittlerweile eine einfache Schotterpiste von Charikot bis nach Kurikharkha auf 3.345 m führt, bietet es sich an diese Strecke mit einem Jeep zurückzulegen. Die seitlichen Haltegriffe im Fahrzeug erlangen eine hohe Wichtigkeit während die Fahrzeuginsassen unaufhaltsam Hin und Her geschüttelt werden. Dennoch ist eine abenteuerliche Fahrt dem Wandern auf der staubigen, unbefestigten Fahrbahn mit mäßigem Fahrbetrieb vorzuziehen. Bereits die Blicke auf die Gaurishankar Gebirgskette, die ab und zu en befahrbaren Wald – und Feldweg säumen, tragen zur Entschädigung bei. Sonnenuntergangsbeobachtungen und der fantastische Blick auf die majestätisch thronenden Himalaya Gipfel am Aussichtspunkt kurz vor Kurikarkha lassen die teils beschwerliche Fahrt dann völlig vergessen.  Die aufziehenden Nebelschwaden bilden zusammen mit der untergehenden Sonne fantastische Lichtspiele. Die kleinen Choerten und Steintempel tragen darüber hinaus zu einer mystischen Stimmung bei.

Kurikharka ist eine kleine, aus mehreren Lodges und Gästehäusern bestehende, unterhalb von Kalinchowk in einer Mulde liegende Siedlung. Die markante Formation des Kalinchowk, einer eiförmigen Erhebung, platziert auf dem Höhenzug ist bereits von Kurikharka aus zu sehen.

 

Kurikharka

 

Wer der Sonnenaufgang ganz oben auf dem Kalinchowk genießen möchte, muss sehr früh aufstehen. Die Wanderung von Kurikharka bis zum Tempelbereich dauert ca. 2 – 3 Stunden.  Eine gute und helle Taschenlampe sollte dabei nicht vergessen werden. Wer nicht gut zu Fuß ist oder etwas länger schlafen möchte, kann mit dem Jeep bis zum ersten Aussichtspunkt mit Parkplatz fahren. Von dort aus geht es über einen schmalen Pfad den Bergrücken entlang bis nach ganz oben. Das letzte Stück ist relativ steil, lässt sich aber durch die betonierten Treppen mit Geländer gut bewältigen. Diese Wanderung dauert ca. 1 – 1 ½ Stunden.  Auf 3.747 m angekommen, werden die Besucher mit einem Meer aus Dreizack, Glocken und Gebetsfahnen empfangen. Die hohen schneebedecken Berge und die Lichtreflexe der aufgehenden Sonne lassen das Herz vor Verzückung tanzen. Ein wahrlich heiliger Platz. Hier lässt es sich Verweilen. Die Rituale und Opferungen der Pilger sind interessant zu beobachten.

 

Gebetsfahnen und Himal

 

Eine warme Tassen Tee oder Kaffee in einem der Teehäuser unterhalb des Gipfels machen den Rückweg leichter.  In Kurikharka angekommen, kann nach einem ausgiebigen Frühstück die Heimfahrt nach Kathmandu oder Rückkehr nach Charikot angetreten werden.

Das Kloster Druk Choeling Nunnery mit insgesamt 17 Nonnen liegt etwas versteckt, seitlich der Straße, die nach Charikot führt. Es bietet sich an die wunderschöne, idyllisch an einem Hang gelegene Klosteranlage zu besichtigen. Der dortige Ausblick auf die Gaurishankar Kette ist atemberaubend.

 

Choerten im Druk Choeling Nonnenkloster

 

Wer sich Zeit lassen und die frische klare Luft genießen möchte, kann nach diesen beeindruckenden Erlebnissen noch eine Nacht in Charikot oder Kurikharka verbringen. Der Bhimeshwar Tempel im Ort Dolakha, könnte während einer zusätzlichen Übernachtung in Charikot besichtigt werden.

Wer die Rückfahrt nach Kathmandu über Manthali bis nach Khurkot auf der Khurkot Manthali Straße und anschließend via Nepalthok und Dhulikhel auf dem BP Koirala Highway wählt, bekommt nochmals eine ganz andere Seite Nepals gezeigt. Der BP Koirala Highway, der mit japanischer Unterstützung gebaut wurde, macht ein bequemes Reisen möglich. Vorbei geht es an den Flüssen  Tamakoshi und Sunkoshi. Üppiges Weidegras, grüne Terrassenhänge und die weißen Sandbänke der beiden Gewässer wechseln sich mit einer Hügellandschaft aus roter Erde ab.

Innerhalb kurzer Zeit können bei dieser Tour tolle Eindrücke gesammelt und zusätzlich insgesamt sechs verschiedene Distrikte (Kathmandu, Bhaktapur, Kavre, Sinduphalchowk, Dolakha, Ramechhap) durchquert werden.

Reiseroute für 3 / 4 Reisetage:

Tag 1:
Kathmandu – Charikot (2.088 m) via Dhulikhel, Karichaur, Karidhunga (ca. 6 h) (empfehlenswertes Hotel: Charikot Panorama Resort), Übernachtung in Charikot
Tag 2:
Charikot – Kurikharka (3.345 m) (ca. 2 – 3 h), empfehlenswerte Lodge/Teehaus Kalinchowk Country Vila, lohnenswerter Stopp am Aussichtspunkt (Sonnenuntergangsbeobachtungen) kurz bevor es in die Talschneise nach Kurikharka geht, Übernachtung in Kurikharka

Tag 3:
Kalinchowk – Sonnenaufgangsbeobachtungen, zu Fuß von Kurikharka bis zum Tempelbezirk (ca. 2 – 3 h) oder mit dem Jeep von Kurikharka bis zum ersten Aussichtspunkt mit Parkplatz (3.550 m) (ca. 20 min Fahrt, 1 – ½ h Wanderung bis zum Tempelbezirk),
Kurikhara  – Charikot (ca. 2 h), Besuch des Druk Choeling Nonnenklosters auf dem hälftigen Rückweg nach Charikot, Option A: Charikot – Kathmandu über den BP Koirala Highway oder Option B: weitere Übernachtung in Charikot und Besichtigungsmöglichkeit Bhimeshwar Tempel in Dolakha,

Tag 4:
Charikot – Kathmandu (ca. 7 – 8 h) via Manthali und danach auf dem BP Koirala Highwa via Khurkot, Neaplthok, Dhulikhel nach Kathmandu.

 

Herrlicher Ausblick auf das Himalaya Gebirge

 

Die englische Version dieses Artikels wurde im New Spotlight Magazine Nepal am 03. Februar 2017 veröffentlicht.

http://www.spotlightnepal.com/News/Article/Kalinchowk-Tour-perfect-tour-Nepal

Zehn Jahre Nepal

10. März 2017 at 18:56

Genau heute vor zehn Jahren, am 10. März 2007 habe ich das erste Mal nepalischen Boden betreten. Ich kann es kaum glauben wie schnell die Zeit verflogen ist. Die damalige Reise hat mein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Eine Wende von 180 Grad, für die ich sehr dankbar bin.  Innerhalb dieser zehn Jahre hat sich nicht nur Nepal verändert – ich mich auch.

Den heutigen Tag möchte ich zum Anlass nehmen und das Gedicht, das ich am 11.12.2007 geschrieben habe, teilen.

Reise in eine neue Welt

Die Tage verrinnen, ein Koffer ist schon gepackt,
überall stehen Kisten.
Heute in einer Woche bin ich weg.
Was nehme ich mit? Was bleibt?
Diese Fragen stelle ich mir 100mal am Tag.
Was würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Meine neue Heimat ist keine einsame Insel
– dennoch eine völlig neue Welt.

Anfangs rasten Fragen wie Blitz und Donner durch meinen Kopf:
Was ist Sicherheit?
Wie bunt kann ein Leben sein?
Warum Veränderung?
Was heißt Fließen?
Wo ist die Struktur?
Warum Erstarren?
Wie lautet die Regel?
Wo ist die Ausnahme?

Und mein Herz juchzte vor Freude:
Immer ersehnt, gewünscht und erhofft.
Eine Türe hat sich geöffnet und ich trete durch.
Eine neue Welt erwartet mich,
HIMALAYA, dort wo die Götter wohnen.
Manche Freunde sagen,
Du wirst dort Gott ein bisschen näher sein als wir.
Alles ist bunt und strahlt voller Lebendigkeit.
Das Land löst eine magische Faszination bei mir aus.
Ein Ort voller Energie, Mystik und Stille.

Aber manchmal bricht ganz unverhofft wieder das Gewitter los:
Was ist Sicherheit?
Wie bunt kann ein Leben sein?
Warum Veränderung?
Was heißt Fließen?
Wo ist die Struktur?
Warum Erstarren?
Wie lautet die Regel?
Wo ist die Ausnahme?

Und mein Herz springt vor Freude und tanzt:
Immer ersehnt, gewünscht und gehofft.
Eine Tür hat sich geöffnet und ich trete durch.
Mein Herz hat Recht und ich vertraue.
Ein unbeschreibliches Gefühl, als ob ich ein Gefäß bin
und die Freude und Lebendigkeit überquellen.
Es ist schwierig in Worte zu fassen.
Ich trete ein, voller Begeisterung und Überzeugung,
ein neuer Raum wird sichtbar.
Ohne bewertende Grenzen, voller Möglichkeiten.

Hier werde ich die Antworten auf das Unwetter finden:
Was ist Sicherheit?
Wie bunt kann ein Leben sein?
Warum Veränderung?
Was heißt Fließen?
Wo ist die Struktur?
Warum Erstarren?
Wie lautet die Regel?
Wo ist die Ausnahme?

Und mein Herz ruft mir lachend zu:
Danke Deinem mutigen Ausprobieren.
Danke Deinem göttlichen Vertrauen.
Du wirst immer versorgt und getragen!

JA – das Leben ist kunterbunt und voller Möglichkeiten.
Und zum Schluss noch eine sehr passende nepalische Weisheit:

Sage nicht ein Pass sei unüberwindlich, steig hinauf und überschreite ihn.

 

Laurebina Pass, Gosainkunda, 4.610 m (24.3.2007)

 

Namaste!