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Die Bühne des Lebens

22. August 2016 um 20:04

Das Theaterstück ist in vollem Gange und das Bühnenbild im ständigen Wechsel und Wandel. Das Szenario ändert sich mal schneller, mal langsamer. Bühnenbild Familie, Bühnenbild Beziehung, Bühnenbild Beruf. Immer im Kontext des sozialen und kulturellen Weltbildes. Wir spielen verschiedene Rollen im Schauspiel und tauchen dabei ein in das Meer der Emotionen. Oftmals verfangen wir uns darin und sind fast am Ertrinken.

Besonders bei solchen dramatischen Szenen sollte niemals vergessen werden, dass wir Akteur und Regisseur zugleich sind. Die Perspektive und die Kameraeinstellung kann adjustiert und verfeinert werden. Selbst das Drehbuch kann neu geschrieben werden. Jeder einzelne Akt und in jedem Augenblick.

So einzigartig und wunderschön ist der Film des Lebens!

NAMASTE!

 

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Was hat es mit dem Kopf hin und her Wiegen in Nepal auf sich?

30. Juli 2016 um 13:40

Ja – Nein – Vielleicht?

Wer in Deutschland einmal kurz oder auch mehrfach hintereinander mit dem Kopf nickt, gibt dadurch ein klares und direktes JA zum Ausdruck. Wer kräftig den Kopf schüttelt und ihn dabei seitlich nach links und rechts bewegt signalisiert ein NEIN.

Nonverbale Kommunikationen durch Gesten sind je nach Kultur ganz unterschiedlich. Deshalb sorgt das hin und her Wiegen des Kopfes in Nepal beim ausländischen Gegenüber oftmals für Verwirrung.

Nach europäischem Verständnis wird mit dieser Bewegung des Kopfes eine Ablehnung ausgedrückt. In Nepal zeigt das in einem langsamen Tempo seitliche hin und her Wiegen des Kopfes eine Zustimmung an. Dabei handelt es sich eher um ein weiches JA, das auch in ein Vielleicht übergehen kann. Ein NEIN wird in Nepal ebenfalls durch ein kräftiges seitliches Kopfschütteln symbolisiert. Dies kommt jedoch äußerst selten vor, da Ablehnung in der Öffentlichkeit nicht immer direkt gezeigt wird.

Kulturbedingte Verhaltensweisen können Rätsel aufgeben. Wichtig ist dabei offen zu bleiben, zu beobachten und gegebenenfalls nachzufragen.

NAMASTE!!!

 

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Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief Nr. 18

28. Juni 2016 um 21:25

28. Juni 2016 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 18

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier … das Dorf Brabal wächst im Wiederaufbau

Die Dorfbewohner von Brabal haben zusammen mit den Arbeitern aus Okhaldhunga innerhalb eines Monats eine großartige Leistung vollbracht!

Mittlerweile sind insgesamt vier Häuser fertiggestellt und die Grundsteinlegung für das fünfte Haus erfolgte vor 3 Tagen.

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Wer hart arbeitet, braucht auch mal eine Pause

 

Wir sind überwältigt und freuen uns, dass wir mit Ihrer finanziellen Unterstützung solche Fortschritte bei unserem Wiederaufbau-Projekt verzeichnen können.

Der Monsun hat dieses Jahr bereits Mitte Mai eingesetzt. Viele Straßen sind durch Erdrutsche blockiert. Auch die unbefestigte Trasse von Thulo Bharku nach Brabal ist seit gut zwei Wochen nur noch von Fahrzeugen mit Vierradantrieb unter allergrößten Mühen befahrbar. Wir sind froh, dass wir bereits vor dem heftigen Regen die Materialien wie Sand, Zement und Stahl ins Dorf transportierten. Nach Fertigstellung des fünften Hauses sind noch genug Materialien für den Bau eines weiteren vorhanden.

Danach machen wir eine kleine Bau-Pause, die bis zum Ende der Regenzeit im September dauern soll. Während dieser Phase werden die Arbeiter in ihren Distrikt zurückkehren. Da die meisten Arbeiter ihre Häuser durch das Erdbeben verloren haben, können sie die Zeit nutzen um die notwendigen Dokumente für die Beantragung der staatlichen Entschädigungssumme vorzubereiten.

Interessanterweise publizierte die Kathmandu Post gestern einen Artikel über den Auszahlungsprozess an die Erdbebenopfer. Es wird berichtet, dass die erste Rate von NPR 50.000 (ca. EUR 435) bereits an 5.800 betroffene Haushalte ausbezahlt wurde. Waren es vor zwei Monaten nur 641 Haushalte, die die Gelder entgegen nehmen konnten, ist das ein echter Fortschritt.

Ferner wird in diesem Artikel berichtet, dass die Opposition seit geraumer Zeit die Auszahlung der Gelder in einer Summe über NPR 200.000 an die Betroffenen fordert. Dazu sieht sich die National Reconstruction Authority (NRA) aufgrund besehender Richtlinien außerstande. Nach Angaben der NRA wurde die Bestimmung, die Entschädigung in Raten auszuzahlen, mit der Weltbank abgestimmt und bereits im August 2015 unterzeichnet. Die Weltbank äußerte zum damaligen Zeitpunkt Bedenken, dass die Verwendung der Gelder missbräuchlich erfolgen könnte, wenn sie in einer Summe zur Verfügung gestellt werden.

Um solche Bedenken nicht aufkommen zu lassen übergeben wir generell kein Bargeld an die Dorfbevölkerung. Vielmehr achten wir bei der Umsetzung unseres Projekts darauf, dass lediglich Materialien, Transport und Arbeitskraft für den Bau der Häuser zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich möchten wir mit der Regelung über die zu erbringenden Eigenleistungen vermeiden, dass seitens der Dorfbevölkerung eine “Handaufhalte-Mentalität“ entsteht. Die Bewohner können durch die Erbringung von Eigenleistungen Wertschätzung entwickeln und Verantwortung übernehmen. Letztlich gibt uns die positive Entwicklung unseres Projekts die Bestätigung, dass wir dabei den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Erfreuen Sie sich zusammen mit uns, den Dorfbewohnern und den Arbeitern an den nachfolgenden Fotoimpressionen der neuen Häuser:

Haus Nr. 1 von Diki und Renzin Tamang:

Diki & Renzin house

Sabine und Temba vor dem neuen Haus von Diki & Renzin 

 

Haus Nr. 2 der Familie Damgyalmo & Lakta Tamang:

Lakta house

Wunderschöner von Lakta geschnitzten Türrahmen

 

Haus Nr. 3 von Frau Yangri Tamang:

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Das fertige Haus von Yangri

 

Yangri house

Wie schön, ein alter Fensterrahmen wurde wieder verwendet

 

Haus Nr. 4 der Familie Chho Pema & Sonam Tamang:

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Der Neubau von Chho Pema & Sonam

 

Fundamenterstellung Haus Nr. 5 der Familie Nima Pema & Babu Singhi Tamang:

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Grundsteinlegung

 

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Babu Singhi & Nima Pema

 

Vorbereitungen für das Haus Nr. 6 der Familie Senchhomo & Dandul Tamang:

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Gemeinsam geht das Trümmer abtragen am einfachsten

NAMASTE

Sabine & Temba

NAMASTE

26. Juni 2016 um 21:20

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Namaste ist ein Wort, das in meinen Beiträgen sehr häufig vorkommt.

„Was bedeutet dieses Wort?“ fragen sich sicherlich einige Leser, die wenig Bezug zu Asien oder Nepal haben.

Namaste ist eine in Indien und Nepal verwendete Grußformel. Sie wird sowohl zur Begrüßung als auch zum Abschied eingesetzt. Namaste heißt übersetzt: “Ich grüße das Göttliche in Dir.“

Beim Aussprechen des Wortes Namaste führt der Grüßende gleichzeitig eine Geste aus, bei der die Handinnenflächen vor der Brust in Höhe des Herzens aneinanderzulegen sind. Dadurch wird dem Gegenüber Respekt und Achtung gezollt.

Zusätzlich aktiviert die Handstellung der „betenden Hände“ den eigenen Energiekreislauf. Wer einmal länger in dieser Haltung verharrt, merkt sehr schnell wie wohltuend sich diese Geste auf den Herzbereich und den gesamten Organismus auswirkt. Es breitet sich ein innerer Frieden und Stille aus.

 

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Garuda in Namaste-Haltung vor dem Tempel in Changunarayan

 

Ich mag diese höfliche Grußgeste sehr gern. Es gibt die Gelegenheit im Alltagsgeschehen kurz inne zuhalten. Sich auf den gegenüberstehenden Menschen und sich selbst zu konzentrieren. Es entsteht dabei eine Situation voller Wertschätzung und Anerkennung. Ganz anders als wenn ein schnelles und unverständliches “Hi“ oder “Hallo“ gemurmelt wird.

Eine gesteigerte Ehrerbietung kann durch das abgewandelte Wort „Namaskar“ ausgedrückt werden. Oftmals wird diese Form älteren Generationen gegenüber verwendet.

Das Wort Namaste kommt aus dem Sanskrit und setzt sich aus der Silbe „Namas“ (Verehrung) und dem Pronomen „te“ (dir) zusammen. Dabei handelt es sich sprachwissenschaftlich um die Basis (Namas) und das Klitikon (te), das sich daran anlehnt. Beides zusammen bildet die Worteinheit.

NAMASTE!

Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 17

31. Mai 2016 um 23:16

31. Mai 2016 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 17

Fortschritte sind ersichtlich!

Der Fortschritt ist wie ein Strom, der sich auf seine eigene Weise den Weg bahnt.
– Leopold von Ranke, Berliner Historiker –

 

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Wenn Nepal in den europäischen Medien erwähnt wird, dann meistens nur noch am Rande und im negativen Sinne über die Verzögerungen des Wiederaufbaus. Sicherlich hat dies seine Berechtigung, aber es gab in den letzten Wochen auch positive Meldungen, die wir hier gerne erwähnen möchten. Die folgenden Informationen haben wir der Kathmandu Post entnommen:

13.05.2016: Die Nepal Reconstruction Authority (NRA) hat das Post Disaster Recovery Framework (Dokument mit den Rahmenbedingungen und den Plänen zum Wiederaufbau) planmäßig zum Jahrestag des zweiten Erdbebens (12.05.2016) fertiggestellt.  Die Bekanntmachung der 5 Jahres-Planung erfolgte durch Premierminister Oli. Das Dokument statuiert, dass 838 Billionen Nepali Rupie für den Wiederaufbau notwendig sind.

13.05.2016: Unterzeichnung eines 1 Million Euro- Programms zwischen der EU und der TI Nepal (Transparency International Nepal) zur Förderung der Integrität, Transparenz, Rechenschaftspflicht und des sozialen Zusammenhalts im Rahmen der Wiederaufbaumaßnahmen.  Das Projekt ist für einen Zeitraum von 5 Jahre ausgelegt und Teil eines 105 Millionen Euro Pakets, das die EU für die Wiederaufbaumaßnahmen gewähren wird.

28.05.2016: Vereinbarung zwischen der NRA und drei Banken-Vereinigungen im Hinblick auf Kontoeröffnungen und Auszahlungen der Entschädigungssummen für betroffene Privathaushalte.  Auszahlungen sollen bis zu einer definierten Summe kostenfrei erfolgen.

 

 

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Arbeiter & Hausbesitzer in Brabal

 

Auch wir können Fortschritte von unserem Wiederaufbau-Projekt berichten. Es war mir ein Herzensanliegen vor meinem Deutschlandaufenthalt unser Wiederaufbau-Projekt in Brabal zu besichtigen. So reisten wir vom 18. bis 20. Mai 2016 ganz geschwind, wie der Wind, nach Brabal und zurück nach Kathmandu.

 

 

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Wunderschön geschnitzte Details am Türrahmen

 

Unterwegs haben wir in den Dörfern einige neue Häuser im Bau gesehen. Es tut sich etwas. Besonders erfreulich ist, dass die meisten mit seismischen Bändern und Eckverstärkungen in einer erdbebensichereren Bauweise erstellt werden.

Ab dem Ort Trisuli  konnten wir an der Straße, die über Shafru Bensi bis zur Grenze nach Tibet (Rasuwagadhi – Kerung) führt, viele Bauarbeiten beobachten. Neue Hangabsicherungen aus Gabionen mit Steinfüllungen wurden angebracht. Dies ist gewiss notwendig, da seit kurzem die Importlieferungen aus China über die Grenze Rasuwagadhi- Kerung erfolgen. Hunderte von bunt bemalten Lastwagen warten in dem Dörfchen Timure (Nepal)  auf die Zollabfertigungen und werden danach die Straße über Trisuli nach Kathmandu befahren. Zeitungsberichten zu Folge soll die Straße innerhalb der nächsten zwei Jahre ausgebaut und erneuert werden.

 

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Warten auf die Zollformalitäten

 

Die Fahrt von Sano Barkhu bis Brabal war, beziehungsweise ist ein wahres Abenteuer. Um die serpentinenreiche Strecke zu bewältigen mussten wir wegen der engen Wegführung mehrfach Anlauf nehmen um “die Kurven zu kriegen“. Bei trockenem Wetter ist es ratsam die Fenster zu schließen. Der feine Sand wirbelt auf und hinterlässt eine riesige Staubwolke. Bei Regenwetter ist es besser, die Straße, die sich in einen Schlamm-See verwandelt, zu meiden. Zu groß ist das Risiko, dass das Fahrzeug stecken bleibt.

Nach wie vor tut es mir in der Seele weh, zu sehen, wie sich der wunderschöne idyllische Wanderweg in einen befahrbaren Pfad verwandelt. Jetzt führt die Strecke  schon bis zum nächsten Ort Thulo Shafru. Dennoch bringt die Straße Fortschritt in die Dörfer. Ohne die neue Straße wäre es uns in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen, den Zement, Sand und Stahl nach Brabal zu transportieren.

 

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Ein befahrbarer Weg entsteht

 

Was mich nach unserer Ankunft in Brabal erwartete, hat alle meine Erwartungen und Vorstellungen übertroffen:

 

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Das erste Muster-Haus in Brabal

 

Ein Haus war bereits komplett erstellt. Ein weiteres Haus befand sich im Bauprozess und wartete auf die Dachkonstruktion. Mittlerweile ist dieses Haus ebenfalls fast fertig und ein Drittes ist im Bau. Temba und ich freuen uns riesig über die professionelle Bauweise, die hervorragende Leistung der Nepalesen sowie über die Solidarität und Zusammenarbeit der Dorfbewohner. Jeder hilft jedem – es wird zusammen Holz gesägt, Fensterrahmen und Türen gebaut, Steine ausgegraben. Die Regelung, dass jeder Betroffene Holz, Fenster-Glas und Steine selbst beschaffen muss und für die anschließende Innenausstattung (Boden, Raum-Dämmung, Einrichtung, etc.) eigenverantwortlich ist, wird bereitwillig umgesetzt.

 

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Das zweite Muster-Haus im Bau

 

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Dorfbewohner helfen sich gegenseitig

 

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Holzarbeiten – Fenster- und Türrahmen entstehen

 

Wir haben derzeit noch Materialien (Zement, Sand und Stahl) für fünf weitere Häuser in Brabal. Je nachdem wie sich die Regenzeit entwickelt, setzen wir die Bauarbeiten fort. Darüber hinaus kümmert sich Temba verstärkt um den Genehmigungsprozess in Dhunche.

Nach Fertigstellung von zwei Häusern können wir nun die konkreten Kosten für ein Haus beziffern. Die Kosten setzen sich aus Transportkosten (von Trisuli nach Brabal), Materialkosten (Sand, Zement, Stahl und Wellblech) sowie Arbeitskosten (Arbeitskräfte aus dem Okhaldunga Gebiet) zusammen und betragen für ein Haus EUR 7.250,00.

 

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Weiteres Baugrundstück in Vorbereitung

 

In diesem Betrag sind die Kosten für Fenster-Glas, Holz und Steine sowie die Materialien für die Innenausstattung (Raum-Dämmung, Boden, etc.) nicht enthalten. Diese Leistungen müssen als eigenständiger Beitrag durch die Dorfbewohner erbracht werden. Nur dadurch ist gewährleistet, dass Eigenverantwortung übernommen wird und eine Wertschätzung entstehen kann.

Viele weitere Fotos zum Projekt und Baufortschritt stellen wir in Kürze auf unsere Facebook-Seite: https://www.facebook.com/helpforlangtang/

NAMASTE!

Sabine & Temba